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Hirsutismus: Damenbart entfernen

Wenn bei Ihnen der Hirsutismus idiopathisch ist, wenn Sie also die Anlage dazu haben, hängt es von Ihrem Leidensdruck ab, ob Sie Maßnahmen ergreifen sollen und welche für Sie am geeignetsten sind. Sie wissen dann, dass Ihr Zustand zwar störend oder gar be-lastend, aber nicht krankhaft ist. Die nicht-medikamentösen Möglichkeiten, die lästigen Haare (meist kurzfristig) loszuwerden, reichen vom einfachen Rasieren oder Auszupfen über chemische Enthaarungsmittel bis hin zur langdauernd erfolgreichen, aber sehr schmerzhaften Epilation (Verödung der Haarwurzel). Rasieren bringt zwar nur kurzzeitig Erfolg, hat dafür aber die geringsten Nebenwirkungen. Schwere Hautreizungen und Narben können dagegen die Folgen von Enthaarungsmitteln und Epilation sein.

In stärker ausgeprägten Fällen von idiopathischem Hirsutismus wird der Arzt eventuell zu einer Behandlung mit sogenannten Anti-Androgenen (meist Cyproteronacetat) raten. Wahrscheinlich kämpft das Anti-Androgen am Haarbalg quasi mit den Androgenen um den besten Platz am Androgenrezeptor (die Andockungsstelle, an der das Hormon erst wirksam wird). Es verdrängt dort die männlichen Hormone.

Diese Therapie ist nicht ganz unproblematisch. Zum einen müssen Sie damit rechnen, dass viele Monate verstreichen können, bis überhaupt eine Wirkung sichtbar wird (was auch nur in etwa 50 bis 60 % der Fälle geschieht). Außerdem wachsen die Haare meist wieder, wenn die Behandlung beendet wird. Zum anderen lassen sich die Nebenwirkungen nicht wegdiskutieren, allen voran depressive Verstimmungen und Verlust der Libido. Es ist ein nicht unerheblicher Eingriff in die hormonellen Regelkreise, der wohlüberlegt sein will, zumal Frauen mit idiopathischem Hirsutismus ja nicht krank sind.

Beim symptomatischen Hirsutismus mit deutlich erhöhtem Androgenspiegel ist dagegen eine Androgen-Blockade durch diese Substanzen unerlässlich. Ausnahme: Die erhöhte Androgen-Produktion lässt sich auf einen Tumor zurückführen, der operativ entfernt werden kann. Funktionsstörungen der Nebennierenrinde, die auch zu vermehrter Körperbehaarung führen können, sprechen oft auf das Kortikosteroid Dexamethason an. (In diesem Fall kannalso ein Kortikoid die Körperbehaarung vermindern, statt sie zu steigern.) Wurde der vermehrte Haarwuchs durch Medikamente hervorgerufen, sollen diese, wenn irgend möglich, durch andere ersetzt werden.

Suchen Sie eine Gruppe anderer betroffener Frauen?

Bei großem Leidensdruck stellen Selbsterfahrungsgruppen eine große Hilfe dar. Das gilt auch und vielleicht ganz besonders für Frauen mit idiopathischem Hirsutismus, die eigentlich keiner Therapie bedürfen. Im Umgang mit anderen Betroffenen erfahren sie am deutlichsten, wie wenig krankhaft ihre persönliche Haarausprägung ist. Wenn sie sehen, wie gut andere damit zurecht kommen, können sie sich vielleicht besser bewusst machen, dass es ein manchmal durchaus fragwürdiges „weibliches Schönheitsideal” ist, das sie in die kranke Ecke stellt.

Aber es ist geradezu merkwürdig, dass in unserem Land, in dem sich zu fast jeder denkbaren Abweichung gesundheitlicher Art eine Selbsthilfegruppe gründet, für Hirsutismus offiziell keine Gruppe bekannt ist. Das schließt nicht aus, dass sich privat Frauen in der gleichen Lage zusammentun. Sie haben sich möglicherweise über ihren Arzt gefunden oder über eine Anzeige in der Zeitung; oder die örtliche Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen hat ihnen geholfen, selbst eine kleine Gruppe zu bilden – ohne dies einem Dachverband zu melden, der anderen darüber Auskunft gibt. Solche Möglichkeiten der Eigeninitiative stehen Ihnen natürlich auch offen und sind Ihnen bei Leidensdruck zu empfehlen.

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