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Atropin – einst Schönheitsmittel, heute Medizin

Frau Gerda T. hat diese Frage:

Ich habe neulich im Fernsehen „nur am Rande“ mitbekommen, dass die Frauen früher Atropin zu Schönheitszwecken verwendeten, dass es heute in der Medizin benutzt wird. Was ist Atropin und wozu braucht man es?

Liebe Gerda,

Atropin wird aus der Belladonna gewonnen, einer Pflanze, die besser unter dem Namen „Tollkirsche“ bekannt ist. Wahrscheinlich rührt der deutsche Name daher, dass die Menschen, die die schwarzen Beeren verzehren, sich wie verrückt – früher eben „toll“ – verhalten.

Im Barock wurde das Atropin tatsächlich von Frauen benutzt, um die Männerblicke auf sich zu ziehen: Sie träufelten es sich in die Augen. Das führte zu einer Pupillenerweiterung und damit zu einem Schönheitsideal der damaligen Zeit. Große, dunkle Augen waren in dieser Zeit sehr angesagt.

Wir wissen heute, wie Atropin wirkt. Es beeinflusst den Parasymphatikus und hemmt dort das Acetylcholin. Dies ist ein Stoff, der die Nervenerregungen weiter gibt. Noch immer wird es verwendet, um die Pupillen weit zu machen – beim Augenarzt. So kann dieser den Augenhintergrund untersuchen. Darüber hinaus wird es bei Inkontinenz und bei bestimmten Muskelkrämpfen im Magen-Darm-Trakt angewandt.

Allerdings sind Tollkirschen extrem giftig. Die Medikamente sind daher alle verschreibungspflichtig.

Ich wünsche Ihnen alles Gute,

Ihre Dr. Martina Hahn-Hübner

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