Diät: Wie dick darf man sein?
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In unschöner Regelmäßigkeit, alle zehn bis zwanzig Jahre, werden Frauen und Männer gemessen, gewogen und oft zu schwer befunden. Ebenso regelmäßig werden neue Normwerte aufgestellt. Die Ergebnisse nehmen sich vor allem Frauen zu Herzen.
Frauen fasten, zählen Kalorien und Fettanteile in ihrem Essen, schlucken Abmagerungspillen und werden ihrer momentanen Erfolge doch nicht froh. Denn der malträtierte Körper wehrt sich auf seine Weise und legt sich zum Schutze vor weiteren drakonischen Maßnahmen noch mehr Fett zu. Da bleibt nur noch Resignation, wenn nicht Depression. Das soll gesund sein? Oder schön?
Da hilft kein Spruch vom Gatten „Ich mag dich so, wie du bist“ und kein tröstendes Wort von der „Rubensfrau“, die zu ihren Pfunden steht, oder vom niedlichen, gut gepolsterten „Barockengelchen“. Fett, so sagen die damit Beladenen bitter, mag früher als feminin gegolten haben; heute ist es nur lästig, ein Zeichen von Willensschwäche und Anlaß für viele kränkende Bemerkungen. Obendrein gilt es als gesundheitsgefährdend.
„Das Fett muß weg“
So scharen sich die Dicken oder die, die sich dafür halten, tapfer in die Reihen der Fastenden ein oder machen jede neue „Garantiert-10-Pfund-in-der-Woche“-Diät mit. Auf diese Weise haben manche Frauen im Alter von 50 Jahren insgesamt bereits ein oder sogar mehrere Male ihr Lebendgewicht verloren. Viele Frauen haben Kleidung verschiedener Größen im Schrank - für die dicken und die dünnen Zeiten.
Unsere gnadenlos auf „Bodystyling“ fixierte Gesellschaft verlangt, daß nicht nur unsere Leistung, sondern auch unser Körper einer Norm zu entsprechen habe.Doch die Normen sind sehr hoch gesteckt, und das Ideal ist für die meisten nur mit Kasteiung zu erreichen. Zu strenge Normen aber machen die Menschen krank und schwach. In puncto Körpergewicht bewirken sie eher das Gegenteil dessen, was sie angeblich anstreben. Beispiele für den Terror des Schlankheitsfimmels sind die grassierenden Eßstörungen. Sie sind meist nur in langen Therapien zu behandeln und führen trotzdem zu weiteren Erkrankungen.
Warum essen die Menschen zu viel?
Die Erklärungen, warum Menschen durch zu vieles Essen dick sind, füllen Bände. Die psychologischen Gründe reichen von der familiären Anlage über frühkindliche Versagungen oder unverdaute Schicksalsschläge bis hin zum puren Frustessen und undisziplinierter Völlerei - alles mit denkbar negativen Vorzeichen versehen. Doch die Frage: Was ist eigentlich zu dick? wird von Jahrzehnt zu Jahrzehnt anders beantwortet.