Alkohol: Schädlich oder förderlich für Ihre Gesundheit?
Mehr Informationen zum Thema finden Sie auf der Übersichtsseite Alkohol
Trinken oder nicht trinken? Diese Frage lässt sich nicht einfach beantworten, besonders weil über widersprüchliche Studien zur Wirkung des Alkohols auf die Gesundheit berichtet wird. Die beste Antwort hängt in der Tat davon ab, wer Sie sind und - wenn Sie schon Alkohol konsumieren - welche Mengen dabei im Spiel sind. Wann Alkohol für Ihren Körper vorteilhaft sein kann und wann eher nachteilig, erfahren Sie hier
GNL5356
Wann Alkohol vorteilhaft ist
In den vergangenen Jahren gab es vermehrt Hinweise, dass ein bisschen Alkohol sogar vorteilhaft sein kann. Zu den besonders interessanten Indikationen gehören:
Herz-Kreislauf-Gesundheit – Studien zeigen, dass 1 bis 2 alkoholische Getränke am Tag - oder bis zu 3,5 g Ethylalkohol - Ihr Risiko für eine Koronare Herzkrankheit (KHK) reduzieren kann. Eine große amerikanische Untersuchung über 15 Jahre fand heraus, dass die KHK unter trinkenden Männern seltener auftrat als unter Alkoholabstinenten.
Eine neuere Studie, die im Januar 2003 im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde, kam zu dem Ergebnis, dass Männer, die mindestens 3 Tage in der Woche 1 bis 2 alkoholische Getränke zu sich nahmen, ein um 33% verringertes Risiko für Herzinfarkt im Vergleich zu Alkoholabstinenten hatten. Der Schutz war unabhängig davon, ob die Männer Bier, Likör oder Rotwein tranken.
Studien legen kamen zu einem unterschiedlichen Ergebniss, ob regelmäßiger Alkoholkonsum den Spiegel des High-Density-Lipoprotein (HDL) Cholesterins erhöht, also des „guten“ Cholesterins, das einer Arterienverengung (Arteriosklerose) vorbeugen kann.
Schlaganfall-Vorsorge – Eine neue Bewertung von Studienergebnissen kam zu dem Ergebnis, dass Menschen, die sich täglich ein alkoholisches Getränk oder weniger genehmigten, im Vergleich zu Nichttrinkern ein geringeres Schlaganfall-Risiko tragen. Auch 1 bis 2 Getränke am Tag setzten das Risiko herab. Aber starkes Trinken - mit mehr als 5 alkoholischen Getränken täglich - steigerte das Risiko für einen Schlaganfall.
Periphere Gefäßkrankheiten – Dazu kommt es, wenn sich Bein- oder Armarterien verengen, sodass das Gewebe in den Extremitäten nicht mehr ausreichend versorgt wird. Obwohl die Wirkung des Alkohols auf periphere Gefäßkrankheiten unterschiedlich bewertet wird, zeigte eine Studie mit 22.000 Männern, dass Teilnehmer mit täglichem Alkoholgenuss ein um 26% vermindertes Risiko für die Erkrankung aufwiesen.
Demenz-Risiko – Eine Studie, die im März 2003 im Journal of the American Medical Association veröffentlicht wurde, untersuchte die Vor- und Nachteile des Alkoholkonsums in Bezug auf die Entwicklung einer Demenz bei einer Gruppe von 65-Jährigen. Einerseits schien der Genuss von 1 bis 6 Getränken pro Woche einen gewissen Schutz darzustellen, der bei Alkoholabstinenten nicht zu beobachten war. Andererseits deuten die Studienergebnisse darauf hin, dass das Demenzrisiko bei Teilnehmern erhöht war, die 2 oder mehr Getränke am Tag zu sich nahmen.
Alkohol kann schädlich sein
Berücksichtigt man diese Informationen, muss man Vorsicht walten lassen: Keine klinische Untersuchung hat die Verwendung von reinem Alkohol getestet. Daher existiert keine wissenschaftlich nachgewiesene Ursache-Wirkungs-Beziehung zwischen Alkoholgenuss und Gesundheit.
Alle Untersuchungen zum Einfluss von Alkohol auf die Gesundheit sind so genannte Observationsstudien, das heißt die Forscher haben sich entweder dafür interessiert, wie die Gesundheit einer Personengruppe in der Vergangenheit beeinflusst wurde, oder auf welche Faktoren man bei zukünftigen Beobachtungen achten sollte.
Es ist deshalb möglich, dass die Studienergebnisse dadurch verfälscht wurden, dass die Trinker zum Beispiel gleichzeitig stärker gesundheitsfördernden Gewohnheiten wie Sport oder größeren Verzehr von Obst und Gemüse aufwiesen.
Vergessen Sie auch nicht, dass Alkoholkonsum viele potenzielle Risiken birgt. Bislang kommen die Studien zu widersprüchlichen Ergebnissen in Bezug auf den Einfluss von Alkohol auf die Gesundheit.
Selbst in kleinen Mengen kann Alkoholkonsum zu Sodbrennen führen, Ihren Schlaf beeinträchtigen, Ihre Stimmung verändern, Kopfschmerzen verursachen, Ihren Blutdruck erhöhen und Ihre Gehirnaktivität verlangsamen, sodass Ihre Aufmerksamkeit, Koordination und Reaktionsfähigkeit darunter leiden. Zusätzlich kann Alkohol mit vielen häufig verordneten Medikamenten wechselwirken und die Wirkung bestimmter Antihypertensiva (Medikamente gegen Bluthochdruck) schwächen. Ebenso kann Alkohol die Symptome einer Depression verstärken.
Alkoholkonsum an sich kann zu eingeschränkter sexueller Funktion führen. Außerdem können Männer, die bestimmte Antihypertensiva einnehmen, auf Grund möglicher Nebenwirkungen der Medikamente ohnehin schon Probleme im Sinne einer erektilen Dysfunktion erleben. Wenn dann noch Alkohol ins Spiel kommt, kann sich der Blutdruck weiter verschlechtern und den Bedarf für weitere Antihypertensiva erhöhen.
Übermäßiger Alkoholgenuss kann die Verletzungsgefahr heraufsetzen, emotionale Probleme und Alkoholismus verursachen. Wenn Sie viel trinken, erhöht sich Ihr Risiko für Leber- und Herzerkrankungen, für bestimmte Tumorarten, für Schlaganfall, Osteoporose, Bluthochdruck und Fettleibigkeit.
Augenmaß ist gefragt
Obwohl mäßiger Alkoholkonsum einige Vorteile haben mag, gibt es bislang noch nicht ausreichende Daten, um eine Empfehlung zu rechtfertigen, wonach Nichttrinker aus gesundheitlichen Gründen Alkohol zu sich nehmen sollten.
Wenn Sie schon Alkohol zu sich nehmen, welche Menge gilt dann als sicher? Die Antwort hängt von Alter und Geschlecht ab.
Das amerikanische National Institute on Alcohol Abuse and Alcoholism empfiehlt Männern unter 65 höchstens 2 alkoholische Getränke am Tag. Frauen und jeder über 65 Jahre alte Mensch sollten nicht mehr als 1 solches Getränk am Tag konsumieren.
Die strengere Dosierung für Menschen über 65 entspricht der Tatsache, dass der Alkohol mit dem Alter langsamer abgebaut wird. Daher braucht es weniger, um sich zu vergiften, und die Wirkung hält länger an.