Dicke sind nicht automatisch faul und unsportlich
Helmut Erb in Fit in 8 Minuten
vom 12. Mai 2010, 05:00 Uhr
GNL5356
liegt ein dünner Mensch auf der Couch und sieht fern, so ruht er sich aus. Streckt sich ein beleibter Mensch hingegen auf der Chaiselonge aus, ist er faul und unmotiviert - zumindest in den Augen seiner Betrachter. Dass es derartige Unterschiede in der Wahrnehmung gibt, haben Forscher der Universität von Alberta festgestellt. "Ebenso, wie Übergewichtige nicht automatisch unsportlich sind, sind Dünne nicht per se fit und gesund", erklärt Studienleiterin Tanya Berry. Doch der erste Gedanke der Betrachter ist meist negativ und nicht gerade von Wohlwollen geprägt.
Für den Versuch wurde eine bekannte psychologische Testmethode eingesetzt: Die Untersuchungsteilnehmer betrachteten eine Bilderreihe, wobei nach jedem Foto ein Wort wie etwa "faul" aufschien. Es galt anzugeben, welche Farbe die Schrift hatte, wobei die Forscher sich in Wirklichkeit nur für die Reaktionszeit interessierten. Bei Fotos von Übergewichtigen auf der Couch war diese länger. Daraus schlossen die Forscher auf das Vorhandensein des von Vorurteilen gegenüber Dicken, die die Testpersonen kurz von der Konzentration auf die Schriftfarbe kurz ablenkten. Unter den Vorurteilen über Übergewichtige gibt es nur wenige positive wie etwa der gemütliche und fröhliche Charakter. Mollige Menschen werden eher als faul, undiszipliniert, zügellos, willensschwach und wenig leistungsbereit gesehen.
Wie Übergewicht und Fettleibigkeit bewertet werden, ist auch kulturell bestimmt. In Ländern wie unserem, in denen Leistung und Erfolg eine enorme Rolle spielen, ist das Schlankheitsideal von größter Bedeutung. Darin liegt schon eine Abwertung von Menschen, die dem fragwürdigen Ideal nicht entsprechen. In Ländern, in denen es etwas gemächlicher zugeht, ist das anderes. Dass westliche Industriestaaten Übergewichtige derart stigmatisieren, liegt daran, dass man mit ihnen sofort ein Fehlverhalten unterschiebt. Das entspricht jedoch nicht Tatsachen und ist aus meiner Sicht auch ziemlich gemein. Familiäres Erbe, Verfügbarkeit von gesunder Nahrung, Zeitknappheit und Stress spielen dabei eher eine Rolle. Darauf hat der Mensch ja nur begrenzt Einfluss. Deshalb sollte man schauen, dass man sich von solchen Vorverurteilungen nicht verleiten lässt.
Viele Übergewichtige leiden ohnehin schon seelisch darunter, dass sie nicht dem Schlankheitsideal entsprechen.Ein angeschlagenes Selbstwertgefühl, Depressionen sowie ein erhöhtes Suizidrisiko sind bei ihnen deshalb nicht selten anzutreffen.
Machen Sie es besser!
Ihr
Helmut Erb