Diese Hormone steuern Ihren Hunger
Helmut Erb in Fit in 8 Minuten
vom 18. Dezember 2008, 05:00 Uhr
GNL5356
Liebe Leserin,
lieber Leser,
wer zu wenig schläft, setzt Speck an. Denn Schlafmangel wirkt sich direkt auf die Ausschüttung der Hormone aus, die Ihren Appetit steuern. Es sinkt beispielsweise die Glukosetoleranz, was Ihr Diabetesrisiko erhöht. Außerdem verändert sich die Ausschüttung des Hunger-Hormons Leptin. Professor Ulrich Voderholzer aus Freiburg: „Je weniger Sie schlafen, umso höher ist Ihr Risiko, Übergewicht zu entwickeln!"
Wenn Sie Hunger verspüren, dann passiert das unter dem Einfluss der Hormone Leptin und Ghrelin. Ein steigender Ghrelin-Level sorgt dafür, dass Sie Hunger verspüren. Wenn Sie essen und so diesem Verlangen nachgeben, steigt der Leptin-Spiegel in Ihrem Körper, der Ghrelin-Gehalt sinkt und der Hunger verschwindet.
Diese Hormone spielen eine appetitliche Rolle in Ihrem Körper:
1. Ghrelin: Dieses Hormon signalisiert Ihnen via Gehirn, dass Sie Hunger haben. Es wird im Magen gebildet, wenn er leer ist.
2. Cholecystokinin: Dieses Hormon „sagt" Ihnen, wenn Sie satt sind. Es wird im Dünndarm gebildet, wenn der Speisebrei den Magen verlässt. Außerdem regt es Verdauungsstoffe in Galle und Bauchspeicheldrüse an.
3. PYY: Dieses Hormon stammt aus dem Verdauungstrakt und sorgt dafür, dass das Sättigungsgefühl anhält und Sie zwischen den Mahlzeiten nicht essen müssen. Nach allem, was man heute weiß, scheint es den Appetit zu unterdrücken.
4. Leptin: Dieses Hormon hat die Aufgabe, das Körperfett konstant zu halten. Es wird in den Fettzellen gebildet. Ein hoher Leptin-Spiegel lässt den Appetit in die Höhe schnellen.
5. Insulin: Das Hormon der Bauchspeicheldrüse steuert den Blutzuckerspiegel und kann den so genannten Süßhunger auslösen. Man geht heute davon aus, dass Insulin langfristig auch das Körpergewicht reguliert.
Wenn Sie Ihrem Übergewicht durch Bewegung und weniger Kalorien Beine machen wollen, müssen Sie vor allem das Ghrelin unter Kontrolle halten. Deshalb achten Sie auf genügend Schlaf. Forscher haben herausgefunden, dass die Ghrelinwerte normalerweise höher sind, wenn Sie nicht ausreichend schlafen. Sie haben dann tagsüber mehr Hunger. Übergewichtige profitieren schon davon, wenn sie jede Nacht 20 Minuten mehr schlafen. Machen Sie auf keinen Fall eine Radikal-Diät. Sie führt zu einem Ghrelin-Anstieg.
Manche dieser Hungerhormone arbeiten kurzfristig, andere langfristig. Leptin beispielsweise wirkt nachhaltig und hilft dem Gehirn unter anderem, den Fettgehalt der aufgenommenen Nahrung „zu scannen". PYY tritt mittelfristig in Aktion und unterdrückt offenbar den Hunger zwischen den Mahlzeiten. Alle diese Hormone stehen in enger Verbindung miteinander. Wenn sich bei einem die Menge ändert, wird das ganze Orchester in Mitleidenschaft gezogen. Genau das passiert bei radikalen Diäten und dem Jo-Jo-Effekt: Die Hormone signalisieren dem Gehirn Hungersnot und regen es dazu an, Muskeln abzubauen, um dadurch den Grundumsatz zu senken und die aufgenommenen Kalorien noch besser auszunutzen. Gleichzeitig steigt der Appetit, damit die Speicher wieder aufgefüllt werden.
Bei aller wissenschaftlichen Bemühung scheint es also bei der Erkenntnis zu bleiben: Wenn Sie abnehmen wollen, müssen Sie langfristig Ihre Ernährungsgewohnheiten umstellen und sich viel mehr bewegen. Die Frage ist nur: Warum wird das von so vielen Menschen als Strafe angesehen?
Machen Sie es besser!
Ihr
Helmut Erb