EMDR-Therapie jetzt auch in der Zahnheilkunde im Einsatz
Sylvia Schneider in Naturmedizin aktuell
vom 14. Juli 2011, 06:00 Uhr
GNL5356
Der Gang zum Zahnarzt erscheint trotz aller Verbesserungen, neuer Therapien und sanfterer Geräte für etwa 60 Prozent aller Bundesbürger als äußerst unangenehm. Für rund elf Prozent stellt er sogar eine unüberwindbare Hürde dar. Das bedeutet, dass die Betroffenen aus Angst überhaupt nicht mehr zum Zahnarzt gehen. Ihnen soll eine psychotherapeutische Methode helfen: die Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR)-Therapie, die zwar relativ neu ist, sich aber in den vergangenen Jahren immer öfter bewährt hat. Studien in Holland haben gezeigt, dass diese Therapie auch bei schwerwiegenden Angstzuständen gute Heilungserfolge bringt.
"Die Zahnbehandlungsphobie ist eine ähnliche Erkrankung wie etwa die Flugangst", erklärte Professor Stephan Doering vom Bereich Psychosomatik in der Zahnheilkunde am Universitätsklinikum Münster unlängst. Bei einem Großteil der Betroffenen habe man eine solche Phobie in den ersten Untersuchungen mit drei bis vier psychotherapeutischen Sitzungen zumindest erheblich lindern können, sodass eine Zahnarztbehandlung für die Betroffenen wieder möglich wurde, so der Münsteraner Forscher.
Bei der EMDR-Therapie geht es darum, die beiden Gehirnhälften mittels Augenbewegungen abwechselnd zu stimulieren und zu harmonisieren. Diese Behandlung zeigt bei traumatischen Erlebnissen gute Ergebnisse. Was Traumapatienten helfe, könnte auch bei dieser Phobie vor dem Zahnarzt helfen, meint der Wissenschaftler. Denn Menschen mit einer krankhaften Angst vor einer Zahnbehandlung haben sehr oft eine für sie belastende Situation bei einem Zahnarztbesuch in der Kindheit erlebt.