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Nagelpilz an Händen und Füßen: Symptome und Behandlung

Früher waren die Nägel gesund und hellrosa, jetzt sind sie aufgrund einer Pilzinfektion verdickt und gelblich. Sie schlagen sich schon seit Jahren damit herum. Werden Sie den Pilz jemals wieder los? In der Vergangenheit waren Pilzinfektionen der Nägel schwierig zu behandeln. Aber jetzt gibt es neue Medikamente, die eine Infektion oft dauerhaft beseitigen können.

Inhaltsverzeichnis:

  1. Zehennagel-Infektionen: Ein häufiges Problem
  2. Ursachen für eine Pilzinfektion
  3. Vorbeugung und Behandlungsmethoden
  4. Fragen & Antworten zum Thema Nagelpilz

Nagelpilz© gabrielejasmin – Fotolia

Zehennagel-Infektionen: Ein häufiges Problem

Zehennägel sind für viele Menschen ein Tabuthema. Sie werden in Socken und Schuhen verborgen gehalten und dürfen nur im Sommer ans Tageslicht. Dann schämt sich der Besitzer häufig, wenn die Nägel gelblich verfärbt und dick verhornt sind.

Gerade Fußnägel sind ein beliebter Aufenthaltsort für Nagelpilze, da die Umgebung einen Pilzbefall fördert. Es ist häufig feucht-warm, zudem tragen viele Menschen Schuhe mit schlechter Belüftung oder leiden unter kleinen, fast unmerkbaren Nagelverletzungen. All dies sorgt dafür, dass sich die Nagelpilze schnell verbreiten und dauerhaft einnisten können. Eine Pilzinfektion der Nägel kann von Zehennägeln auf Fingernägel übertragen werden (und umgekehrt) und auch auf die übrige Haut des Körpers.

Häufig ist ein Pilz die Ursache

Um Ihre Zehennägel haben Sie sich nie große Sorgen gemacht. Doch bei einer Schuhanprobe ist es Ihnen unangenehm, Ihren großen Zeh mit dem verdickten, gelben Zehennagel den Blicken Anderer auszusetzen. Können Sie dagegen etwas tun?

Das kommt ganz darauf an. Ist die Ursache des Problems in engen, schlecht sitzenden Schuhen zu suchen? Gab es an diesem Zeh eine Verletzung? Oder handelt es sich vielleicht um ein Hautproblem, wie zum Beispiel Schuppenflechte (Psoriasis)? Alle diese Möglichkeiten kommen in Frage, jedoch ist eine Pilzinfektion die häufigste Ursache.

Ursachen für eine Pilzinfektion

Der medizinische Ausdruck für eine Nagelpilzerkrankung ist Onychomykose bzw. Nagelmykose. Nagelpilz darf nicht mit Fußpilz verwechselt werden, der in erster Linie die Haut angreift. Es kann jedoch durchaus sein, dass man an beidem gleichzeitig erkrankt ist, da die gleiche Pilzart dafür verantwortlich ist. Pilze benötigen für ihr Wachstum kein Sonnenlicht und entwickeln sich gut in warmer, feuchter Umgebung. So ist es nicht verwunderlich, dass warme Zehen, eingeschlossen in dunklen Schuhen, für Pilze einen idealen Nährboden darstellen. Das ist auch der Grund, warum Pilzinfektionen viel häufiger an Zehennägeln als an Fingernägeln auftreten.

Pilzorganismen dringen über kleinste Verletzungen in die Haut oder über kleine Spalten zwischen Nagel und Nagelbett ein. Zu Anfang werden Sie vielleicht einen gelben oder weißen Fleck unter Ihrer Nagelspitze entdecken. Mit der Zeit kann sich der Nagel verdicken, brüchig werden oder einreißen, sich sogar vom Nagelbett ablösen. Nagelpilzerkrankungen treten häufiger bei älteren Menschen auf. Das hat mehrere Gründe: Schlechtere Durchblutung und verminderte Widerstandsfähigkeit gegen Infektionen aufgrund verschiedener Probleme wie Diabetes, Durchblutungsstörungen oder schwachem Immunsystem. Außerdem wachsen Nägel im Alter langsamer und verdicken sich, sodass sie für mögliche Infektionen anfälliger werden. Weitere Risikofaktoren für Nagelpilzerkrankungen sind starke Schweißbildung an den Füßen, nasse oder feuchte Umgebungen, Schuhwerk mit schlechter Belüftung, Socken, die keinen Schweiß aufnehmen, Barfußgehen in feuchten, öffentlichen Einrichtungen wie Turnhallen oder Schwimmbädern sowie kleinere Haut- oder Nagelverletzungen.

Nagelpilz© Adobe Stock – toscana

Unterschätzen Sie einen Nagelpilz nicht!

Pilzinfektionen der Nägel sind vor allem ein kosmetisches Problem. Manchmal sind sie jedoch auch schmerzhaft. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass sie den Nagel anfälliger für weitere ernstere Nagelerkrankungen machen. Außerdem können sie ein schwerwiegendes Gesundheitsrisiko für Diabetiker und Menschen mit einem geschwächten Immunsystem darstellen.

Eine Infektion beginnt in der Regel mit einem weißen oder gelben Punkt unter der Nagelspitze. Wenn sich der Pilz ausbreitet, kann sich der Nagel verdicken oder krümelig und zerfurcht werden. Eventuell beginnt er sich vom Nagelbett zu lösen. Manchmal färbt sich der infizierte Nagel durch die zusätzliche Bakterienbesiedlung auch grün, gelb, grau, schwarz oder braun und die umgebende Haut juckt, schwillt an oder rötet sich. Es kann ein leichter Geruch auftreten.

Vorbeugung und Behandlungsmethoden

Wenn eine Nagelpilzerkrankung einmal begonnen hat, kann sich ein unbehandelter Pilz dauerhaft einnisten. Sogar mit Behandlung kann eine Nagelpilzerkrankung sehr hartnäckig sein und wiederholter Befall ist nicht auszuschließen. Als erste Maßnahme sollten Sie eine nicht verschreibungspflichtige Antipilzcreme auf den Nagel auftragen, um eine oberflächliche Erkrankung zu bekämpfen. Hausmittel wie Wick Vaporub, Teebaumöl oder Weißweinessig können Sie anfangs ausprobieren. Es gibt jedoch keine ernsthaften Studien für ihre Wirksamkeit.

Wenn der befallene Nagel nicht als störend empfunden wird, entscheiden sich einige Patienten, die Infektion nicht weiter zu behandeln. Stattdessen warten sie ab, achten auf Veränderungen, pflegen den Nagel und halten ihn durch vorsichtiges Feilen dünn. Wird ein verdickter Zehennagel jedoch als unangenehm empfunden oder verursacht er Schmerzen bzw. verdickt er sich weiter, ohne Schmerzen zu verursachen, gehen Sie damit zum Arzt.

Wann besteht ein erhöhtes Nagelpilzrisiko?

  • Wenn Sie oft luftundurchlässige Schuhe (Turnschuhe, Gummistiefel) tragen; sie bieten Pilzen ihr bevorzugtes warmes und feuchtes Milieu.
  • Wenn Sie oft enge Schuhe tragen, denn dadurch kann es zu einer Nagelverkrümmung und Schädigung der Nagelstruktur kommen, den idealen Voraussetzungen für eine Infektion.
  • Wenn Sie viel Sport treiben. Sportschuhe werden wegen des besseren Haltes oft zu eng gewählt. Außerdem gelten Gemeinschaftsduschen oder Schwimmbäder als mögliche Infektionsquelle. Ein weiterer Grund: Beim Sport treten oft kleinere Nagelverletzungen auf, die den Pilzen als Einfallstor dienen.
  • Wenn Sie eine kleine Verletzung des Nagels oder des Nagelhäutchens haben.
  • Wenn Sie älter als 50 Jahre sind.
  • Wenn Sie an Durchblutungsstörungen leiden und oft kalte Füße haben.
  • Wenn Sie Diabetiker sind oder an einer anderen Stoffwechselkrankheit leiden.
  • Wenn Sie Fußpilz haben. Ein unbehandelter Fußpilz kann leicht auch die Nägel befallen.

Lassen Sie dem Nagelpilz keine Chance!

  • Trocknen Sie Füße und Zehen nach dem Baden immer gründlich ab. Für die Zehenzwischenräume eignet sich auch ein Fön zum Trocknen.
  • Wechseln Sie täglich Ihre Strümpfe. Tragen Sie Strümpfe aus synthetischen Fasern. Sie halten die Feuchtigkeit besser von Ihren Füßen ab als Strümpfe aus Baumwolle oder Wolle. Vermeiden Sie enganliegende Strumpfwaren. Tragen Sie Schuhe, die gut passen und aus Materialien sind, die atmen.
  • Ziehen Sie im Schwimmbad Flip-Flops oder wasserfeste Sandalen an. Gehen Sie der Desinfektionsanlage aus dem Weg. Besonders dort ist die Ansteckungsgefahr hoch.
  • Wenn Sie starken Fußschweiß haben, benutzen Sie einen Antipilzpuder (Talk, nicht Maisstärke) oder ein Antipilzspray für Ihre Füße, das Sie auch in Ihre Schuhe sprühen sollten.
  • Schneiden Sie die Nägel gerade ab und nicht zu kurz. Zupfen Sie nicht an Ihren Nägeln oder der umgebenden Haut.
  • Tragen Sie zum Putzen Handschuhe. Infektionen der Fingernägel sind oft das Ergebnis eines zu langen Kontakts mit Wasser und Reinigungsmitteln.
  • Wählen Sie einen anerkannten Fußpflegesalon, der seine Instrumente sterilisiert.

Wenn alle Vorsichtsmaßnahmen nicht gefruchtet habe: Ein Nagelpilz gehört immer in hautärztliche Behandlung.

Fußpflege© Adobe Stock

Behandlungsmöglichkeiten

Um herauszufinden, ob es sich um eine Pilzinfektion handelt, wird Ihr Arzt etwas Nagelmaterial entnehmen und unter dem Mikroskop untersuchen. Sobald eine Pilzinfektion diagnostiziert wurde, kommen verschiedene Behandlungsmethoden in Betracht:

  • orale Antipilzmittel (Antimyotikum) – Meist wird Ihr Arzt Itraconazol (Sporanox®) oder Terbinafin (Lamisil®) verschreiben. Eine weitere Alternative stellt das Medikament Fluconazol (Diflucan ® u. a.) dar. Die Einnahme erfolgt meist über sechs bis zwölf Wochen. Die Medikamente sind jedoch sehr teuer. Ob die Pilzinfektion erfolgreich bekämpft werden konnte, kann jedoch erst nach vollständigem Auswachsen des Nagels festgestellt werden. Das kann bei Fußnägeln bis zu einem Jahr dauern. In 40 bis 90 Prozent der Fälle ist die Behandlung der Pilzinfektion erfolgreich. Das ist eine weite Spanne. Der Erfolg bei den über 60-jährigen Patienten liegt normalerweise zwischen 60 und 64 Prozent. Davon erleiden jedoch 15 bis 20 Prozent einen Rückfall. Die Nebenwirkungen dieser Medikamente sollten Sie auf keinen Fall außer Acht lassen. Denn möglicherweise kann es zu Herzversagen, Leberschäden und Wechselwirkungen mit anderen Mitteln wie einigen Blutverdünnern sowie Cholesterinsenkern kommen.
  • antimykotischer Nagellack – Ciclopirox (Batrafen® u. a.) kann hilfreich sein, wenn es sich um eine Infektion der Nageloberfläche und nicht des Nagelbettes handelt. Der Lack muss täglich über einen Zeitraum von ungefähr einem Jahr aufgetragen werden. Die Heilungsquoten sind jedoch mit etwa 10 Prozent recht gering. Bei schwerwiegenden Problemen wie Schmerzen und Verformung des befallenen Nagels sollten Sie mit Ihrem Arzt darüber sprechen, ob der betroffene Zehennagel nicht dauerhaft entfernt werden sollte.

Fragen & Antworten zum Thema Nagelpilz

Früher war es so, dass bei einem Nagelpilzbefall der Nagel gezogen oder entfernt wurde. Heute wissen wir, dass diese Methode veraltet ist. In der Regel wird solch ein Pilz mit Medikamenten behandelt.

Wann muss zu Tabletten gegriffen werden?

Ob bei einer Nagelpilzentzündung eine äußerliche Behandlung ausreicht oder Tabletten ranmüssen, hängt von der Schwere der Erkrankung ab. Die entscheidende Frage ist, wie tief sitzt der Pilz in der Haut beziehungsweise unter dem Nagel. Als wirksame Medikamente stehen die Wirkstoffe Terbinafin und Itraconazol zur Verfügung. Auch diese Behandlung braucht bei Fingernagelmykosen ein halbes Jahr, bei Befall der Fußnägel ein ganzes Jahr. Die Blutwerte sollten regelmäßig überprüft werden, denn in seltenen Fällen kann es zu Leberversagen kommen. Bei Vorerkrankungen der Leber verbietet sich diese Therapie meistens. Eine Therapiealternative ist der Wirkstoff Fluconazol. In hartnäckigen Fällen werden Nagellack und Arzneien gleichzeitig verabreicht. Gelegentlich muss auch die Nagelplatte aufgelöst werden. Handelt es sich um einen leichten Befall, dann gibt es speziellen Nagellack oder eine Lösung, die Sie auftragen müssen. Diese werden über einen längeren Zeitraum hinweg regelmäßig angewendet und führen dann zum Erfolg. Es muss auch untersucht werden, ob ein innerlicher Pilzbefall vorliegt, der natürlich ebenfalls behandelt werden muss.

Viele Präparate versprechen, die Erkrankung schnell, einfach und unaufwändig zu heilen. Leider aber sind diese Mittel immer nur so gut wie ihr Anwender und viele Menschen verwenden sie eben falsch. Dann dauert es lange, bis der lästige Pilz verschwunden ist. Am besten ist es nämlich, Sie wenden die Mittel abends an, bevor Sie ins Bett gehen. Natürlich könnten Sie sie auch morgens auftragen. Aber alleine der leichte Schweiß in Socken und Schuhen sowie die Reibung, die hier entsteht, sorgen dafür, dass das Medikament zumindest zum Teil wieder abgewischt wird. Die Wirkung ist dann deutlich geringer. Tragen Sie solche Anti-Pilz-Mittel daher immer abends auf. Dann haben sie genügend Zeit, am Nagel zu wirken. Die Gefahr, dass sie zum großen Teil wieder abgewischt werden, ist deutlich geringer. Am nächsten Morgen sind sie so gut durchgetrocknet bzw. eingezogen, dass Sie sogar duschen können, ohne befürchten zu müssen, das Medikament zu entfernen.

Sind Pilzinfektionen ansteckend?

Manche Hautpilzerkrankungen (beispielsweise der Flechtengrind der Kopfhaut) können durch Benutzen gemeinsamer Handtücher oder durch Kontakt mit der infizierten Haut übertragen werden. Die meisten anderen Pilzinfektionen erfolgen über Sporen, die sich in unserer Umgebungs- und Atemluft befinden und denen wir nun mal nicht ausweichen können.

Warum sind Pilzerkrankungen so schwierig zu behandeln?

Pilzzellen sind ähnlich aufgebaut wie unsere menschlichen Zellen. Daher ist es kaum möglich, ein Medikament zu entwickeln, das die Pilzzellen abtötet, ohne unsere eigenen Körperzellen in Mitleidenschaft zu ziehen. Dennoch ist es jetzt gelungen, eine völlig neue Klasse von Medikamenten zu entwickeln (Echinocandine), mit denen gute Erfolge bei Aspergillose und schweren Candida-Infektionen erzielt werden. Dazu gehört der bereits in Deutschland zugelassene Wirkstoff Caspofungin (Handelsname: Cancidas).

Für weitere Medikamente dieser Kategorie ist die Zulassung beantragt: Micafungin (Mycamine) und Anidulafungin (Eraxis). Diese intravenös verabreichten Wirkstoffe verhindern, dass der Pilz eine bestimmte Substanz synthetisieren kann, die er zum Aufbau seiner Zellwände benötigt. Da menschliche Zellen diese Substanz nicht besitzen, werden sie davon auch nicht geschädigt. Daher sind Echinocandine weniger toxisch und verursachen geringere Nebenwirkungen als herkömmliche Pilz-Therapeutika. Pilzinfektionen, die bereits die Lunge oder andere innere Organe angefallen haben, gehören schnellstens in ärztliche Behandlung; je früher, desto besser sind die Heilungschancen.