Ein Gentest zeigt, welche Ernährung Sie gesund und schlank hält
Dr. Ulrich Fricke in Täglich Gesund
vom 7. Juni 2011, 16:00 Uhr
GNL5356
Der Mensch besitzt über 25.000 Gene, die seinen gesamten Organismus steuern. Etwa ein Drittel davon sind am Stoffwechsel beteiligt - also an jenen Prozessen, die die aufgenommenen nahrungsmittel für den Körper nutzbar machen. Von den meisten dieser Gene gibt es in der Bevölkerung verschiedene Varianten. Und diese Unterschiede sind z. B. mit schuld daran, dass manche Menschen selbst dann zunehmen, obwohl sie um fettes Fleisch, Wurst und Kuchen einen Bogen machen.
Diese Reaktionen auf Nahrungsmittel sind genetisch festgelegt:
- Anstieg des Blutdrucks bei salzreicher Kost
- Verwertbarkeit von Milchzucker (Laktoseintoleranz)
- Senkung des Cholesterinspiegels durch pflanzenreiche Kost
- Schutz vor Darmkrebs durch Ballaststoffe
- Steigerung des Herzinfarktrisikos durch Kaffee
- Gewichtszunahme bei fettreicher Ernährung
In Zukunft werden sicher noch weitere solcher Zusammenhänge aufgedeckt. Doch schon jetzt ist erwiesen: Je nachdem, wie Sie genetisch ausgestattet sind, ändert sich die Wirkung von Nährstoffen auf Ihren Körper. Diese Erkenntnis basiert auf Forschungen der letzten fünf bis zehn Jahre und wird als Nutrigenomik bezeichnet.
Gemüse gegen hohes Cholesterin? Ihre Gene entscheiden, ob das sinnvoll ist
Das Ziel der Nutrigenomik ist, für jeden Menschen individuelle Ernährungsempfehlungen zu erstellen. Denn eine bestimmte Ernährungsform, die für alle Menschen die einzig richtige sein soll, kann es wegen der genetischen Unterschiede nicht geben. So ist es z. B. richtig, dass der Blutspiegel des „schlechten" LDL-Cholesterins bei vorwiegend pflanzlicher Ernährung um bis zu 15 % sinkt. Doch das sind nur Durchschnittswerte - bei jedem vierten Menschen lassen sie sich so gar nicht beeinflussen.
Ein weiteres anschauliches Beispiel ergibt sich aus einer Studie der Universität Toronto/Kanada aus dem Jahr 2006. Dort wurden 900 Testpersonen auf Genvarianten eines Leberenzyms (Cytochrom P450) untersucht.
Es ist u. a. am Abbau von Koffein beteiligt und kommt in einer „langsamen" und einer „schnelleren" Variante vor. Bei den Testpersonen, die Koffein schnell abbauten, senkte eine Tasse Kaffee täglich die Herzinfarktrate etwa um die Hälfte. Umgekehrt war es bei den Trägern der langsamen Variante: Hier stieg das Herzinfarktrisiko um das Doppelte an.
Erste Gentests sind bereits auf dem Markt
Momentan ist die Aussagekraft der Tests (wegen der geringen Anzahl bekannter relevanter Gene) jedoch noch begrenzt. Daher lohnen sie sich sicherlich noch nicht für jedermann - auch weil die Kosten zusammen mit begleitenden Untersuchungen sowie einer ausführlichen Beratung bei etwa 500 € liegen.
Nur um ein paar Kilo abzuspecken, gibt es sicherlich preiswertere Wege. Wenn Sie allerdings aus einer Familie stammen, in der Herzkrankheiten oder Diabetes häufig vorkommen (und auch bereits in jüngeren Lebensjahren auftreten), könnten Sie einen Gentest jedoch schon jetzt in Erwägung ziehen. Denn gerade diese Erkrankungen sind durch eine individuell angepasste Ernährung meist positiv zu beeinflussen.
Quälen Sie sich nicht unnötig mit Ernährungsregeln, die wenig bringen
Doch auch für alle anderen unter Ihnen haben die Erkenntnisse der Nutrigenomik bereits jetzt Konsequenzen. So wird immer deutlicher, dass es für manche Menschen unsinnig ist, sich stur an pauschale Ernährungstipps zu halten (z. B. weniger Salz gegen Bluthochdruck, mehr Ballaststoffe bei Verdauungsproblemen, viel Milch zur Knochenstärkung). Diese Ratschläge gelten für die Mehrzahl der Menschen, aber eben längst nicht für alle.
Wenn sie bei Ihnen auch nach mehreren Monaten nicht den erwünschten Erfolg zeigen oder Ihnen die empfohlenen Lebensmittel nicht bekommen, liegt das wahrscheinlich an Ihrer persönlichen Gen-Ausstattung. Es ist dann - nach ärztlicher Abklärung - meist sinnvoller, solche Ratschläge nicht weiter zu befolgen.
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Anke (08.06. 2011 16:55 Uhr):
Interessant. Ich habe so einen test, - DNA+Ernährung heisst er, schon machen lassen udn einen sehr langen und individuellen Ernährungsplan bekommen. Was mir am besten gefallen hat.. es gibt unter den 800 Nahrungsmitteln sehr viel was mir schmeckt und was ich auch essen darf! Schon interessant was schon alles möglich ist.
Antworten