Endometriose: Sie selbst entscheiden, was getan werden soll

in Täglich Gesund zum Thema Endometrium-Biopsie
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von Sylvia Schneider, Chefredakteurin von "Gesundheit für Frauen"

Endometriose ist eine der häufigsten gutartigen gynäkologischen Erkrankungen. Nicht alle betroffenen Frauen wissen davon, denn das Leiden muss sich nicht unbedingt bemerkbar machen. Behandelt werden muss es nur, wenn sich die Frau davon erheblich beeinträchtigt fühlt. Heilen lässt sich die Endometriose nicht. Je nach der Stärke der Beschwerden und Persönlichkeit der Frau kommen sehr unterschiedliche Behandlungsweisen in Betracht. Bei leichteren Beschwerden gibt es eine Reihe von wirkungsvollen alternativen Verfahren, die den Frauen Entspannung und Schmerzlinderung bringen. Eine medikamentöse Therapie kommt bei schwereren Beschwerden zum Zuge, sie ist jedoch langwierig und bringt erhebliche Nebenwirkungen mit sich. Eine solche Behandlung bewirkt ebenfalls keine Heilung, sondern lediglich eine Besserung – und das auch nur für die Zeit ihrer Dauer.


Um eine Endometriose richtig erkennen zu können, muss eine Bauchspiegelung vorgenommen werden. "Einzig sichere Diagnose einer Endometriose ist bis heute die Bauchspiegelung", erklärt Angela Pietsch von der Universitäts-Frauenklinik Kiel. Wenngleich dieser Eingriff heute meist ambulant in Kurznarkose durchgeführt wird und dabei auch gleichzeitig Endometriose-Herde entfernt werden können, wird er nur bei wirklich schweren Beschwerden befürwortet. Vor allem ungewollte Kinderlosigkeit ist ein triftiger Grund, dem Leiden den Kampf anzusagen. Andererseits verschwindet die Endometriose in den Wechseljahren von selbst wieder. Der Aschaffenburger Gynäkologe Privatdozent Dr. Martin Sillem: "Dies ist für jüngere Frauen ein schwacher Trost, kann aber für Frauen über 40 ein Grund sein, sich für eine eher zurückhaltende Behandlung zu entscheiden." Am häufigsten werden Frauen in den Dreißigern von einer Endometriose geplagt. Da kann die Zeit bis zu den Wechseljahren ja noch ganz schön lang werden. Wie sehr die Endometriose Sie beeinträchtigt, können nur Sie selbst entscheiden.

Die Beschwerden können ganz unterschiedlich sein Die Ursachen der Endometriose sind bislang nicht geklärt. Man weiß nur, was passiert: "Bei der Endometriose lagern sich Zellen der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) außerhalb der Gebärmutter an. Das kann im Genitalbereich sein, etwa an den Eierstöcken oder den Eileitern, aber auch außerhalb der Geschlechtsorgane im Bauchraum – zum Beispiel am Darm, an der Blase oder am Bauchfell", so Professor Lieselotte Mettler, Chefärztin der Kieler-Universitäts-Frauenklinik.

Entsprechend unterschiedlich sind logischerweise auch die Beschwerden. Warum sich die Zellen dort ansiedeln und wie genau sie dorthin gelangen (wahrscheinlich über das Blut oder die Lymphe) ist ebenfalls noch ungeklärt. Die versprengten Zellen machen das hormonelle Auf und Ab mit Einige aktuelle Untersuchungen legen einen Zusammenhang zwischen der Endometriose und einer Störung des Immunsystems nahe. Amerikanische Forscherinnen haben beobachtet, dass Frauen mit Endometriose häufiger auch unter Allergien, Asthma, Medikamentenüberempfindlichkeit sowie bestimmten Autoimmunkrankheiten leiden, berichtet die Fachzeitschrft "Naturarzt". Denn auch unter normalen Umständen können Schleimhautzellen aus der Gebärmutter über den Eileiter in den Bauchraum gelangen, wo sie allerdings aufgelöst werden, ohne dass sie Schaden anrichten können. Ebenso spiele möglicherweise die Schadstoffbelastung unserer Umwelt eine Rolle. Eine Verschleppung von Gebärmutterschleimhautzellen bei chirurgischen Eingriffen wie dem Kaiserschnitt wird ebenfalls diskutiert. Sicher ist jedenfalls, dass die versprengten Zellen auch außerhalb der Gebärmutter das von den Hormonen ausgelöste monatliche Auf und Ab mitmachen. Sie wachsen während des Zyklus an und können zum Zeitpunkt der Menstruation bluten, was erhebliche Schmerzen verursachen kann.

Die versprengten Zellen unterliegen vor allem dem Einfluss des Östrogens. Von ihm erhalten sie beispielsweise den "Befehl" zu bluten. Es kommt zu einer inneren Blutansammlung, die Entzündungen, Verklebungen und Verwachsungen nach sich ziehen kann. Je nach ihrem Sitz sind diese Zellen oft auch ein Grund für ungewollte Kinderlosigkeit. Bei betroffenen Frauen kommt es häufiger zu Eileiterschwangerschaften oder Fehlgeburten. Frauen, die mit einer Spirale verhüten, haben häufiger eine Endometriose und oft auch größere Beschwerden.

Östrogen spielt bei der Endometriose eine Schlüsselrolle

Als Medikamente, die Schmerzen und möglicherweise begleitende Entzündungsreaktionen unterdrücken, kommen zunächst einfache Schmerzmittel in Frage wie Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen. Sie sollten allerdings nicht dauerhaft eingenommen werden. Hormonprärate können die versprengten Zellen beeinflussen, in dem sie die Bildung des Östrogens in den Eierstöcken unterdrücken und die Herde gewissermaßen austrocknen. Ohne Östrogen können die Endometrioseherde keine Beschwerden bereiten. Allerdings ist diese Art der Behandlung sehr nebenwirkungsreich. Die noch geringsten Nebenwirkungen bringt die Einnahme einer Pille (zum Beispiel Valette) mit sich, die die Blutungen generell unterdrückt. Das Gleiche wird mit der Einnahme einer gestagenbetonten Verhütungspille (Lovelle, eve20, Microgynon) oder einer Hormonspirale erreicht. Schwerere "Geschosse" sind neben Gestagenen Danazol und die so genannten "Anti-Hormone" (GnRH-Analoga), die drastisch in die Hormonausschüttung eingreifen. Sie versetzen den Körper in einen wechseljahrählichen Zustand, indem sie die Hirnanhangdrüse beeinflussen.

Entsprechend schwerwiegend sind die Nebenwirkungen: Hitzewallungen, Schlafstörungen, Libidoverlust, trockene Scheide, männliche Behaarung, männlichere Stimme, Leistungsknick und Abnahme der Knochenmasse etwa. Das ist logischerweise ein schwerer Eingriff in das tägliche Leben. Heute gibt man zur Verringerung der Nebenwirkungen zusätzlich etwas Östrogen, was allerdings auch nicht ohne Risiko ist.

Ist die Endometriose besonders ausgeprägt, hilft die medikamentöse Therapie allerdings ohnehin nicht. Da bleibt nur noch eine operative Entfernung der Endometrioseherde im Rahmen einer Bauchspiegelung übrig. Das geschieht heute meist in drei Etappen: Bei der ersten Bauchspiegelung werden so viele Endemetrioseherde wie möglich entfernt. Danach werden die restlichen mit Anti-Hormonen "beschossen", um die Zellen wegzuschmelzen. Bei einer zweiten Bauchspiegelung werden dann die noch übrig gebliebenen Herde operativ entfernt. Sehr häufig treten jedoch nach einer Weile wieder neue Endometrioseherde auf. Um dem vorzubeugen, werden im Anschluss an die Operation drei Monate lang GnRH-Analoga verabreicht.

Vor allem die Schmerzbeseitigung wird gewünscht

Den meisten Frauen mit einer Endometriose liegt vor allem daran, die Schmerzen loszuwerden und gegebenenfalls schwanger zu werden. Dazu können Sie sich mit alternativen Mitteln eine ganze Menge Gutes tun, ohne sich all die beschriebenen Nebenwirkungen zuzumuten. Frauenarzt und Arzt für Naturheilverfahren Dr. Stefan Weinschenk: "Bewegungstherapie, Massage, Yoga und Moorbäder, insbesondere im Rahmen einer Kur, haben sich bei Endometriose besonders bewährt. Sie tragen wirksam zu einer Entspannung und Schmerzlinderung bei; Moorbäder haben darüber hinaus einen entzündungshemmenden Effekt. Zu enge Kleidung (zum Beispiel zu enge Jeans), die den Druck im Bauchraum und in der Gebärmutter erhöht, sollten Betroffene vermeiden." Er empfiehlt außerdem eine Umstellung der Ernährung von industriell hergestellter Nahrung auf eine ausgewogene Frischkost mit ausreichend Vitaminen und Mineralstoffen. Auch warnt er vor allem vor dem Rauchen, weil es die "Übererregbarkeit der Gebärmuttermuskulatur" fördere.

Akupunktur und Kräuter können Ihnen wirksam helfen

Gute Erfahrungen machen viele Frauen auch mit der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und hier insbesondere mit der Akupunktur, die die Energiebahnen im Körper harmonisiert und die Schmerzen bekämpft. Eine Reihe von chinesischen Kräutern, die TCM-Spezialisten für jede Frau speziell zusammenstellen, können die Beschwerden lindern. Ausreichend Bewegung sorgt dafür, dass alle Organe besser durchblutet werden. Frauen, die sich regelmäßig bewegen und sportlich betätigen, empfinden die Beeinträchtigungen häufig als nicht mehr so belastend.

Der Eigenblut-Ozontherapie werden ebenfalls positive Wirkungen nachgesagt. Dabei wird in etwa zehn Sitzungen mit Ozon angereichertes Eigenblut gepritzt und dadurch das Immunsystem wirkungsvoll gestärkt.

Aus der Kräuterapotheke empfehlen sich Präparate aus Mönchspfeffer, die Sie rezeptfrei in der Apotheke erhalten. Die hormonähnlichen Bestandteile bewirken eine Harmonisierung der Hormonausschüttung. Mönchspfeffer ist in Zusammenhang mit Zyklusbeschwerden das wichtigste Frauenheilkraut. Weitere hilfreiche Heilpflanzen sind Nachtkerze, Borretsch, Steinsamen und schwarze Johannisbeere. Von guten Erfolgen mit Bromelain-Pos, einem Enzym der Ananas weiß Verena Rosar von der Frauen Naturheilpraxis in Korschenbroich zu berichten.

Fragen Sie in Ihrer Apotheke nach einem entsprechenden Präparat. Am besten suchen Sie eine/n versierte Heilpraktiker/in auf, um aus dem ganzen Spektrum der alternativen Heilverfahren das für Sie hilfreichste herauszufinden.

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