MenüMenü

Richtig handeln bei Sommergefahren: Hitzschlag, Sonnenstich, Insektenstich im Hals

von Dr. Andrea Schmelz, Chefredakteurin von „Gesundheit und Erziehung für mein Kind“

Gerade für Babys und Kleinkinder hat der Sommer auch Schattenseiten. Denn ihr empfindlicher Organismus kann zu viel Hitze und Sonne nur schlecht verkraften. Auch die Wespe im Trinkbecher wird ihnen schnell zum Verhängnis. Lesen Sie hier, wie Sie wirksam vorbeugen und im Notfall richtig helfen.

Scheint Ihrem Kind die Sonne längere Zeit auf den Kopf, werden Gehirn und Hirnhäute gereizt. Das passiert gerade bei Kindern in den ersten Lebensjahren besonders schnell, denn die Schädeldecke ist noch dünn, und oft genug ist auch der Haarwuchs noch spärlich. Durch die Hitze schwellen Gehirn und Hirnhäute an, können sich in der knöchernen Schädelhöhle jedoch nicht ausdehnen. Der steigende Druck auf das Gehirn führt zu den typischen Symptomen.

Typisch für den Sonnenstich: Kopfschmerzen und Übelkeit

War Ihr Kind längere Zeit ohne Sonnenhut in der Sonne, deuten folgende Anzeichen, die oft erst nach einigen Stunden auftreten, auf einen Sonnenstich hin:

  • Kind ist unruhig oder quengelig, kann aber auch benommen sein (bis hin zur Bewusstlosigkeit!)
  • hochroter, heißer Kopf, Haut am Körper eher kühl
  • Kopfschmerzen, oft auch Schwindel
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Nackensteife (Kind kann den Kopf nicht nach vorne beugen, sodass das Kinn die Brust berührt, da dies schmerzhaft ist)
  • eventuell auch hohes Fieber, häufig abends, Kind dann oft eher blass

Bei Sonnenstich den Kopf kühlen

  • Bringen Sie Ihr Kind in den Schatten.
  • Legen Sie es mit erhöhtem Oberkörper auf den Rücken, das verringert den Druck aufs Gehirn.
  • Kühlen Sie den Kopf mit feuchten, kalten Tüchern, die Sie häufig wechseln. Alternativ können Sie auch eine Kühlkompresse verwenden, die Sie aber vor dem Auflegen in ein Tuch (z. B. Geschirrtuch) einschlagen.
  • Unterstützende homöopathische Behandlung mit Belladonna D12 (ersatzweise D6: 5 Globuli oder 1 Tablette alle fünf bis 10 Minuten, insgesamt 3-mal, danach bei Bedarf stündlich bis zweistündlich.

Ist Ihr Kind bewusstlos, rufen Sie bitte sofort den Notarzt! Bis zu dessen Eintreffen beobachten Sie Ihr Kind ständig. Legen Sie es mit leicht in den Nacken gebeugtem Kopf auf die Seite, damit es nicht an Erbrochenem erstickt. Wichtig: Bitte rufen Sie in jedem Fall den Arzt, wenn Ihr Kind an einem der hier aufgeführten Krankheitsbilder leidet und sich nach den genannten Erstmaßnahmen nicht rasch und vollständig erholt! Ist Ihr Kind jünger als zwei Jahre oder sind Sie sich unsicher, sollten Sie sofort den Arzt verständigen.

Mit diesen drei Regeln kommt Ihr Kind gesund durch den Sommer

  1. Sorgen Sie dafür, dass sich Ihr Kind möglichst häufig im Schatten aufhält. Speziell zwischen 12 und 15 Uhr sollte es gar nicht in die Sonne. Lassen Sie Ihr Baby im Sommer keinesfalls im Auto, auch wenn dieses im Schatten steht, Sie Dach oder Fenster einen Spalt offen lassen und Sie ohnehin gleich wieder zurück sein wollen!
  2. Bieten Sie Ihrem Kind immer wieder etwas zu trinken an oder stellen Sie ihm den Trinkbecher zur „Selbstbedienung“ hin. Dauernuckeln sowie eiskalte Getränke bitte vermeiden! Geeignete Durstlöscher sind Mineral- oder Leitungswasser und Saftschorlen (ein Teil Saft plus zwei bis drei Teile Wasser bzw. ungesüßten Tee).Wenn Ihr Kind stark schwitzt (bei großer Hitze und/oder Spiel und Sport), ist ab dem Kindergartenalter eventuell ein isotonisches Getränk (z. B. Isostar oder Gatorade Sport Drink) sinnvoll. Ersatzweise können Sie Apfelschorle (ein Teil Saft auf einen Teil Wasser) geben.
  3. Lassen Sie Ihr Kind nicht ohne Sonnenhut oder Schirmmütze in die Sonne.

Hitzeerschöpfung und Hitzschlag – zwei unterschiedliche Krankheitsbilder

Bei hohen Temperaturen im Sommer können zwei verschiedene Notfälle auftreten. Die häufigere Hitzeerschöpfung entsteht, wenn Ihr Kind sich viel bewegt und deshalb stark schwitzt.Wird der Verlust an Flüssigkeit und Salzen nicht ausgeglichen, weil es nicht genug trinkt, kommt es zum Kreislaufversagen. Der seltenere Hitzschlag oder Hitzeschock tritt bei feuchtheißer, schwüler Witterung auf, besonders wenn Ihr Kind zu warm angezogen ist. Ist nämlich die Schweißabgabe durch ungeeignete Kleidung oder hohe Luftfeuchtigkeit nicht möglich, kommt es im Körper zu einem Wärmestau. In unseren Breiten tritt der eventuell tödliche Hitzschlag meist bei Babys auf, die längere Zeit in einem völlig überhitzten, parkenden Auto verbringen mussten.

Mein Tipp: An heißen Tagen sollten Sie sofort hellhörig werden, wenn Ihr Kind unleidlich wird und zu quengeln beginnt. Oft ist es dann von der Hitze erschöpft und braucht etwas zu trinken sowie Ruhe an einem möglichst schattigen, kühlen Ort.

Bei Hitzeerschöpfung muss Ihr Kind viel trinken!

Folgende Anzeichen können bei einer Hitzeerschöpfung auftreten:

  • Kind ist meist blass und fröstelt, hat kalten Schweiß auf der Stirn; anfangs kann der Kopf jedoch auch leicht gerötet und feuchtwarm sein
  • große Schwäche
  • normale Körpertemperatur
  • schneller, schwacher Puls
  • eventuell zusätzlich leichte Kopfschmerzen und leichte Übelkeit, Erbrechen ist allerdings untypisch

Wenn Sie jetzt rasch, und richtig handeln, erholt sich Ihr Kind meist rasch, und die Gefahr einer Bewusstlosigkeit ist gebannt. Bringen Sie Ihr Kind in den Schatten und decken Sie es mit einer leichten Decke zu, wenn es fröstelt. Legen Sie es auf den Rücken und lagern Sie die Beine hoch (auf Kissen oder einfach hochhalten). Geben Sie Ihrem Kind viel zu trinken (nie eiskalt!). Ideal wäre ein salzhaltiges Getränk (ein Teelöffel Salz auf einen Liter Wasser oder eine Elektrolytlösung gegen Durchfall wie Oralpädon®. Ersatzweise können Sie ein isotonisches Getränk (bitte drei Teile davon mit einem Teil Wasser verdünnen, da die meisten isotonischen Getränke für diesen Zweck zu viel Salze enthalten!) oder Apfelschorle anbieten.

Unterstützende homöopathische Behandlung mit Veratrum album D12 (ersatzweise D6): 5 Globuli oder 1 Tablette alle fünf bis 10 Minuten, insgesamt 3-mal, danach bei Bedarf stündlich bis zweistündlich. Ihr Kind sollte den Rest des Tages im Bett bleiben und auch an den folgenden Tagen geschont werden.

Erste Hilfe bei Hitzschlag: Ausziehen und feuchte Tücher

Typisch für den Hitzschlag sind folgende Symptome:

  • anfangs hochroter Kopf, dann Haut am gesamten Körper gerötet, heiß und trocken
  • stumpfer Gesichtsausdruck, taumelnder, unsicherer Gang
  • Schwindel, Kopfschmerzen, Benommenheit bis hin zur Bewusstlosigkeit
  • hohe Körpertemperatur (Fieber über 38 °C)

Die Erstmaßnahmen ähneln denen beim Sonnenstich: Rufen Sie bei einem Hitzschlag immer sofort den Arzt! Bringen Sie Ihr Kind an einen kühlen, schattigen Platz. Legen Sie es mit erhöhtem Oberkörper auf den Rücken, sofern es nicht bewusstlos ist. Ziehen Sie Ihr Kind aus oder öffnen Sie zumindest seine Kleidung. Kühlen Sie die Haut mit feuchten Tüchern (Wasser nicht zu kalt, etwa 20 °C), die Sie regelmäßig wechseln. Duschen Sie Ihr Kind nicht kalt ab, das könnte zu einem Schock führen.

Unterstützende homöopathische Behandlung mit Belladonna D12 (ersatzweise D6): 5 Globuli oder 1 Tablette alle fünf bis 10 Minuten, insgesamt 3-mal, danach bei Bedarf stündlich bis zweistündlich. Gönnen Sie Ihrem Kind an diesem und am nächsten Tag Bettruhe! Auch an den folgenden Tagen sollte es geschont werden.

Bei Insektenstichen im Mund- und Rachenraum sofort kühlen

Glücklicherweise sind Bienen- oder Wespenstiche im Mund oder Rachen selten. Doch kann es natürlich vorkommen, dass eine Wespe in die Saftschorle gefallen ist und Ihr Kind, ohne dass Sie es bemerkt hätten, einen Schluck davon nimmt. Hat das in Panik geratene Insekt erst einmal zugestochen, besteht für Ihr Kind Lebensgefahr. Die Schleimhaut kann nämlich in kurzer Zeit so stark anschwellen, dass Ihr Kind keine Luft mehr bekommt.

So helfen Sie richtig:

  • Alarmieren Sie als Erstes den Rettungsdienst.
  • Versuchen Sie, ruhig zu bleiben und Ihr Kind zu beruhigen.
  • Ist Ihr Kind bei Bewusstsein und mindestens zwei Jahre alt, geben Sie ihm Speiseeis oder Eiswürfel zu lutschen.
  • Ob Kühlkompressen oder kalte Tücher von außen auf den Hals die Schwellung lindern können, ist sehr ungewiss. Sie können es jedoch versuchen, da Sie damit zumindest keinen Schaden anrichten.
  • Unterstützende homöopathische Behandlung mit Apis C12: viertelstündlich 5 Globuli bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes.
© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten

Alte Kommentare
  • shanie schrieb am 20.05.2014, 23:03 Uhr

    Super Artikel,kann man auch als Erwachsener der ein grosses wissen hat noch einiges dazu lernen. danke an den Verfasser,so werden meine Kids sicher besser durch den Sommer kommen