MenüMenü

Bioprodukte: Natürlich isst es sich einfach besser!

Inhaltsverzeichnis:

  1. Natürlich isst es sich besser!
  2. Was genau bedeutet Bio?
  3. Gesunde Vitalstoffe in Biomilch und -fleisch

Fleischskandale, Pestizide in Obst und Gemüse: Immer wieder gibt es neue Schreckensmeldungen über belastete Lebensmittel. Gleichzeitig schießen Biosupermärkte wie Pilze aus dem Boden und normale Discounter nehmen verstärkt Bioprodukte ins Sortiment. Was ist dran am Trend? Und wann ist Bio wirklich Bio?

Bio Etikett© Olivier Le Moal – Adobe Stock

Natürlich isst es sich besser!

Hand auf’s Herz: Haben Sie sich im Spätsommer schon einmal als „Dieb“ betätigt? Auf einer Streuobstwiese einen Apfel aufgehoben oder an einem Pflaumenbaum eine Pflaume abgepflückt und dann aus der Hand gegessen? Sicher werden Sie dann zustimmen: Das Obst sieht nicht so schön rund und ebenmäßig aus wie das aus dem Supermarkt. Aber es schmeckt viel besser als die auf Hochglanz polierten Äpfel und die makellosen Pflaumen.

Obst, Gemüse und all die anderen Waren, die Sie in einem konventionellen Supermarkt kaufen können, haben einen Nachteil: Sie sind veredelt, speziell zubereitet oder verarbeitet, um möglichst schön auszusehen, damit Sie als Kunde gerne zugreifen und dem Supermarkt möglichst viel Profit bringen. Auf der Strecke bleiben bei solchen Edelwaren aber Geschmack und Vitalstoffe zu Ihrem Nachteil.

Lohnt sich der Griff zu Biogemüse für Sie wirklich?

Die Meinung unserer Expertin Astrid Schobert:

„Als Verbraucher erwarten Sie natürlich gerade bei Obst und Gemüse aus dem ökologischen Anbau, dass die Lebensmittel keine Rückstände enthalten. Schließlich versprechen Ihnen Bioerzeuger durch ihre Produktauslobung sozusagen per Gesetz, komplett auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel zu verzichten. Die vier baden-württembergischen Untersuchungsämter (CVUA) haben im vergangenen Jahr knapp 1.600 Proben mit Bio-Siegel untersucht und begutachtet. Mehr als die Hälfte dieser Proben wurden mit entsprechender Ware aus konventioneller Produktion verglichen. Hier kommt die gute Nachricht für Freunde von Bio: Die Ergebnisse zeigen, dass die Biobranche dem Verbraucheranspruch gerecht wird, denn 96 Prozent aller Stichproben im Handel führen das Ökosiegel zu Recht. Rund zwei von drei Proben waren sogar komplett rückstandsfrei, das heißt es waren auch mit sehr empfindlichen Untersuchungsmethoden keinerlei Rückstände nachweisbar. Das untersuchte Bioobst und -gemüse hat im Schnitt einen rund 500-fach niedrigeren Gehalt an Pestiziden als konventionelle Produkte. Kaufen Sie Ihre Biolebensmittel so oft wie möglich vor der eigenen Haustüre. Wenn Sie direkt bei Ihrem Biobauern einkaufen, und saisonales Obst und Gemüse wählen, ist Bio oft viel preiswerter als Sie vielleicht denken. Gleichzeitig stärken Sie eine ökologische Landwirtschaft in Ihrer Region, die beispielsweise das Grundwasser weniger belastet.“

Bioprodukte aus ökologischem Anbau© Adobe Stock – Rémy MASSEGLIA

So profitiert Ihre Gesundheit von Biolebensmitteln

Bio hat aber nicht nur einen besseren Geschmack, es ist auch gesünder für Sie:

  • Biomilch enthält mehr Omega-3-Fettsäuren als normale Milch. Diese Fettsäuren brauchen Sie, weil sie Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen können.
  • Bioobst und -gemüse hat meist kurze Anfahrtswege. Sie erhalten es frischer, dadurch sind mehr Vitalstoffe enthalten.
  • Bioobst wurde nicht veredelt, um besonders schön und ebenmäßig auszusehen. Dafür enthält es aber auch mehr Antioxidantien, die Ihre Zellen vor freien Radikalen schützen.
  • Bioprodukte sind nicht mit Pestiziden in Kontakt gekommen. Gerade die sind es aber, die heute zu den häufigsten Allergieauslösern gehören.
  • Biofleisch ist sehr begehrt, wird schnell aufgekauft. So können Sie sicher sein, dass es gar nicht erst so alt wird, dass daraus Gammelfleisch entstehen kann.

Was genau bedeutet Bio?

Natürlich muss auch konventionell angebautes Obst und Gemüse bestimmte Standards erfüllen. Beim Bioanbau allerdings sind viel mehr Kriterien einzuhalten. Alle Lebensmittel, die als „Bio“ bezeichnet werden, müssen zumindest die Vorgaben der EG-Öko-Verordnung erfüllen. So schreibt die Europäische Union unter anderem vor, dass die entsprechenden Produkte gentechnisch nicht verändert sein dürfen. Außerdem sind bei der Herstellung Pestizide (Schädlingsbekämpfungsmittel) oder Kunstdünger verboten. Zudem wird auf eine tiergerechte Haltung großen Wert gelegt.

Deshalb gilt die herkömmliche Lebensmittelherstellung oftmals als ungesund:

  • Pestizide können Krebs erregen und das Hormonsystem schädigen
  • Antibiotika in der Tiermast erzeugen Antibiotikaresistenzen
  • Zusatzstoffe können Allergien auslösen und bremsen das Immunsystem
  • gentechnisch veränderte Lebensmittel bergen ein Allergierisiko
  • Wachstumshormone im Fleisch stehen in Verdacht, Leukämie und Diabetes zu begünstigen
  • Nitratdünger kann Krebs begünstigen
  • durch künstliche Düngung, schnelle Wuchszeiten, ungünstige Erntezeitpunkte sowie lange Transportwege und Lagerung gehen Vitalstoffe verloren

Biobauern verzichten auf vieles, was in der normalen Landwirtschaft heute üblich ist:

  • gentechnisch veränderte Futterstoffe oder Zutaten
  • Bestrahlung von Lebensmitteln, die auch in Deutschland immer noch erlaubt ist
  • chemische Schutzstoffe, seien es Unkrautvernichter oder Insektizide
  • schnell wirksame, hochlösliche Dünger
  • Medikamente in der Tierzucht, zum Beispiel Antibiotika
  • Geschmacksverstärker, Farbstoffe, Aromastoffe (300 sind in der EU zugelassen, nur 34 davon werden bei Bioprodukten verwendet)

Stattdessen steht beim Bioanbau das Wirtschaften im Sinne der Natur im Mittelpunkt: das eigentliche Produkt und auch die Verbraucher sind das Wichtigste. Zudem müssen Biobauern zahlreiche Regelungen beachten. Festgelegt sind unter anderem die Verwendung des Saatguts, die Fruchtfolge, Haltung und Auslauf der Tiere sowie Verwendung von Dünger.

Biosiegel© Adobe Stock – ferkelraggae

Nur echt mit staatlichem Siegel

Sicherheit in Sachen bio bietet Ihnen letztlich einzig das staatliche Bio-Zeichen: Nur damit ist „ökologisch“ und „biologisch“ gesetzlich verbürgt. Das Siegel erhalten nur Lebensmittel, die den Anforderungen der EG-Öko-Verordnung genügen und die Code-Nummer der Kontrollstelle tragen, die geprüft hat. Hierzulande nach dem Schema: DE-000-Öko-Kontrollstelle.

Erst die staatliche Auszeichnung garantiert uns Verbrauchern:

  • artgerechte Tierhaltung und natürliche Futtermittel
  • Fütterung ohne Zusatz von Antibiotika und Leistungsförderern
  • Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel, Wachstumsförderer, synthetische und mineralische Dünger
  • Verzicht auf chemisch-synthetische Substanzen
  • Herstellung und Verarbeitung ohne Geschmacksverstärker, künstliche Aromen oder Bestrahlung
  • wenige, nur ganz bestimmte Zusatzstoffe
  • Zutaten aus ökologischem Anbau
  • schonende Herstellung, um die Inhaltsstoffe des Lebensmittels zu erhalten
  • Verzicht auf Gentechnik: Rohstoffe, Zutaten oder Hilfsstoffe, die gentechnisch verändert wurden, sind strikt verboten. Dazu zählen auch Starterkulturen für Joghurt oder Hefekulturen für Brot.
  • strenge Kontrollen, mindestens einmal im Jahr von amtlich zugelassenen Kontrollstellen
  • klare Kennzeichnung: Irreführende Bezeichnungen sind verboten

Mehr Vitamine, Mineralien und Antioxidantien

Dass Sie mit Bioprodukten Ihrer Gesundheit nur Gutes tun, konnten bereits zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen. So wertete im Jahr 2005 die britische Soil Association (Bio-Bauern-Vereinigung Großbritanniens) in Bristol insgesamt 41 Studien zu Biolebensmitteln aus.

Das Ergebnis: Gemüse, das ausschließlich mit Kompost oder Stallmist gedüngt wurde, liefert Ihnen durchschnittlich 28 Prozent mehr Vitamin C als Produkte aus konventionellem Anbau. Auch beim Mineralstoffgehalt schnitten Biolebensmittel besser ab: Sie verzeichneten zu 80 Prozent mehr Magnesium und zu 77 Prozent mehr Eisen. Ein zehnjähriger Anbauversuch der Universität von Kalifornien in Davis aus dem Jahr 2007 zeigte außerdem, dass Bio-Tomaten gegenüber herkömmlichen Tomaten einen bis zu 97 Prozent höheren Gehalt an Flavonoiden aufweisen. Diese sekundären Pflanzenstoffe fangen zellschädigende, freie Radikale in Ihrem Körper ab und senken somit Ihr Krebsrisiko. Auch Gefäßerkrankungen und Entzündungen können Sie so vorbeugen.

Anbau von Bioprodukten© Adobe Stock – tecnofotocr

Profitieren Sie von der gesunden Schale

Ein weiterer Vorteil von Bio-Obst und -Gemüse: Sie müssen es nicht schälen, da es nicht mit Schädlingsbekämpfungsmitteln behandelt wurde. Und das ist wichtig, weil gerade in der Schale oft die meisten Vitalstoffe stecken: Eine Apfelschale beispielsweise enthält 100-mal mehr Flavonoide als die restliche Frucht. Und die Schale von Tomaten und Paprika ist etwa 50 bis 60-mal reicher an sekundären Pflanzenstoffen als das Fruchtfleisch.

Bio-Lebensmittel sind also wesentlich reicher an gesundheitsfördernden Substanzen. Umgekehrt enthalten sie auch weniger Schadstoffe. Wie die britische Untersuchung ebenfalls zeigte, weisen Bio-Orangen bis zu 30 Prozent weniger Nitratrückstände auf. Die zum Düngen eingesetzten Nitrate können im Darm zu Nitrit umgebaut werden, was wiederum krebserregend wirken kann. Ein Kopfsalat aus ökologischem Anbau hat beispielsweise nur einen Nitratgehalt von 710 mg/kg, im Gegensatz zum konventionellen Anbau mit 1.170 mg/kg oder gar dem Treibhaussalat mit 3.200 mg/kg. Als Erwachsener sollten Sie übrigens nicht mehr als etwa 220 mg Nitrat pro Tag zu sich nehmen.

Gesunde Vitalstoffe in Biomilch und -fleisch

Viele Menschen greifen auch bei tierischen Produkten wie Milch oder Fleisch zu den Bioversionen. Dies geschieht oftmals aus Gründen des Tierschutzes. Dass Bio auch hier Vorteile für Ihre Gesundheit hat, konnten im Jahr 2016 Wissenschaftler der Universität Newcastle in Großbritannien zeigen, nachdem sie über 200 Studien rund um das Thema Tiererzeugnisse etwas genauer unter die Lupe genommen hatten. Das Fazit: Wie ein Tier gehalten wird, hat erheblichen Einfluss auf die Qualität von Milch und Fleisch.

Grünfutter und regelmäßige Weidegänge für die Tiere haben messbar positive Folgen: Das Fleisch dieser Tiere enthält beispielsweise doppelt so viel entzündungshemmende und gesundheitlich sehr wertvolle Omega-3-Fettsäuren als Fleisch von Tieren, die nur im Stall stehen und Kraftfutter erhalten.

Profitieren Sie von der großen Menge an Omega-3-Fettsäuren

Biofleisch und Biomilch enthalten demnach etwa 50 Prozent mehr ungesättigte Fettsäuren als die konventionellen Alternativen. Und ungesättigte Fettsäuren helfen, Ihren LDL-Cholesterinwert zu senken, also das „böse“ Cholesterin, das für Gefäßablagerungen und damit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (mit-) verantwortlich sein kann.

Vor allem Biomilch punktet mit einem hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren: Während in einem halben Liter Biomilch etwa rund 39 Milligramm und damit etwa 15 Prozent der empfohlenen Tagesmenge von 250 mg stecken, waren es in der konventionellen Milch nur 25 Milligramm und damit lediglich 11 Prozent der empfohlenen Tagesmenge.

Gesundheitliche Vorteile von Omega-3-Fettsäuren

Eine weitere Beobachtung: Biomilch enthält über 40 Prozent mehr Carotinoide als konventionelle Milch. Und Carotinoide schützen als Antioxidantien vor zellschädigenden Sauerstoffradikalen, die unter anderem für Alterungsprozesse in Ihrem Körper (mit-) verantwortlich sein können. Wie kommt es aber zu diesem gravierenden Unterschied zwischen Bio- und konventioneller Milch? Tiere, die unter Biostandards gehalten werden, bekommen frisches Futter, meist grasen sie draußen auf einer Wiese. Kraftfutter, so wie bei konventioneller Haltung üblich, erhalten sie gar nicht oder nur in sehr geringem Umfang. Diese Ernährungsweise hat letztendlich physiologische Auswirkungen auf die Zusammensetzung der Milch.

Es lohnt sich für Sie also, zu Biomilch zu greifen. Biomilch erhalten Sie in Hofläden direkt beim Bauern oder in gut sortierten Supermärkten (1 Liter kostet etwa 1,50€). Wollen Sie ganz auf Biomilch umsteigen, dann sollten Sie jedoch unbedingt auf Ihre Jodzufuhr achten: Denn Biomilch enthält weniger Jod als konventionelle Milch. Der Grund: Das bei der Standardhaltung verabreichte Kraftfutter ist mit Jod angereichert. Und auch das wirkt sich letztendlich auf die Zusammensetzung der Milch aus. So kann ein 0,2-Liter-Glas konventionelle Milch Ihren Jodbedarf (dieser beträgt bei Erwachsenen etwa 140µg pro Tag) zu rund 35 Prozent decken, dieselbe Menge Biomilch aber nur zu 21 Prozent. Sorgen Sie also dafür, dass dieses Joddefizit ausgeglichen wird: Greifen Sie zu Lebensmitteln, die reichlich Jod enthalten.

In diesen Lebensmitteln steckt reichlich Jod

(µg Jod pro 100 Gramm Lebensmittel)

  • Roggenbrot: 10 µg
  • Brokkoli: 15 µg
  • Karotten: 15 µg
  • Spinat: 12 µg
  • Champignons: 18 µg
  • Feldsalat: 62 µg
  • Brathering: 130 µg
  • Kabeljau: 120 µg
  • Seelachs: 200 µg
  • Schellfisch: 243 µg

Jod-Tagesbedarf

  • Säuglinge: 40 bis 80 µg
  • Kinder: 100 bis 200 µg
  • Erwachsene: 100 bis 140 µg

Achtung: Eine Ausnahme bilden Schwangere und Stillende: Ihr Bedarf liegt bei 230 bis 260 µg Jod am Tag.

Gesundheit Themenübersicht

Sie gelangen mit Hilfe der unteren Buchstabenleiste schnell und direkt zu allen Themen auf fid-gesundheitswissen.de. Über das jeweilige Thema gelangen Sie zum passenden Artikel.