Diese "harmlosen" Beschwerden können auf ernste Erkrankungen hinweisen
Dr. Martina Hahn-Hübner in Täglich Gesund
vom 22. August 2011, 16:00 Uhr
GNL5356
Jede gesundheitliche Beschwerde hat ihre eigenen Symptome. Also müsste es doch ein Leichtes sein, die zugrunde liegende Erkrankung ganz einfach zu diagnostizieren, wenn man sich die Symptome nur genau genug anschaut. So könnte ein Theoretiker sicherlich denken. Aber lassen Sie mich als Arzt mit mehr als 25 Jahren Erfahrung im Umgang mit Patienten sagen: So einfach ist das leider nicht. Es gibt Symptome, die sind sich zum Verwechseln ähnlich. Für einen Laien ist der Unterschied überhaupt nicht feststellbar. Das kann gefährlich werden. Denn wer ahnt denn, dass sich hinter den Symptomen einer Magen-Darm-Verstimmung auch eine Blinddarmentzündung verstecken kann?
Bei diesen Beschwerden sollten Sie misstrauisch werden
Natürlich dürfen Sie nicht hinter jedem Wehwehchen eine bösartige Erkrankung vermuten. Allerdings gibt es durchaus Anzeichen, bei denen Sie misstrauisch werden sollten. Gehen Sie in diesem Fall zu Ihrem Arzt und bitten Sie diesen um eine genauere Untersuchung.
Verdacht auf Urlaubsdurchfall
Es kommt zu Krämpfen im Unterleib, verbunden mit Erbrechen und Durchfällen. Häufig sind Viren schuld, die sich durch die Luft verbreiten. Aber auch Salmonellen oder Coli-Bakterien, die Sie über verdorbene Lebensmittel aufgenommen haben, können die Erkrankung auslösen. Bekannt ist da rüber hinaus der Noro-Virus, der gerade im Sommer gern auch in Urlaubsanlagen wütet. Normalerweise lassen die Beschwerden nach drei bis vier Tagen wieder nach.
Ab hier wird's gefährlich:
- Wenn die unerwartet auftretenden, krampfartigen Schmerzen im Unterleib nicht innerhalb einer Woche besser werden, kann ein Darmverschluss vorliegen. Der Nahrungsbrei wird nicht mehr weiterbefördert, Keime können in die Bauchhöhle gelangen und hier zu Entzündungen führen.
- Aufmerksam sollten Sie auch werden, wenn Sie unter Schmerzen leiden, die in der Bauchnabelgegend beginnen und von da aus in Unterbauch und Rücken ziehen. Ursache kann eine Blinddarmentzündung sein. Wird diese nicht behandelt, kann der Blinddarm platzen, und Eiter ergießt sich in den Bauchraum. Dies kann sogar tödlich sein.
- Wenn Sie nach dem Genuss von fetthaltigem Essen immer Schmerzen im oberen Bauchraum auf der rechten Seite verspüren, kann statt einer Magenverstimmung auch eine Entzündung der Gallenblase die Ursache sein. Wird diese nicht behandelt, kann die Gallenblase platzen und den gesamten Bauchraum infizieren. Möglich ist auch die Bildung eines Leberabszesses, also eine Infektion der Leber.
Verdacht auf Muskelzerrung
Sie verspüren Schmerzen in den Muskeln, wenn Sie sich bewegen, gehen oder stehen. Grund dafür ist eine Muskelüberlastung. Sie tritt auf, wenn Sie sich überanstrengt haben, zum Beispiel beim Probieren einer neuen Sportart. Solche Beschwerden sind harmlos. Innerhalb der nächsten zwei bis drei Tage verschwinden sie von selbst wieder.
Ab hier wird's gefährlich:
- Wenn das Gewebe schmerzt und geschwollen ist und Sie Beschwerden im oberen Rückenbereich verspüren, kann dies durch einen Aortenriss verursacht worden sein. Dies ist ein Riss der großen Schlagader, der nach und nach zum inneren Verbluten führen kann.
- Sind die Beschwerden mit Fieber verbunden, handelt es sich auf keinen Fall um harmlosen Muskelkater. Achten Sie darauf, ob auch bestimmte Gelenke entzündet oder rötlich verfärbt sind und schmerzen. In diesem Fall liegt bei Ihnen wahrscheinlich ein Arthritisschub vor. Auf Dauer kann es dazu kommen, dass Sie die betroffenen Gelenke nur noch schwer und unter Schmerzen bewegen können.
Verdacht auf Allergie
Ihre Haut juckt, brennt, nässt und ist gerötet - gerade heute, wo wir mit vielen Chemikalien in Kontakt kommen, kann dies ein Zeichen für eine Kontaktallergie sein, denn in den letzten Jahren hat die Diagnose „Hautausschlag" stark zugenommen. Meist handelt es sich um eine allergische Reaktion der Haut auf bestimmte Substanzen in Lebensmitteln, Cremes oder Kleidungsstücken.
Ab hier wird's gefährlich:
- Wenn Sie neben dem Hautausschlag Symptome wie Fieber und Schüttelfrost verspüren, kann es sein, dass Sie unter Scharlach leiden. Dies ist keinesfalls eine Krankheit nur für Kinder - auch wenn sie als Kinderkrankheit bezeichnet wird. Selbst wenn Sie im Kindesalter bereits erkrankt waren, sind Sie im Erwachsenenalter nicht immun gegen die Erreger. Unbehandelt kann Scharlach zu Herzmuskel- und Hirnhautentzündung führen.
- Wenn Sie neben den roten Flecken auf Ihrer Haut auch unter Juckreiz, Müdigkeit, steifen Muskeln und Gelenken leiden, sollten Sie Ihren Arzt bitten, Ihr Blut auf Borreliose zu untersuchen. Es könnte sein, dass Sie von einer infizierten Zecke gebissen wurden. Wird diese nicht behandelt, kommt es auf Dauer zu Lähmungen und chronischen Gelenkentzündungen.
- Mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen, dazu Fieber und Übelkeit können auf eine Gürtelrose hinweisen. Unbehandelt kann sie zu Schwerhörigkeit und Taubheit führen.
Verdacht auf Migräne
Starke Schmerzen, begleitet häufig von Erbrechen, Geräusch- und Lichtempfindlichkeit - viele Menschen leiden unter Migräne. Die Beschwerden sind sehr unangenehm. Fast immer hilft nur Ruhe in einem abgedunkelten Raum. Allerdings vergehen die Beschwerden wieder - dies kann einige Stunden dauern, manchmal auch zwei Tage.
Ab hier wird's gefährlich:
- Kommen zu Ihren Kopfschmerzen auch Wahrnehmungsstörungen, Sehverzerrungen und Sprachstörungen hinzu? Können Sie bestimmte Gliedmaße oder gar eine Körperhälfte nur noch unter Schwierigkeiten oder gar nicht mehr bewegen? Dann besteht der dringende Verdacht auf Schlaganfall. Rufen Sie sofort ohne zu zögern den Notarzt unter 112!
- Auch Kopfschmerzen, die aus heiterem Himmel auftreten und deren Schmerz so intensiv ist, wie Sie es zuvor noch nicht erlebt haben, dürfen Sie nicht auf die leichte Schulter nehmen. Genauso wie Kopfschmerzen, die bei Husten oder körperlicher Anstrengung zunehmen, deuten sie auf eine Gehirnblutung hin. Wird diese nicht behandelt, kann es zu Bewusstseinstrübungen, Koma oder sogar dem Tod durch Lähmung von Herzbereichen kommen.
- Wenn Sie älter als 55 Jahre alt sind, sollten Sie aufmerksam werden, wenn Sie häufig unter Kopfschmerzen leiden, die immer an verschiedenen Regionen Ihres Kopfes auftreten. In diesen Fällen kann ein Tumor im Kopf die Ursache sein. Wenn er nicht behandelt wird, ist er fast immer tödlich.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von KAEN (22.08. 2011 16:37 Uhr):
Hallo Frau DR. Hahn-Hübner, Ihre Ausführungen sind einfach "gut", aber mit einem Grossteil der heutigen Ärzte und deren Untersuchungen, hat es leider nichts zu tun.Viele Ärzte ent- schuldigen sich mit zu wenig Zeit. Hier sollten, nach meiner Meinung, nicht die Patienten leiden,sondern die Ärzte versuchen, über die Politik vernünftige "Zeiten" zu erhalten. Denn Ärzte, die ihren Beruf nicht aus Überzeugung ausführen, gehören in keinen weissen Kittel.!!! D.O.
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