Eintöpfe: So verwerten Sie Reste auf gesunde Art
Sylvia Schneider in Täglich Gesund
vom 1. September 2008, 16:00 Uhr
GNL5356
Schon in der Bibel steht geschrieben, dass Esau das Recht des Erstgeborenen für einen Eintopf aus roten Linsen an seinen Bruder verkaufte. Das zusammengekochte Linsengericht war ihm mehr wert als seine Vorrangstellung. Die Ursprünge des Eintopfs finden sich vermutlich in der Jungsteinzeit. Da es meist nur eine Feuerstelle gab, auf der gekocht wurde, war es naheliegend, mehrere Nahrungsmittel auf einmal zu garen. Zunächst wird das Zusammengekochte noch ziemlich rustikal gewesen sein. Gemahlenes Getreide und Hülsenfrüchte wurden mit Wasser gekocht. Später kam dann noch Fleisch dazu. Seit Jahrtausenden werden unterschiedliche Zutaten in einem einzigen Topf miteinander gekocht. Es wurde hineingegeben, was gerade verfügbar war. Über oder auf der Feuerstelle hing stets ein Kessel, in dem es leise schmurgelte. Zu gehobenen Eintopfgenüssen brachten es die Ägypter, denn sie verwendeten bereits Kräuter und Gewürze wie Zwiebeln, Lauch, Dill, Koriander, Kümmel und Essig. Wie sehr Suppen und Eintöpfe geschätzt wurden, wiesen Archäologen anhand von Grabbeigaben nach. Sie fanden neben Schmuckstücken auch Reste von Gerstensuppe, Suppengefäße und Suppenlöffel.
Römischer Feuerteufel
Auch die Griechen und Römer kannten Suppen und Eintöpfe. Legendär ist der Heringseintopf, der im antiken Ostia nahe Rom zubereitet wurde. Er stand tagelang herum, bis alles schön stank, und galt erst dann als Delikatesse. Die Römer nannten ihre brühenähnlichen Suppen potus" (potare = trinken), woraus dann später in Frankreich pot au feu" wurde. Die Germanen bereiteten sich zur gleichen Zeit Mus" aus Getreide, Gemüse und Fleisch zu. Noch heute ist die Bezeichnung Mus im Norden für Eintöpfe gebräuchlich. Im Mittelalter aß man mit Vorliebe Speck-, Wein- und Fischsuppen. Als dann Kolumbus von den Indianern Leckereien wie Tomaten, Kürbis, Mais und Kräuter mitbrachte, wurden Suppen und Eintöpfe schmackhafter und abwechslungsreicher. Sir Walter Raleigh bereicherte die Suppenküche, indem er von seinen Reisen die Kartoffel mitbrachte.
Eintöpfe waren Bauernessen
Mit dem Erwachen des Bürgertums wurde der Eintopf mehr und mehr zur bäuerlichen Angelegenheit oder zur Arme-Leute-Küche. Bei diesen körperlich schwer arbeitenden Menschen wurde er vor allem geschätzt, weil er warm und nahrhaft war. Doch er war auch preiswert. Die Bauern gaben hinein, was Hof und Stall hergaben. Die armen Leute in der Stadt verwerteten damit ihre Reste. Alles, was weg musste, wanderte in den Topf. So wurde eine vollständige Mahlzeit daraus. Viele Ofengerichte und Aufläufe entwickelten sich aus bäuerlichen Traditionen - wie etwa der elsässische Baeckkaoffe (Eintopf aus verschiedenen Fleischsorten, Kartoffeln und Riesling) oder die griechische Moussaka, die überwiegend aus Hackfleisch, Auberginen und Käse hergestellt wird. Sie wurden zum Dorfbackhaus gebracht, wenn das Brot ausgebacken war und wurden in der Restglut ausgebacken. Bei uns ist der Eintopf etwas in Vergessenheit geraten. In der Nachkriegszeit kam er sehr häufig auf den Tisch. Seit dem zunehmenden Aufschwung haftete ihm das Arme-Leute-Image an. Man zog es vor, Fleisch solo" zu essen. Das uns dieser Trend gesundheitlich nicht so gut bekam, ist hinlänglich bekannt. Eintopf-Gerichte enthalten überwiegend Gemüse und damit Ballaststoffe. Sie machen satt, schmecken - wenn hausgemacht - überaus lecker und sind - wenn sie fettarm zubereitet sind - auch keine Kalorienbomben. Preiswert sind sie allemal, zudem praktisch für Koch oder Köchin, denn es reicht meist für mehrere Tage. Und kaum etwas ist schöner nach einem herbstlichen oder winterlichen Spaziergang als ein Herz erwärmender Eintopf.
Auch die Suppe erlebt derzeit eine Renaissance. In New York sprießen die ersten Soup Bars" aus dem Boden, auch hier zu Lande gibt es die ersten Bistros, in den nur Suppen serviert werden (zum Beispiel der Suppenkaspar" in Köln). Suppen sind in allen Kulturen zu Hause. Wie viele verschiedene Suppen es auf dieser Welt gibt, hat niemand gezählt. Gemeinsam ist ihnen jedoch eines: Als Grundlage dient immer eine Brühe oder ein Fond - am besten selbst gemacht. Unterschieden werden klare und gebundene Suppen, solche mit und ohne Einlage. Leichtere Suppen sind meist Auftakt eines Menüs. Gebundene Suppen oder Suppen mit Inhalt" kommen auch als eigenständige Mahlzeiten auf den Tisch. Die Abgrenzung zwischen Suppe und Eintopf ist dabei fließend.
Neue exotische Varianten kommen immer häufiger in den Teller: Miso-Suppe mit Tofu, Thai-Suppe mit Kokosmilch, Zitronengrassuppe oder Karotten-Ingwer-Suppe. Bei den Dosen- und Tütensuppen lieben es die meisten Deutschen jedoch traditionell. Das Deutsche Suppen-Institut in Bonn hat diese Beliebtheitsskala ausgemacht: Platz eins besetzt die Gulaschsuppe, dann folgen Tomaten- und Kartoffelsuppe, auf Platz vier die Ochsenschwanzsuppe und auf Platz fünf die Hühnersuppe. Letztere ist - sofern sie frisch gekocht wird - ein wahres Heilmittel. Nicht nur die wärmende und kräftigende Wirkung fördert den Heilungsprozess, auch die Inhaltsstoffe des frisch gekochten Huhns lindern Entzündungen in Nase, Rachen und Bronchien. Die Flüssigkeitszufuhr ersetzt herausgefieberte Körperflüssigkeit und lässt die Schleimhäute abschwellen.