Eigenurin-Therapie: Was bringt diese Methode wirklich?
Sylvia Schneider in Täglich Gesund zum Thema Eigenurin
vom 5. Januar 2011, 16:00 Uhr
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Seitdem die bekannte Fernsehjournalistin Carmen Thomas vor einigen Jahren ein Buch darüber schrieb („Urin - ein ganz besonderer Saft") und während einer Talkshow ein Glas Urin leerte, ist die Eigenharnbehandlung ins Interesse der Öffentlichkeit gelangt. Mir berichteten gerade einige Leserinnen, dass ihnen diese Therapie bei Hitzewallungen und Entzündungen geholfen hätte. Eine Leserin erzählte mir unlängst, sie habe damit ihre Nasenspray-Sucht erfolgreich bekämpft. Allerdings sei sie dafür von ihrer Umwelt verlacht und mit Ekel bedacht worden.
Die meisten Naturheilmediziner lehnen diese Methode ab
Es gibt verschiedene Arten, den Urin als Heilmittel einzusetzen. Manche Heilpraktiker spritzen ihren Patienten Eigenurin unter die Haut oder in den Gesäßmuskel. Trinkkuren mit dem eigenen Morgenurin helfen nach Aussagen ihrer Verfechter bei den verschiedensten Beschwerdebildern.
Ähnlich wie bei der Eigenblutbehandlung sollen damit Reize auf das Immunsystem ausgelöst und auf diese Weise die Selbstheilungskräfte in Gang gesetzt werden. Ob das zutrifft, ist unter Experten allerdings sehr umstritten. Die meisten Ärzte für Naturheilverfahren lehnen diese Methode ab - auch deshalb, weil sie aus Erfahrung wissen, dass andere Methoden wie die Eigenbluttherapie im Allgemeinen mehr bewirken. Dass der Eigenurin das Immunsystem stimuliert, konnte bislang wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden. Allerdings hat daran wohl auch kein forschendes Pharmaunternehmen Interesse, denn Eigenurin lässt sich nicht vermarkten und ist insofern wirtschaftlich uninteressant.
Ihrem Körper werden schädliche Abbauprodukte wieder zugeführt
Ein weiteres Argument der Naturheilmediziner gegen die Eigenurin-Therapie ist ebenfalls mehr als einleuchtend: Urin ist zwar steril, solange er sich in der Blase befindet, doch auf seinem Weg nach draußen reichert er sich in der Harnröhre mit Bakterien an. Wird der Urin nun abgefangen und aufbewahrt, vermehren sich die Bakterien in raschem Tempo. Diese werden dann mit der Trinkkur wieder in den Körper befördert. Das sei riskant, sagen die Kritiker, wenn jemand nicht nur einige Tropfen, sondern größere Mengen Urin zu sich nimmt, da man sich damit eine Infektion einhandeln kann.
Denn Urin ist ein Abfallprodukt des menschlichen Körpers. Über den Urin werden beispielsweise Harnstoff und Harnsäure ausgeschieden. Der Harn ist eine Flüssigkeit, die der Körper aus dem Blut abfiltriert und in der Niere konzentriert, damit dem Körper nicht zu viel Flüssigkeit entzogen wird. Ihr Körper bildet etwa 200 Liter (l) so genannten Primärharn am Tag. Nach der Konzentration in der Niere bleiben noch 1,5 l übrig, die Sie über die Harnwege ausscheiden. Der Urin besteht aus Wasser, Salzen und Resten von Eiweißen.
Diese Stoffe befinden sich im ausgeschiedenen Urin:
- Hormone
- Mineralstoffe und Spurenelemente, bei Belastung auch Schwermetalle
- Vitamine
- Eiweißbausteine
- Stoffe der Immunabwehr wie Antikörper
- Enzyme
- Harnstoff und Harnsäure
Urin nimmt in der ärztlichen Diagnostik einen großen Stellenwert ein
Aus den Abbaustoffen des Stoffwechsels können wertvolle Hinweise auf Krankheiten gewonnen werden - oft noch bevor sich die ersten Symptome zeigen. In einer normalen Urinprobe befinden sich bis zu 2.000 verschiedene Biomarker, die auf bestimmte Erkrankungen hindeuten können. Damit lassen sich beispielsweise Erkrankungen der Nieren nachweisen. Auch Diabetes oder eine Dehydrierung des Körpers (etwa wenn Sie nicht genügend Flüssigkeit zu sich nehmen) können so in einer frühen Phase erkannt werden.
Die ärztliche Untersuchung des Harns per Teststreifen ist einfach, unbelastend für den Patienten und preiswert. Das Ergebnis liegt meist blitzschnell vor und ist aussagekräftig. Mit den Teststreifen lassen sich beispielsweise rote Blutkörperchen nachweisen, wenn es zu einer Blutung der Harnwege gekommen ist.
Weiße Blutkörperchen zeigen eine Infektion im Körper an - insbesondere in Ihren Harnwegen. Erhöhte Eiweißwerte können ebenfalls mittels Teststreifen nachgewiesen werden. Sie deuten unter anderem auf eine Nierenerkrankung hin.
Bei bestimmten Erkrankungen finden sich vermehrt Stoffe im Urin, die dem Körper auf keinen Fall wieder zugeführt werden sollten, etwa Harnsäure und Zuckerstoffe. Auch wenn Sie bereits bestehende Krankheiten haben, ist die Eigenurin-Therapie absolut tabu.
Bei diesen Erkrankungen ist die Eigenurin-Behandlung bei innerlicher und äußerlicher Anwendung schädlich für Sie:
- akute Erkrankungen
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Erkrankungen der Harnwege wie Nierenbecken- oder Blasenentzündung
- Infektionen mit hohem Fieber
- Diabetes
- Gicht
- Schilddrüsenerkrankungen
- Krebs
- bei der gleichzeitigen Einnahme von Medikamenten
- bei Belastungen mit Schwermetallen
Insgesamt scheint der Einsatz der Urintherapie nicht besonders sinnvoll zu sein. Deswegen kann ich Ihnen nicht dazu raten.