Die 6 Phasen der Auseinandersetzung mit einer schweren Erkrankung

in Naturmedizin aktuell
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Selbst wenn alle Menschen in einer Krisensituation auf ihre unterschiedliche Weise reagieren, so lässt sich die Zeit der Auseinandersetzung dennoch in bestimmte Abschnitte unterteilen - das ist bei einer Krankheit so, bei einem Todesfall, dem Verlust des Arbeitsplatzes oder wenn man von einer geliebten Person verlassen wird. Diese Phase läuft nach einer gewissen Gesetzesmäßigkeit ab, wenngleich die Phasen individuell lang sein und sich miteinander vermischen können. Wichtig ist es für Sie vor allem zu wissen, welche Phase Sie gerade durchlaufen, damit Sie Ihre eigenen Reaktionen richtig einordnen und damit umgehen können. Jede Phase hat ihren Sinn, und das ist gut zu wissen:


1. Schock: In der ersten Phase - etwa wenn Sie die Diagnose für eine schwere Erkrankung erhalten - fühlen Sie sich wahrscheinlich wie betäubt. Was nach außen hin wie Selbstbeherrschung aussieht, ist in Wirklichkeit eine Art Total-Anästhesie. Sie führt die außenstehenden Mitmenschen nicht selten dazu, den geschockten Menschen für "ziemlich cool" zu halten, was eine gravierende Fehleinschätzung ist. Das sollten Sie im Übrigen im Umgang mit anderen "Krisenkranken" immer bedenken.

2. Verleugnen: In dieser Phase kommen Sie langsam wieder zu sich. Doch das, was geschehen ist, empfinden Sie als noch nicht zu ertragen. Wahrscheinlich klagen Sie: "Zu früh, zu jung, noch nicht, warum jetzt, warum er, warum sie, warum ich?" Sie hoffen, doch noch aufzuwachen und alles möge wieder gut sein. Auch diese Verleugnung ist sinnvoll, denn sie verschafft Ihnen Zeit, um Kräfte zu sammeln.

3. Wut: Doch irgendwann wird klar: Es ist ja wirklich passiert! Ich bin tatsächlich - etwa an Krebs - erkrankt und dadurch wird sich mein Leben gravierend ändern. Womöglich werde ich am Ende sterben? Oder wenn Ihr Partner erkrankt ist: Werde ich am Ende allein zurückbleiben? Nun werden Sie wütend und Ihr Inneres schreit: Warum? Tiefste Wut, Verzweiflung und Selbstzweifel wechseln miteinander ab. Sie spüren mehr und mehr: Nichts mehr im Leben ist an seinem Platz. Das lässt Sie manchmal aggressiv werden gegen andere - auch gegen Menschen, die Ihnen am nächsten stehen oder die Ihnen gerade helfen. 

4. Verhandeln: Ist der Zorn auf das Unvermeidliche verraucht, fangen Sie an, mit Ihrem Schicksal „zu dealen": Was kann ich unternehmen, um das Geschehene rückgängig zu machen? Wie soll ich mich verhalten, damit alles wieder so wird wie früher? Sie sind gewissermaßen wie ein Kind, das mit dem Weihnachtsmann um Geschenke feilscht, wenn es ihm verspricht, sich besonders brav zu verhalten oder das sich vornimmt, auf dem Gehweg nicht mehr auf die Ritzen zwischen den Steinplatten zu treten. Sie hadern vielleicht mit Gott und bieten ihm allerlei „Lösungen" an nach dem Motto: „Lieber Gott, wenn ich dies oder das tue, dann kannst du das doch wieder rückgängig machen". 

5. Depression: Doch dieser Ablasshandel funktioniert nicht, und Sie müssen erkennen: Es ist, wie es ist. Die Krise ist da und lässt sich nicht mehr vom Tisch wischen. Das Leben von früher kommt erstmal nicht wieder. Nun tauchen Fragen auf wie: Wie soll ich weiterleben? Wie viel Kraft habe ich für den Kampf gegen die Krankheit, wie viel für Fürsorge und Pflege wird erforderlich sein? Ist das für mich jemals zu schaffen? Werde ich auch immer das Richtige tun? Werde ich jemals wieder die Kontrolle über mein eigenes Leben erlangen? Ihre Gefühle werden differenzierter. Schmerz und Realität spüren Sie jetzt sehr bewusst.

6. Akzeptieren: Nun beginnt trotz allem die Phase des Arrangierens. Irgendwann wird der Schmerz blasser, er tritt mehr und mehr in den Hintergrund. Es entsteht Raum zum Handeln. Nun gilt es die wichtigsten Weichen zu stellen für den Kampf gegen das Geschehene. Und ihn möglichst zu gewinnen! Auch wenn Sie sich das bis zu diesem Zeitpunkt vielleicht nicht vorstellen können.

 


von
Sylvia Schneider

Erfahren Sie hier mehr zu Sylvia Schneider - aus dem Redaktionsteam von FID Gesundheitswissen.

 
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Kommentar von Angelika Schilling

Dem Artikel kann ich nur zustimmen, ich habe die Problematik innerhalb von drei Jahren zweimal durchgemacht. 2008 verlor ich meinen Mann durch Krebs, 2011 verlor ich meinen Arbeitsplatz. Helfen kann man sich letzten Endes nur selbst und wenn es noch so schmerzvoll ist - frei nach dem Spruch: "Was uns nicht umbringt, macht uns stark"! Und ich bin gestärkt "aufgestanden".

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Kommentar von Ruth Brauch

Die 6 Phasen der Auseinandersetzung Gott läßt nicht mit sich handeln. Er ist auch kein Wünscheerfüller. Kommet alle die ihr mühselig und beladen seid,ich will euch erquicken. Mt.11,28-Von der Arbeit erschöpft und von schwerer Krankheit gezeichnet

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Kommentar von Ulf Lange

Die Formulierungen Ihres Artikels sind hervorragend getroffen, präzise und sehr gut nachvollziehbar. Ich bin von den Zeilen sehr angerührt, da mich seit 60 Jahren die Folgen einer Poliomyelitis und seit etwa 10-15 Jahren das (PostPolioSyndrom) und last but not least seit ca. 3 Jahren die Morbus-Parkinson-Krankheit beschäftigen. Die 6 Phasen Ihrer angesprochenen Krisenbewältigung habe ich einige Male mehr oder weniger durchlaufen Es freut mich deshalb sehr diesen Tatbestand einmal durch Ihren Artikel verifiziert zu sehen. ----- Vielen Dank !!! -----

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