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Bakterien am Wasserhahn

Körperhygiene und ein ordentlicher Haushalt zählen zu Merkmalen, die die Lebensqualität entscheidend mitbestimmen. Ein heißes Schaumbad lädt zur Entspannung ein und nach Feierabend kehrt man gerne zurück in die saubere Wohnung. Ein bestimmtes Maß an Sauberkeit ist nicht nur lobenswert, sondern auch empfehlenswert. Vernachlässigte Körperhygiene oder mangelnde Hygiene im Haushalt können zu unangenehmen Erkrankungen führen.

Doch das Gegenteil in Form eines übertriebenen Drangs nach Reinlichkeit und Hygiene kann die Gesundheit ebenso belasten. Ein gesundes Mittelmaß zwischen mangelnder und übertriebener Hygiene kann sich als ideale Alternative empfehlen. Im Folgenden sollen dazu einige Ergebnisse und interessante Anregungen präsentiert werden.

Abbildung 1: E Coli Bakterien – die Erreger lauern an Stellen im Haushalt, von denen man es wahrscheinlich nie gedacht hätte.

Wo verbergen sich Bakterien im Haushalt?

Staub und Schmutz lassen schnell Bakterien im Haushalt vermuten. Der Griff nach Power-Reinigern ist dabei eine sehr bequeme und schnelle Lösung. Speziell wenn sich Kinder im Haushalt befinden, wird gerne auf ein höchstes Maß an Sauberkeit und Hygiene geachtet. Laut einer im Jahr 2014 veröffentlichten Studie können Eltern jedoch durchatmen und potenzielle Keimnester stehen in einem ganz anderen Licht. Die Studie befasste sich mit der durchschnittlichen Verteilung von Bakterien in deutschen Haushalten und brachte interessante Ergebnisse:

Beliebte Quellen für Bakterien wurden dabei genauer unter die Lupe genommen. Untersuchungsgegenstand der Studie waren beispielsweise Toilettensitz, Spüllappen, Wasserhahn im Bad und Futternapf des Haustiers. Während der Kinderhochsitz mit lediglich 29 Bakterien je Quadratzentimeter auf einem der hinteren Bereiche der Studie rangiert, ist der Futternapf des Haustiers mit 327 Bakterien je Quadratzentimeter bereits im ansteigend hohen Bereich angesiedelt. Mit 971 Bakterien je Quadratzentimeter liegt der Wasserhahn als Bakterienquelle wiederum bereits deutlich über dem Futternapf. Weit abgeschlagen steht der Spüllappen mit 20.868 Bakterien je Quadratzentimeter.

Die Ergebnisse der Studie aus dem Jahr 2014 zeigen deutlich, dass vermeintliche Bakterienquellen nicht so dramatisch befallen sind, wie zunächst vermutet werden kann. Dass eine mangelnde Hygiene zu Erkrankungen führen kann, ist weitläufig bekannt. Doch auch eine übertriebene Hygiene bei Körper und Haushalt löst mitunter Erkrankungen der Haut und Schleimhäute aus. Inwieweit Hygiene betrieben werden sollte und ab welchem Zeitpunkt die Hygienemaßnahmen übertrieben angewendet werden, lässt sich mit Erklärungen und Tipps abgrenzen.

Wie viel Hygiene ist ausreichend?

Körperpflege ist wichtig sowie gesund und auch die Hygiene im Haushalt trägt eine wesentliche Rolle zum persönlichen Wohlfühlfaktor bei. Doch zu viel Hygiene kann sich negativ auf die Gesundheit auswirken. Um das Maß an Hygiene nicht zu übertreiben, empfehlen Experten eine übersichtliche Reinigung des Haushalts und eine ausreichende Körperpflege. Demnach werden auf medizinauskunft.de unterschiedliche Empfehlungen ausgesprochen:

1. Empfehlungen bei der Körperpflege:

  • Duschen mit klarem Wasser reicht bei normalen Verschmutzungen aus
  • bei täglicher Körperpflege sollte Seife lediglich bei Achselhöhlen, Intimbereich und Füßen genutzt werden
  • milde Duschbäder sollten Seifen gegenüber bevorzugt werden
  • die Wahl der Hygieneartikel sollte auf Produkte mit wenigen oder keinen Parfüms oder Duftstoffen fallen

2. Empfehlungen bei der Hygiene im Haushalt:

  • Regelmäßig Hände waschen
  • regelmäßiges Austauschen von benutzten Putzlappen
  • Verzicht auf aggressive Putzmittel
  • regelmäßiges Reinigen von bakterienanfälligen Flächen (zum Beispiel Kühlschrank oder Abfallbehälter)
  • Feuchtigkeit in Küche, Bad und Toilette vermeiden
  • auf Allzweckreiniger und Desinfektionsmittel verzichten – stattdessen mit Spülmittel oder Essigreiniger putzen

Wann wird zu viel Hygiene betrieben?

Laut Experten können übertriebene Hygienemaßnahmen im Kindesalter zu einer Schwächung des Immunsystems und zu Allergien führen, da ein verringerter Kontakt mit Erregern besteht. Wer in der Kindheit einem übertrieben hygienischem Umfeld ausgesetzt ist, muss nicht direkt an Allergien erkranken. Vielmehr kann eine spätere Entwicklung von Allergien eintreten. In einem Artikel der Süddeutschen wird daher erklärt, dass Desinfektionsmittel nach Möglichkeit nicht im Haushalt benutzt werden sollten. Neben Hygienemaßnahmen im Haushalt können auch Maßnahmen bei der Körperhygiene zu negativen gesundheitlichen Auswirkungen führen:

Duschen: Tägliches Duschen kann der Haut Fett und Feuchtigkeit entziehen. Dadurch wird der Schutz der Haut zerstört, was zu Hautkrankheiten führen kann.

Seife: Bei der Körperhygiene kann die Nutzung von Seife zur Schädigung des Säureschutzmantels der Haut führen. Seife zerstört mitunter zwischen 90 und 95 Prozent der Mikroorganismen. Aus diesem Grund sollte man von einer zu intensiven Nutzung absehen und zudem Seifen benutzen, die besonders verträglich sind.

Was sollte man sonst noch beachten?

Wer gründlich putzen möchte, greift gerne auf Allzweckreiniger oder Desinfektionsmittel zurück. Die vermeintlichen, aggressiven Bakterienkiller sorgen in der Regel jedoch nur für kurze Zeit zu einem bakterienfreien Wohnen. Stattdessen können die aggressiven Helfer Haut und Schleimhäute reizen. Für eine bessere Alternative beim gründlichen Putzen bieten sich herkömmliche Haushaltsreiniger an. Abhängig vom Verschmutzungsgrad reicht teilweise bereits das Reinigen mit (lauwarmem) Wasser aus.

Speziell bei der Reinigung der Toilette wirken Desinfektionsmittel verlockend. Doch auch hier sind herkömmliche Reinigungsmittel wie Essigreiniger die bessere Wahl. Lediglich beim Aufsuchen von öffentlichen Toiletten (zum Beispiel an Autobahnraststätten) ist die Verwendung von Desinfektionstüchern empfohlen. Dies gilt insbesondere dann, wenn kleine Kinder eine öffentliche Toilette benutzen.

Der Einsatz von Desinfektionsmitteln kann außerdem erfolgen, wenn Familienmitglieder an Infektionen oder starkem Durchfall erkrankt sind. Das Vorgehen sollte dabei jedoch immer zuvor mit dem Gesundheitsamt oder dem behandelnden Arzt besprochen und abgestimmt werden.

Abbildung 3: Der Wasserhahn gehört zu den Orten mit sehr vielen Bakterien im Haushalt – trotzdem ist eine übertriebene Hygiene nicht zu empfehlen.

Fazit

Um das Immunsystem bereits in der Kindheit auf Krankheitserreger vorzubereiten und zu stärken, sollten Eltern auf eine übertriebene Hygiene verzichten. Eine im Jahr 2014 veröffentlichte Studie zeigte beispielsweise, dass auf einem Kinderhochsitz lediglich 29 Bakterien je Quadratzentimeter vertreten sind. Die Reinigung mit herkömmlichen Putzmitteln reicht in diesem Fall vollkommen aus. Desinfektionsmittel hingegen können zu Reizungen von Haut und Schleimhäuten führen, wichtige Mikroorganismen abtöten und später sogar zu Allergien des Kindes führen.

Für eine gesunde Lebensweise bietet sich ein gesundes Mittelmaß bei der Körperpflege und Hygiene im Haushalt an. Grundsätzlich empfehlen sich einige Tipps und Vorgehensweisen, beispielsweise:

– Haushalt mit herkömmlichen Putzmitteln reinigen

– Verzicht auf Desinfektionsmittel im Haushalt

– Putzlappen regelmäßig austauschen

– Parfüme und Duftstoffe in Seifen vermeiden

– Infektionstücher nur bei öffentlichen Toiletten nutzen

Werden diese Anregungen beachtet, dürften Bakterien kein allzu großes Problem mehr im eigenen Haushalt darstellen.

Abbildung 1: © geralt (CC0-Lizenz)/ pixabay.com

Abbildung 3: © RonPorter (CC0-Lizenz)/ pixabay.com

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