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Nagelmykosen: Warum Sie Pilzinfektionen an den Nägeln so früh wie möglich behandeln sollten

von Dr. Ulrich Fricke, Chefredakteur von "Länger und gesünder leben"

Mit diesem Ergebnis hatte niemand gerechnet: In den Jahren 1997 und 1998 wurden im Rahmen einer europaweiten Erhebung in 944 Arztpraxen die Patienten nach dem Zufallsprinzip auf Nagelpilze untersucht. Von den 19.000 erfassten Personen, die wegen völlig unterschiedlicher Beschwerden in die Praxen kamen, wurden bei 70 % erste Hinweise auf eine Pilzinfektion der Nägel festgestellt! Und die wenigsten Patienten wussten davon. Die Erkrankung bleibt oft lange unbemerkt, weil die ersten Beschwerden meist schleichend und relativ spät auftreten. Wenn Sie die Infektion bemerken, sind die Pilze meist schon so tief in den Nagel eingedrungen, dass ihre Bekämpfung schwierig wird. Aus diesem Grund ist bei dieser Krankheit die Vorbeugung besonders wichtig. In diesem Beitrag erfahren Sie, was Sie dabei unbedingt beachten sollten und woran Sie einen Nagelpilz erkennen.

Nagelpilze ernähren sich bevorzugt von verhorntem Gewebe

Nagelpilzinfektionen (Nagelmykosen) können durch verschiedene Erreger verursacht werden. Am häufigsten sind Fadenpilze die Ursache. Sie ernähren sich von der Hornschicht der Haut und befallen daher nicht nur die Nägel, sondern auch andere Hautpartien – beispielsweise beim Fußpilz. Allein der Kontakt mit den Pilzsporen muss bei einem gesunden Menschen mit einem intakten Immunsystem nicht zwangsläufig eine Infektion zur Folge haben.

Eine Nagelinfektion beginnt meist am vorderen oder seitlichen Nagelrand und breitet sich von dort über den gesamten Nagel aus. Das erste Anzeichen einer Nagelmykose ist eine weißliche oder gelbliche Verfärbung des Nagels. Im weiteren Verlauf der Erkrankung wird der Nagel undurchsichtig und oft auch dicker. Die Zehennägel sind viermal häufiger betroffen als die Nägel der Hand.

Schwere Komplikationen sind möglich

Aber Nagelmykosen sind nicht nur ein kosmetisches Problem. Eine unbehandelte Infektion wird mit der Zeit sehr schmerzhaft und führt bei drei Viertel der Betroffenen zu Gehbeschwerden, die den Alltag stark beeinträchtigen können. Eine besondere Gefahr besteht für Diabetiker. Als Nebenwirkung des ständig erhöhten Glukosespiegels im Blut kommt es zu Durchblutungsstörungen, und der Blutstrom hat Schwierigkeiten, bis zu den entlegenen Zehen vorzudringen. Daher kommen auch Nährstoffe und Abwehrzellen nur noch verzögert dort an. Dies schafft ideale Voraussetzungen für Pilze, sich an den Fußnägeln auszubreiten. Unbehandelte Nagelmykosen können sogar zu ernsthaften Komplikationen führen, im Extremfall zu einer Zehenamputation.

Eine Nagelmykose sollten Sie jedoch auch schon deshalb behandeln lassen, weil sie Ihr Immunsystem zu Fehlreaktionen reizen kann. So sind Fälle beschrieben, wonach das allergische Geschehen bei Neurodermitis oder Asthma durch den Pilzbefall ausgelöst wurde. Nach der Pilzbehandlung gingen die Beschwerden wieder zurück.

Die Behandlung kann sehr langwierig sein

Ein Nagelpilz ist extrem hartnäckig; ohne Behandlung bleibt er den Betroffenen ein Leben lang erhalten. Der erste Behandlungsschritt besteht in der Entfernung des infizierten Nagelbereichs. Ist lediglich der vordere Nagelrand befallen, reicht dazu der Einsatz von Nagelschere und Feile. Ist es damit nicht mehr getan, wurde früher oft der ganze Nagel chirurgisch entfernt. Heute kann dieser schmerzhafte Eingriff durch das regelmäßige Auftragen einer harnstoffhaltigen Salbe umgangen werden. Sie weicht den Nagel auf, und mit einer Feile kann dann jeden Tag leicht ein wenig davon abgetragen werden.

So werden Nagelpilze behandelt:

  • operative Entfernung des Nagels
  • hornaufweichende Salben
  • äußere Anwendung von Antimykotika
  • innere Anwendung von Antimykotika

Die Entfernung des erkrankten Nagels erleichtert die nachfolgende Behandlung mit pilztötenden Medikamenten (Antimykotika), die in Form von Salben, Gels oder Lösungen lokal aufgetragen werden. Mittlerweile gibt es auch einen Nagellack, der pilzhemmende Wirkstoffe enthält. Sie können ihn direkt auf die befallenen Nägel auftragen. Diese Methode verspricht allerdings nur bei relativ dünnen Nägeln Erfolg.

Wenn mehrere Nägel befallen sind oder die lokale Behandlung nicht anschlägt, kann Ihr Therapeut auch Antimykotika zum Einnehmen verordnen. Sie sollen den Pilz von innen, über die Blutbahn, bekämpfen. Diese Medikamente sind allerdings nicht frei von Nebenwirkungen (Übelkeit, Schwindel, Magen-Darm-Beschwerden) und müssen zum Teil über Monate hinweg eingenommen werden.

Pflegen Sie Ihre Nägel und beobachten Sie Veränderungen sorgfältig

Damit die Behandlung Erfolg hat, ist nicht nur Ausdauer gefragt. Schuhe und Strümpfe beziehungsweise Handschuhe müssen sozusagen mitbehandelt werden, damit von ihnen keine erneute Infektion ausgehen kann. Eine wirksame Desinfektion von Strümpfen und Handschuhen erreichen Sie durch einfaches Waschen bei 60 °C. Für empfindliches Gewebe und Schuhe gibt es in Apotheken spezielle Desinfektionsmittel zum Einweichen oder Einsprühen. Das ist wesentlich wirkungsvoller, als die Schuhe für einige Zeit in die Tiefkühltruhe zu stecken, was gelegentlich empfohlen wird. Zur Vorbeugung sollten Sie Ihre Hand- und Fußnägel sorgfältig und regelmäßig pflegen. Achten Sie besonders darauf, dass Sie dabei nicht versehentlich das Nagelhäutchen verletzen. Trocknen Sie sich nach dem Baden oder Duschen sehr gründlich zwischen den Zehen ab und benutzen Sie im Schwimmbad bzw. in der Sauna Badeschuhe.

Dennoch können trotz aller Vorsichtsmaßnahmen Infektionen nicht immer vermieden werden. Beobachten Sie daher Ihre Nägel sorgfältig und gehen Sie rechtzeitig zum Arzt, falls Sie erste Spuren einer Infektion entdecken.

Sie haben ein erhöhtes Risiko für Nagelpilze, wenn:

  • Sie oft luftundurchlässige Schuhe (Turnschuhe, Gummistiefel) tragen; sie bieten Pilzen ihr bevorzugtes warmes und feuchtes Milieu;
  • Sie oft enge Schuhe tragen, denn dadurch kann es zu einer Nagelverkrümmung und Schädigung der Nagelstruktur kommen, den idealen Voraussetzungen für eine Infektion;
  • Sie viel Sport treiben. Sportschuhe werden wegen des besseren Haltes oft zu eng gewählt. Außerdem gelten Gemeinschaftsduschen oder Schwimmbäder als mögliche Infektionsquelle. Ein weiterer Grund: Beim Sport treten oft kleinere Nagelverletzungen auf, die den Pilzen als Einfallstor dienen;
  • Sie eine kleine Verletzung des Nagels oder des Nagelhäutchens haben;
  • Sie älter als 50 Jahre sind;
  • Sie an Durchblutungsstörungen leiden und oft kalte Füße haben;
  • Sie Diabetiker sind oder an einer anderen Stoffwechselkrankheit leiden;
  • Sie Fußpilz haben. Ein unbehandelter Fußpilz kann leicht auch die Nägel befallen.

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