MenüMenü

Pilzinfektionen können ernsthafte Folgen haben!

Die meisten Menschen, die an einer Infektionskrankheit leiden, machen Bakterien und Viren dafür verantwortlich. Aber es gibt einen weiteren, oft übersehenen Auslöser: Pilze. Pilzinfektionen (medizinisch: Mykosen) sind häufiger und manchmal auch gefährlicher, als die meisten von uns annehmen. Was Sie über Pilzinfektionen wissen sollten, welche neuen Erkenntnisse es in diesem Zusammenhang gibt und wie Sie die ungebetenen Gäste wieder loswerden, erfuhren wir von Prof. John B. Perfect, Spezialist für Mykosen in North Carolina/USA.

Ist es schwierig, eine Pilzinfektion zu diagnostizieren?

Bei Pilzinfektionen der Haut kann der Arzt dies relativ einfach durch Inaugenscheinnahme erkennen und den Übeltäter bestimmen. Wenn der Pilz jedoch innere Organe befallen hat, muss der Arzt eine Speichel- oder Blutprobe entnehmen. Daraus wird im Labor der Pilz angezüchtet und eindeutig diagnostiziert.

Sind Pilzinfektionen ansteckend?

Manche Hautpilzerkrankungen wie z.B. der Flechtengrind der Kopfhaut, kann durch Benutzen gemeinsamer Handtücher oder durch Kontakt mit der infizierten Haut übertragen werden. Die meisten anderen Pilzinfektionen erfolgen über Sporen, die sich in unserer Umgebungs- und Atemluft befinden und denen wir nun mal nicht ausweichen können.

Lässt eine Pilzerkrankung der Haut oder der Fuß- bzw. Fingernägel auf eine tiefer liegende Ursache schließen?

Es ist unwahrscheinlich, dass sich eine organische Erkrankung zunächst in einem Haut- oder Fußpilz manifestiert. Vielmehr wird ein Mensch, der bereits erkrankt ist und dessen Körper sich gegen diese Erkrankung zur Wehr setzen muss und zusätzlich Medikamente einnimmt, leichter von gefährlichen Pilzinfektionen wie Aspergillose und Kryptokokkose befallen. Beide Pilzerkrankungen treten zunächst in der Lunge auf und breiten sich im schlimmsten Fall im ganzen Körper aus. Auch wer an Diabetes und Krebs leidet, ist anfälliger für Mykosen.

Warum sind Pilzerkrankungen so schwierig zu behandeln?

Pilzzellen sind sehr ähnlich aufgebaut wie unsere menschlichen Zellen. Daher ist es kaum möglich, ein Medikament zu entwickeln, das die Pilzzellen abtötet, ohne unsere eigenen Körperzellen in Mitleidenschaft zu ziehen. Dennoch ist es jetzt gelungen, eine völlig neue Klasse von Medikamenten zu entwickeln, die so genannten Echinocandine, mit denen sehr gute Erfolge bei Aspergillose und schweren Candida-Infektionen erzielt werden. Dazu gehört der bereits in Deutschland zugelassene Wirkstoff Caspofungin (Handelsname: Cancidas). Für weitere Medikamente dieser Kategorie ist die Zulassung beantragt: Micafungin (Mycamine) und Anidulafungin (Eraxis). Diese – intravenös verabreichten – Wirkstoffe verhindern, dass der Pilz eine bestimmte Substanz synthetisieren kann, die er zum Aufbau seiner Zellwände benötigt. Da menschliche Zellen diese Substanz nicht besitzen, werden sie davon auch nicht geschädigt. Daher sind Echinocandine weniger toxisch und verursachen geringere Nebenwirkungen als herkömmliche Pilz-Therapeutika.

Was passiert, wenn eine Pilzerkrankung nicht behandelt wird?

Das hängt von der Schwere der Infektion ab. Leichte Hautpilzinfektionen sind harmlos und verschwinden sogar oft ohne Behandlung von selbst. Es gibt Patienten, die Jahre problemlos mit einem Fußpilz leben. Das einzige Symptom ist bei ihnen eher kosmetischer Natur: Die Zehennägel sind gelblich-bräunlich verfärbt. Dennoch sollten Sie einen Fußpilz nach Möglichkeit behandeln lassen, allein schon deshalb, weil sich andere damit infizieren könnten, z.B. im Badezimmer oder im Schwimmbad.

Fußpilz, Ekzeme und vaginale Hefepilzinfektionen können aber auch unangenehm jucken. Dann ist eine Behandlung ohnehin erforderlich. Sehr gut wirken dabei Clotrimazol (Canesten) oder Miconazol Fungur).

Pilzinfektionen, die bereits die Lunge oder andere innere Organe angefallen haben, gehören schnellstens in ärztliche Behandlung – je früher, desto besser sind die Heilungschancen.

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten