Englisch für Kiga-Kids: So profitiert Ihr Kind davon
Dr. Andrea Schmelz in Täglich Gesund
vom 9. September 2009, 16:00 Uhr
GNL5356
Wer im Kindergarten schon eine Fremdsprache lernt, ist darin auch besser während der Schulzeit. Das wiederum erleichtert den Weg an den weiterführenden Schulen und kann so die Berufschancen verbessern. Ideal für den Einstieg im Kindergarten ist die Weltsprache Englisch.
Kleinkinder lernen eine Fremdsprache so leicht wie ihre Muttersprache
Sprachwissenschaftler gehen davon aus, dass das Erlernen einer Fremdsprache ähnlich funktioniert wie das Sprechenlernen selbst
- Kleinkinder lernen somit eine Fremdsprache nach denselben Mechanismen wie ihre Muttersprache. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen: Wenn Kinder bis zum sechsten Lebensjahr eine Fremdsprache erlernen, wird diese in derselben Hirnregion abgespeichert wie die Muttersprache
- Der Gehörsinn von Kindern in den ersten Lebensjahren ist noch aufnahmebereit für lautliche Details, die in der Muttersprache keine Rolle spielen, im Lautsystem der Fremdsprache aber von großer Bedeutung sein können etwa das englische ,,th".
In den ersten Lebensjahren verfügen Kleinkinder über eine natürliche Sprachbegabung, die es ihnen ermöglicht, eine Fremdsprache intuitiv und unbewusst zu lernen. Die Fremdsprache muss in diesem Alter nicht gedanklich von der Muttersprache abgeleitet werden!
So lernt Ihr Kind am besten
In einem zweisprachigen Kindergarten kann die fremde Sprache direkt ins Alltagsleben eingebettet werden, und die Kleinen beschäftigen sich sehr viel intensiver als beispielsweise im Rahmen eines Sprachkurses damit. Sie hören die Fremdsprache die ganze Zeit über, so lange sie im Kindergarten sind.
Am günstigsten ist das Konzept ,,Eine-Person-eine-Sprache": Eine Erzieherin spricht nur Deutsch, die andere ausschließlich die Fremdsprache (am besten native speaker, also Fremdsprache als Muttersprache).
Darauf kommt es in der zweisprachigen Kita an
Damit Ihr Kind wirklich Spaß an der Fremdsprache hat und auch etwas lernt, sind einige Voraussetzungen nötig:
- Die Kinder müssen die Erzieherin, die mit ihnen in der Fremdsprache redet, mögen. Nur wenn Ihr Kind sich bei der fremdsprachigen Erzieherin wirklich wohlfühlt, kann es sich für deren Sprache begeistern und sie leichter lernen.
- Die fremdsprachige Erzieherin muss über eine fundierte sprachliche Kompetenz verfügen. Das heißt, sie muss entweder Muttersprachlerin oder aber studierte Sprachexpertin sein. Außerdem muss sie genug Deutsch verstehen, damit sie weiß, was die Kinder wollen, wenn sie sich an sie wenden.
- Nur über Spaß und Spiel lassen sich Kindergartenkinder an eine Fremdsprache heranführen. Deswegen sollte alles eingebunden werden, was die Kleinen mögen: beispielsweise Kartenspiele oder Memory, Geschichten, Reime, Lieder, Theaterstücke und auch Basteln.
- Alle Handlungen werden in der Fremdsprache kommentiert. Die Kinder lernen also durch ,,Learning by doing". Sie brauchen die Worte in der Fremdsprache nicht zu verstehen. Es genügt, wenn sie mitbekommen, um was es geht. Alles, was die fremdsprachliche Erzieherin sagt, wird sie mit ihrem Handeln verdeutlichen. Wenn die Gruppe hinausgeht, kann die Erzieherin z. B. sagen: ,,Put on your shoes!" und das dann selbst tun.
- Je mehr Sinne beim Lernen angesprochen werden, umso besser. Die fremdsprachige Erzieherin unterstützt alles, was sie sagt, mit Gesten und Zeigen. Wird etwa über Äpfel gesprochen, sollten auch Äpfel vorhanden sein, sodass die Kinder sie sehen, riechen und anfassen können. So können die Kinder sich selbstständig erschließen, um was es geht.
Mein Tipp: Wenn Ihr Kind in einen zweissprachigen Kindergarten geht, brauchen Sie zu Hause nicht mit ihm zu üben. Oft fehlt daheim bei den Eltern nämlich die Motivation durch die Gruppe, und Ihr Kind verliert schnell den Spaß. Damit Ihr Kind Spaß z. B. am Englischen hat, können Sie es mit englischsprachigen Bilderbüchern oder Hörspielen und Liedern motivieren (eine Auswahl finden Sie etwa unter www.englisch-fuer-kids.de). Sehr nett sind auch die lustigen Lieder mit der Maus auf der Audio-CD ,,Sing mit! Englisch macht Spaß!" (Europa 2005; 6,95 ).
Keine Angst vor Überforderung
Kommen Kinder schon früh mit einer Fremdsprache in Kontakt, fördert das die allgemeine sprachliche Kompetenz. Es werden bestimmte Bereiche des Gehirns aktiviert, die auch für die Muttersprache genutzt werden. Im Alter von drei bis fünf Jahren integrieren Kinder Akzent und Melodie einer Fremdsprache ganz selbstverständlich und mühelos.
Die Sorge mancher Eltern, dass sich durch das frühe Erlernen einer Fremdsprache in anderen Bereichen Defizite ergeben, ist unbegründet. Im Gegenteil: Mehrsprachige Kinder gelten langfristig als sprachlich wendiger, im Denken leistungsfähiger und fremden Kulturen gegenüber toleranter. Auch Beobachtungen an Kindern aus binationalen Familien oder aus zweisprachigen Gebieten (wie etwa Südtirol und das Elsass) geben keinen Anhalt, dass frühe Mehrsprachigkeit die Kinder überfordert. Nicht zuletzt sind Kinder in diesem Alter stolz darauf, etwas ,,Besonderes" zu sein, weil sie eine Fremdsprache lernen. Und das stärkt ihr Selbstbewusstsein enorm!
ähnliche Beiträge
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Kristina Jurosz (09.09. 2009 18:18 Uhr):
Hervorragend!!! bitte diese einfache und bewiesene Weisheit so verbreiten, dass es auch viele Eltern erreicht, viele haben eben vor der Überforderung Angst und berauben ihre Kinder unbewusst einer leichten Möglichkeit Sprachen zu erlernen. Meine Kinder sind 2-sprachig aufgewachsen - beherrschen heute mühelos 4-5 Sprachen, mein 6-jähriger Enkel wächst 3-sprachig auf - mit allgemeinen großen Vorteilen - Lernfähigkeit, Intelligenz, soziales Verhalten, Manieren usw. und hat die 1.Schulklasse übersprungen! Bitte breiten Sie diesen Artikel weiter aus!!! Werben Sie dafür auch in anderen Medien! Mit Gruß Kristina Jurosz
Antworten