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Heuschnupfen

Die Sonne scheint, ein laues Lüftchen weht und Sie entscheiden sich für einen schönen, langen Spaziergang. Doch dann läuft Ihre Nase, Ihre Augen brennen: Sie wünschen, Sie wären zu Hause geblieben.

Heuschnupfen ist eine Form allergischer Rhinitis und betrifft nach Angaben des Allergiker- und Asthmatiker-Bundes mehr als 12 Prozent der Bevölkerung. Das sind knapp 10 Millionen Menschen. Innerhalb der letzten 60 Jahre verzehnfachte sich die Zahl der Betroffenen. Doch vielleicht müssen Sie nicht Jahr für Jahr unter den unangenehmen Folgen eines Heuschnupfens leiden: Ein wachsendes Angebot an Medikamenten hilft dabei, die Beschwerden zu lindern oder ihnen vorzubeugen.

Eine Überreaktion des Immunsystems

Die allergische Rhinitis stellt eine Entzündung der Schleimhäute der Nase dar. Heuschnupfen oder „Pollenallergie“ nennt sich die Form, die sich am häufigsten aus dem jahreszeitlich bedingten Kontakt mit Schimmelpilzen, Unkraut-, Gras- und Baumpollen entwickelt. Im Hausstaub enthaltene Hausstaubmilben und andere Milbenarten sowie Tierschuppen lösen unter Umständen eine jahreszeitunabhängige, ganzjährige allergische Rhinitis aus.

Wenn Sie ein Allergen einatmen, veranlassen Antikörper des Immunsystems die Freisetzung chemischer Substanzen in den Schleimhäuten der Augen und Atemwege, darunter auch Histamin. Das Histamin erzeugt die bekannten Symptome des Heuschnupfens: rote, geschwollene und brennende Augen, eine laufende oder verstopfte Nase, einen juckenden Hals, Niesen und Husten. Viele Pollenallergiker reagieren zusätzlich auf ein Nahrungsmittel allergisch, das Stoffe der entsprechenden Blütenpflanze enthält. Aus diesem Grunde sollte man wissen, gegen welche Pflanzen sich die Allergie richtet.

Die richtige Allergiebehandlung

Wenn Sie einen Verdacht auf Heuschnupfen haben, sollten Sie dies mit Ihrem Arzt abklären. Er stellt fest, auf welches Allergen Sie reagieren und informiert Sie über eine Hyposensibilisierung. Der erste Schritt in der Allergiebehandlung liegt in der Vermeidung der allergieauslösenden Substanz. Die meisten Personen mit Heuschnupfen benötigen darüber hinaus Medikamente, die zwar den Heuschnupfen nicht heilen, die Intensität der Symptome aber einschränken.

Beginnen Sie rechtzeitig vor dem Einsetzen der Pollenflugzeit mit der Behandlung, ist die Wirksamkeit am größten. Einige Heuschnupfenpräparate sind rezeptfrei erhältlich. Von einer Selbstmedikation bei Risikogruppen wie Schwangeren, stillenden Frauen, Säuglingen und Kleinkindern ist abzuraten. Andere Personen sollten vor allem am Anfang im Hinblick auf die Nebenwirkungen nicht auf eine ärztliche Beratung verzichten. Im Folgenden finden Sie die üblichen Medikamente.

Wirkt eine Desensibilisierung gegen Heuschnupfen nach?

Eine neuere Studie wies nach, dass eine dreijährige Desensibilisierung gegen eine Pollenallergie bis zu drei Jahre oder länger Linderung bringt. Britische Forscher verglichen über drei Jahre hinweg die jahreszeitlichen Symptome und den antiallergischen Medikamentenverbrauch in zwei Patientengruppen mit Heuschnupfen. Eine Gruppe wurde über drei Jahre hinweg desensibilisiert und die Behandlung im Studienjahr fortgeführt. Die andere Gruppe erhielt ebenfalls drei Jahre lang eine Desensibilisierungsbehandlung, jedoch im Studienjahr keine mehr.

Beide Gruppen wiesen wenige jahreszeitlich bedingte Symptome auf und benötigten wenig andere Medikamente. Zusätzlich waren die Symptome in beiden Gruppen deutlich geringer im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, die niemals eine Desensibilisierungsbehandlung erhalten hatte. Den Ärzten der Mayo Clini dient die Studie als Indiz dafür, eher eine Desensibilisierung vorzunehmen als symptomatisch wirkende Antiallergika zu verschreiben.

Antihistaminika

Diese Medikamente sind teilweise rezeptfrei erhältlich oder verschreibungspflichtig. Sie blockieren die Histaminaktivität, lindern das Niesen, den Fließschnupfen und das Jucken in den Augen und im Rachen. Im Allgemeinen wirken sie nicht bei verstopfter Nase. Die Einnahme erfolgt als Tropfen oder Tabletten. Solange die Gefahr besteht, dass Symptome auftreten können, sollten Sie diese Mittel einnehmen. Die älteren Präparate der sogenannten ersten Generation bringen häufiger Nebenwirkungen wie Schläfrigkeit und Koordinationsstörungen mit sich (z. B. Fenistil®, Avil®, Polaronil®, Tavegil®).

Neuere Antihistaminika der zweiten Generation sind nicht unbedingt wirksamer, verursachen jedoch keine Schläfrigkeit und Koordinationsstörungen mehr. Diese Medikamente wie Astemizol (Hismanal®), Cetirizin (Zyrtec®), Loratidine (Lisino®) oderTerfenadine (Teldane®, Hisfedin®) kosten bis zu zehnmal mehr als die der ersten Generation. Von einigen Antihistaminika der zweiten Generation ist abzuraten, wenn Sie an einer Lebererkrankung oder Herzrhythmusstörungen leiden. Des Weiteren sollten Sie diese meiden, wenn Sie bestimmte Medikamente einnehmen. Dazu zählt unter anderem das Antibiotikum Erythromycin oder Antipilzmittel wie Ketoconazol (Nizoral®) oder Itroconazol (Sempera®, Siros®). Wenn Sie diese zusammen einnehmen, verursachen die Antihistaminika möglicherweise lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen.

Abschwellende Medikamente

Diese Nasentropfen und Sprays sind rezeptfrei erhältlich und werden immer weniger verschrieben. Sie schwellen die Nasenschleimhaut ab und ermöglichen eine freiere Atmung. Abschwellende Medikamente gehören zur Gruppe der Stimulantien (anregenden Mittel). Sie erzeugen unter Umständen Nervosität und Schlaflosigkeit und verschlechtern einen Bluthochdruck. Diese Medikamente können eine Verspannung oder Verkrampfung des Blasenschließmuskels hervorrufen und auf diese Weise bestehende Blasenentleerungsschwierigkeiten vergrößern.

Begrenzen Sie den Gebrauch abschwellender Medikamente auf drei Tage. Bei längerer Verwendung können die Sprays einen Rebound-Effekt auslösen: Wenn Sie damit aufhören, können die Symptome wiederkehren und sich verschlechtern.

Corticosteroide, Cromoglicinsäure, Ipratropium und Augentropfen

Die rezeptpflichtigen Nasensprays mit Corticosteroiden verschreiben die Ärzte häufig, wenn Antihistaminika in Tablettenform nicht wirksam sind oder die Symptome dennoch anhalten. Die Sprays haben nicht dieselben schweren Nebenwirkungen wie Steroidtabletten oder -spritzen. Sie können aber ein Glaukom verschlimmern und Schnupfen, leichtes Brenngefühl, Nasenbluten oder einen unangenehmen Nachgeschmack hervorrufen.

Sprays mit Cromoglicinsäure sind rezeptfrei erhältlich. Sie eignen sich am besten zur Vorbeugung kürzerer Anfälle bei leichter bis mittelschwerer Symptomatik. Jedoch müssen Sie drei bis vier Wochen vor dem üblichen Auftreten der Symptome mit der Anwendung beginnen. Die regelmäßige Einnahme ist wichtig. In den USA ist ein neuer rezeptpflichtiger Nasenspray mit dem Wirkstoff Ipratropium (Atrovent®, Itrop®) hinzugekommen, der gegen die laufende Nase hilft. Freiverkäufliche und rezeptpflichtige Augentropfen lindern das Jucken und Tränen der Augen. Da sie sich nachteilig auf weiche Kontaktlinsen auswirken, sollten Sie diese nicht während der Behandlung tragen.

Neue Antikörper gegen Immunglobuline E

Mit gentechnisch veränderten Antikörpern aus Mäusen wollen Wissenschaftler der Universität Mainz gegen allergische Erkrankungen vorgehen. Dies berichtet die Zeitschrift „Allergie konkret“ in ihrer Herbstausgabe. Bei der Entstehung einer allergischen Reaktion spielt das Überschießen der Immunglobuline E (IgE) eine entscheidende Rolle. Sie lösen die Ausschüttung von Entzündungsbotenstoffen wie Histamin, Leukotriene und Zytokine aus. Die Ärzte spritzen die neuen Antikörper (rhuMAb-E25) unter die Haut. Sie sollen die Immunglobuline E (IgE) abfangen, bevor diese sich an den Mastzellen der Immunabwehr festsetzen und dort ihre Wirkung ausüben. Voraussetzung für eine wirkungsvolle Dosierung ist, dass man vor einer Behandlung der IgE-Spiegel des Allergikers misst.

Gegen akute Beschwerden helfen diese Antikörper nicht. Man muss sie im Falle von Heuschnupfen sechs Wochen vor dem zu erwartenden ersten Allergenkontakt spritzen. Dies geschieht dann ein- bis zweimal im Monat. Ganzjährig betroffene Allergikerinnen und Allergiker erhalten regelmäßig über das Jahr alle zwei bis vier Wochen E25. Geprüft sind diese Antikörper bei allergischer Rhinitis und allergischem Asthma. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Antikörper auf Grund ihres Wirkprinzips allen IgE-vermittelten Allergieformen begegnen. Die Nebenwirkungen beschränken sich auf leichte Hautrötungen an der Injektionsstelle.

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