Die 6 verbreitetsten Unwahrheiten über Milch
Sylvia Schneider in Naturmedizin aktuell zum Thema Milch
vom 28.09.2007 06:00 Uhr
GNL5356
Gestern berichtete ich Ihnen über die gesundheitlichen Vorzüge der Milch. Dieses wertvolle Nahrungsmittel, das uns die Kühe liefern, enthält viele wertvolle Inhaltsstoffe - beispielsweise Milchfett, Milchzucker und Milcheiweiß als Energielieferanten, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente für das reibungslose Funktionieren des Organismus. Besonders hervorzuheben sind:
- Kalzium, das für stabile Knochen sorgt
- Magnesium, das wichtig ist für die Reizübermittlung in Muskeln und Nerven
- Jod, das die Schilddrüse für ihre Arbeit braucht
- Zink, das Ihr Immunsystem stärkt
- die Vitamine A, B 2, B 6 und B 12 , die Augen, Haut, Stoffwechsel, Nervensystem und Blutbildung unterstützen.
Soweit, so gut. Doch von Milchkritikern werden immer wieder einige Unwahrheiten über Milch ins Feld geführt. Nach einigen von Ihnen haben Sie mich in Ihren E-Mails gestern gefragt. Hier sind meine Antworten:
- Wenn Sie viel Milch trinken, riskieren Sie, dass das Kalzium Ihre Adern verstopft! Stimmt nicht. Die Arteriosklerose wird meist schon in der Kindheit angelegt. Substanzen wie Cholesterin setzen sich in den Gefäßen ab und bilden die so genannten Plaques. Kalzium lagert sich erst viel später an – als Folge der Arteriosklerose. Es gibt keinen Beweis, dass gerade Milchfett riskant ist. Milch enthält sogar Fettsäuren, die im Tierversuch das Risiko für die Plaque-Bildung senken konnten.
- Milch verschleimt Ihren Körper! Stimmt nicht: Milch hinterlässt zwar im Mund ein schleimiges Gefühl, das bei einigen Erkrankungen des Mund- und Rachenraumes unangenehm sein kann. Daraus jedoch zu schließen, dass der Darm beziehungsweise der Organismus verschleimt und dann keine Nährstoffe mehr aufnehmen kann, ist Unfug.
- Milch löst schwere Allergien aus! Stimmt nicht: Bei Erwachsenen löst Milch kaum noch Allergien aus, wenn sie an den Genuss gewöhnt sind. Kinder bis zu zwei Jahren können jedoch allergisch auf das Milcheiweiß von der Kuh reagieren. Als beste vorbeugende Maßnahme gilt für sie das Stillen. Darüber hinaus wird empfohlen, nicht zu früh Kuhmilch zuzufüttern. Etwas anderes ist die Laktoseintoleranz, unter der viele Menschen mit zunehmendem Alter leiden. Sie verwerten Milch schlecht oder gar nicht, weil es ihnen an Laktase - fehlt, die der Mensch braucht, um Milch zu verdauen. Etwas anderes spielt sich bei Milchallergikern ab: Bei ihnen richtet sich das Immunsystem gegen Eiweißbestandteile der Milch und fängt an zu rebellieren. Milchzucker wird häufig in industriell hergestellten Nahrungsmittel als Stabilisator und Emulgator eingesetzt. Achten Sie also auf die Etiketten.
- Frauen können das Kalzium in der Milch gar nicht verwerten, deshalb schützt sie die Knochen überhaupt nicht vor Osteoporose! Stimmt nicht: Diese Behauptung wird durch alle Untersuchungen widerlegt. Sie können bis zur Hälfte des Kalziums aus der Milch aufnehmen. Hilfreich ist dabei das Vitamin D, das die Aufnahme von Kalzium im Darm fördert. Da dieses Vitamin in Ihrem Körper durch den Einfluss von Licht gebildet wird, ist es so wichtig, dass Sie regelmäßig bei Wind und Wetter an die frische Luft gehen. Auch Ihre Gene und regelmäßige Bewegung spielen eine Rolle, ob die Osteoporose bei Ihren Knochen eine Chance hat oder nicht.
- Chinesinnen und Japanerinnen trinken fast keine Milch und leiden trotzdem viel seltener unter Osteoporose! Stimmt nicht: In Asien wird zwar tatsächlich weniger Osteoporose diagnostiziert. Das hat jedoch nichts mit der Milch zu tun. Die Menschen dort bewegen sich noch wesentlich mehr als wir. Zudem essen sie viel sojareiche Kost, die ebenfalls knochenschützend wirkt. Seit einigen Jahren steigt jedoch auch dort die Zahl der Osteoporosefälle – vor allem in den Städten. Die Landbevölkerung, die sich nach wie vor mehr bewegt, hat die stabileren Knochen. Den Städterinnen rät man inzwischen dazu, täglich ein Glas Milch zu trinken, sofern ihnen Milch bekommt (vielen Japanern fehlt ein bestimmtes Enzym – die Laktase – in der Darmschleimhaut). Ein Umstand, der unter anderem bei uns dazu führt, dass die Milch knapper und damit teurer wird.
- Milchverzehr erhöht das Risiko für Brust-, Gebärmutter- und Eierstockkrebs! Stimmt nicht: Das konnte bis heute nicht belegt werden. Den Studien, die darauf hinweisen, stehen solche gegenüber, die keinen Einfluss oder sogar einen Schutz vor diesen Krebsarten durch den Verzehr von Milch aufweisen. Alle Studien, die auf einen Zusammenhang deuten, weisen nach Ansicht von Ernährungsexperten grobe Mängel auf. Milch enthält vielmehr eine Reihe von möglichen Schutzfaktoren. Dazu zählen Bestandteile des Milchfetts, Vitamin A und D, Beta-Carotin, konjugierte Linolsäure und einige Milchproteine. In verschiedenen Studien konnte zudem eine Senkung des Risikos von Diabetes, Arteriosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall nachgewiesen werden.