Die mediterrane Kost ist weder fett- noch fleischarm
Helmut Erb in Fit in 8 Minuten
vom 12. September 2011, 05:00 Uhr
GNL5356
Bei der weiteren Erforschung der Mittelmeerküche stieß man immer wieder auf zwei verbreitete Irrtümer:
Nummer 1: Die Gerichte enthalten besonders wenig Fett und sind deshalb gesund. Das stimmt nicht: Denn die traditionelle Mittelmeerküche ist überhaupt nicht besonders fettarm. So kam man dahinter, dass es vor allem darauf ankommt, welches Fett verzehrt wird. Olivenöl mit einfach ungesättigten Fettsäuren und die Omega-3-Fettsäuren wurden als das Geheimnis der Mittelmeerküche entdeckt, gesättigte Fettsäuren dagegen als Risiko für das Herz entlarvt. Das neuerdings bei uns im Zusammenhang mit der Mittelmeerkost propagierte herzgünstige Rapsöl ist eine Art hiesiges Kunstprodukt und spielt in der mediterranen Küche gar keine Rolle.
Nummer 2: Menschen im mediterranen Raum essen weniger tierisches Fett und sind deshalb gesünder. Das stimmt ebenfalls nicht. In allen Ländern rund um das Mittelmeer spielen Fleisch und Käse eine ebenso große Rolle in der Ernährung wie Fisch. Beispielsweise besteht die viel gelobte italienische Küche für ganze Landestriche nicht hauptsächlich aus Fisch, sondern aus Fleisch jedweder Art. Bereits zwei, drei Kilometer vom Meer entfernt, wird oft gar kein Fisch mehr gegessen. Das gilt auch für Griechenland und Spanien. In Frankreich ist der Verzehr von Fleisch in manchen Gegenden noch höher, hier wird zudem mit sehr viel Butter gearbeitet.
Seitdem wurden die positiven Auswirkungen der Mittelmeerkost in vielen Studien belegt. So kam die Lyon-Herzstudie zu dem Ergebnis, dass sich durch eine mediterrane Ernährungsweise die Sterblichkeit insgesamt und die Todesfälle durch Herzkrankheiten um rund 70 Prozent senken lassen. Diesen Erkenntnissen, die bei uns als „französisches Paradox" bekannt wurden, konnte sich die Ernährungswissenschaft nicht verschließen. Auch alle aktuellen Studien kommen zu dem Ergebnis, dass eine mediterrane Ernährung Ihr Herz erfolgreich schützen kann. Und zwar wesentlich effektiver als die bislang ärztlich empfohlenen fettarmen Kostformen. Schon nach kurzer Zeit sind die Erfolge messbar. Das Herzinfarktrisiko sinkt um 50 bis 75 Prozent - auch gegenüber den bislang propagierten Herzdiäten. Das Verhältnis der Blutwerte im Körper verändert sich zum Positiven und wahrscheinlich wird auch die Blutgerinnung günstig beeinflusst. Der Verzehr von Fleisch und Wein trägt offenbar ebenfalls zur positiven Wirkung auf Herz und Kreislauf bei. Der Erfolg stellt sich bereits nach zwei Monaten mediterraner Kost ein.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Pichlmair Irene (14.09. 2011 12:58 Uhr):
Bitte was macht man mit Mittelmeerkost bei Gluten- und Laktoseunverträglichkeit und wenn Fleischprodukte auch schlecht vertragen werden? Vielen Dank im Voraus für Ihre Antwort. Mit lieben Grüßen aus Österreich.
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