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Nesselsucht: Hinter Quaddeln stecken häufig verborgene Infekte

Am Abend bemerkte Frau D. lediglich eine kleine,  rote, juckende Stelle am Oberschenkel. Doch am nächsten Morgen war ihr gesamter Körper mit dicken roten Quaddeln übersäht. Der Juckreiz war geradezu unerträglich. Die Hausärztin tippte ohne große Diagnose auf Neurodermitis – und lag leider völlig daneben. Bei Frau D. hatte sich quasi über Nacht eine Nesselsucht (Urtikaria) eingestellt, der plötzliche Verlauf – und leider auch die irrende Ärztin – sind geradezu typisch für diese extrem lästige Hautkrankheit.

Die Urtikaria gehört zu den häufigsten Krankheiten: Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie im Laufe Ihres Lebens daran erkranken, liegt bei etwa 10 bis 25%. Allerdings bleibt es in den meisten Fällen bei einer einmaligen Episode (akute Urtikaria), die nach spätestens 6 Wochen wieder abklingt. Doch bei etwa jedem 50. Patienten entwickelt sich eine chronische Form der Nesselsucht. Bei ihnen kommt es immer wieder zu Krankheitsschüben, oder die Quaddeln bleiben permanent bestehen.

Die Beschwerden entstehen, wenn in der Haut Histamin und andere Entzündungs-Botenstoffe freigesetzt werden. Die Auslöser dafür können jedoch ganz unterschiedlicher Natur sein – und genau das macht die Diagnose und Therapie der Erkrankung so schwierig.

Oft unter falschem Verdacht: Nahrungsmittel und Allergien

Wenn Menschen quasi über Nacht von den quälend juckenden Quaddeln überrascht werden, vermuten sie und die meisten Ärzte v. a. Allergien, Stress oder exotische Nahrungsmittel als Auslöser. Doch hinter diesen spontanen Fällen stecken nach neuesten Erkenntnissen meist akute Infektionen (40%) oder Unverträglichkeiten gegen Medikamente (10%). Dennoch sollten auch andere Faktoren mit in Betracht gezogen werden.

Sehr häufig gehen die Symptome außerdem auf eine Autoiummun-Erkrankung zurück. Allergien sind dagegen nur sehr selten die wirkliche Ursache der juckenden Quaddeln. Nichtsdestotrotz sollte bei starken unklaren Beschwerden ein Allergietest durchgeführt werden.

Mögliche Auslöser einer „spontanen“ Nesselsucht sind:

  • akute Infektionen (Erkältungs-Krankheiten, Harnwegs-Infekte)
  • Unverträglichkeit gegenüber Medikamenten, z. B. Schmerzmittel (wie Diclofenac, Ibuprofen oder Aspirin), ACE-Hemmer
  • Lebensmittel und -zusatzstoffe
  • Stress und psychische Anspannung
  • Waschmittel, Weichspüler
  • Kleidung (reizende Fasern, Farbstoffe)

Hinter einer chronischen Urtikaria stecken dagegen oft andere Ursachen wie:

  • Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten,
  • chronische Infekte (z. B. bakterielle Besiedlung der Nasennebenhöhlen bzw. der Mandeln),
  • Hepatitis-Viren,
  • der Magenkeim Helicobacter pylori,
  • Zahnwurzelentzündungen
  • oder Darmpilze.

Setzen Sie bei chronischen Beschwerden auf natürliche Therapien

Um keine falschen Hoffnungen zu wecken: Bei schweren akuten Schüben einer Urtikaria werden Sie in den meisten Fällen um schulmedizinische Medikamente wie Antihistaminika und kurzfristige Kortison-Gaben nicht herumkommen. Sie bremsen die Wirkung des Histamins und können so den Juckreiz sowie die entzündliche Reaktion stoppen.

Doch diese schulmedizinische Therapie sollten Sie durch naturheilkundliche Verfahren ergänzen; bei leichteren Symptomen könnten diese sogar ganz allein ausreichen.

Diese Naturheilverfahren haben sich bei Nesselsucht bewährt:

  • Akupunktur und chinesische Heilkräuter
  • Bäder (z. B. mit Totem-Meer-Salz, Eichenrinde)
  • Eigenblut-Therapie
  • Entspannungs-Verfahren
  • Klima-Therapie (Aufenthalte im Hochgebirge und am Meer)
  • Neural-Therapie
  • Enzym-Therapie (z. B. Bromelain pos®, Wobenzym®)
  • Heilfasten
  • Heilpflanzen (z. B. Brennnesseltee, Kümmelsamen, Nachtkerzenöl, Umschläge mit grünem Tee)
  • Homöopathie (Bienen- und Ameisengift, Eigenblut-Nosoden)
  • Vitalstoffe (z. B. Fischöl, Kalzium)

Entspannungs-Verfahren und -bäder gegen Nesselsucht

Unabhängig von den eigentlichen Auslösern können die Schübe bei einer chronischen Nesselsucht durch Stress und körperliche Anstrengung verstärkt oder erst zum Ausbruch gebracht werden. Deshalb sollten Sie – v. a., wenn Sie immer wieder neu von der Nesselsucht heimgesucht werden – ein Entspannungs-Verfahren erlernen, z. B.:

  • progressive Muskelentspannung,
  • Yoga,
  • Qigong,
  • die Franklin-Methode
  • oder Indian Balance.

Auch  entspannende Bäder sind sinnvoll – insbesondere dann, wenn Sie diese mit hautberuhigenden Zusätzen versehen. Bei tiefer liegenden seelischen Konflikten – die Haut gilt nicht umsonst als „Spiegel der Seele“ – sollten Sie auch eine psychotherapeutische Beratung oder Therapie in Erwägung ziehen.

Bei Frau D. entpuppte sich übrigens eine verschleppte Infektion der Nasennebenhöhlen als eigentlicher Auslöser der akuten Nesselsucht. Sie erhielt kurzfristig ein Antihistaminikum, nahm zusätzlich Fischölkapseln ein und nahm täglich ein Totes-Meersalz-Bad. Nach 1,5 Wochen waren die Beschwerden abgeklungen und traten seitdem nicht wieder auf.

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