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Was Ihnen bei Haarausfall wirklich hilft

von Dr. Dietmar Kowertz, Chefredakteur von „Benefit“

Es gibt viele Mittel gegen Haarausfall. Die meisten versprechen mehr, als sie halten. In Zeitungen und auch per E-Mail wird mit rezeptfreien Wundermitteln geworben, die angeblich zu 100 Prozent eine dichte Haarfülle hervorzaubern. Gut getrickste Vorher- Nachher-Bilder locken zum Kauf. Lassen Sie die Finger von diesen Mitteln, sie belasten nur ihr Portmonee. Leider gibt es auch bei seriösen Medikamenten keine Garantie einer hundertprozentigen Wirksamkeit. Abfinden müssen Sie sich aber mit dem Haarausfall nicht. Denn Haarausfall kann unterschiedliche Ursachen haben, die Sie mit Ihrem Hautarzt klären müssen. Bevor Sie also zu einem Präparat greifen, sollten Sie mit Ihrem Dermatologen sprechen oder eine Haarsprechstunde in einer Klinik aufsuchen. Ein täglicher Ausfall von rund 100 Haaren ist normal – das kann mal mehr, mal weniger sein. Wenn die Haare jedoch gleichmäßig verteilt verstärkt ausgehen und der Schopf lichter wird, können Medikamente, Hormone, ernsthafte Erkrankungen oder ernährungsbedingte Mangelerscheinungen schuld sein. Experten schätzen, dass etwa jeder dritte Mann und jede zehnte Frau von einem stärkeren Verlust betroffen sind.

Der hormonell bedingte Haarausfall (androgenetische Alopezie) ist bei Männern mit 95 Prozent die häufigste Form. Eine erblich bedingte Empfindlichkeit gegen das männliche Geschlechtshormon Testosteron ist für den Haarverlust verantwortlich. Zunächst entstehen an der Stirn die so genannten Geheimratsecken, später lichtet sich das Haar am Hinterkopf. Auch Frauen produzieren Testosteron. Erblicher Haarausfall betrifft sie nur selten, bei ihnen dünnt das Haar entlang dem Scheitel aus; das beginnt häufig erst in den Wechseljahren.

Der kreisrunde (Alopezia areata) Haarausfall ist bei Männern die zweithäufigste Form. Es bilden sich plötzlich an mehreren Stellen des Kopfes kreisrunde, kahle Flecke. Die Haare können aber auch komplett ausfallen. Bis heute ist die Ursache dafür ungeklärt. Eine medikamentöse Behandlung führt leider nur selten zum Erfolg. Man vermutet, dass das körpereigene Immunsystem sich gegen die eigenen Haarwurzeln richtet. Durchblutungsfördernde Haartinkturen sollen durch eine Reizung der Kopfhaut das Wachstum wieder anregen.

Bei kreisrundem Haarausfall kann Zwiebelextrakt eine haarwuchsfördernde Wirkung haben. Das jedenfalls fand eine irakische Studie heraus. Eine Gruppe von 38 Personen testete die Wirksamkeit von rotem Zwiebelsaft, der direkt auf die betroffenen Stellen aufgetragen wird. Die Gruppe wurde geteilt: Die eine Hälfte trug zweimal täglich Zwiebelsaft auf die erkrankten Hautpartien, die andere Hälfte tat das Gleiche mit Leitungswasser. Bei der „Zwiebelgruppe“ spross nach zwei Wochen erstmals das Haar. Nach sechs Wochen wuchsen bereits bei 20 Probanden die Haare. Männern (93,7 Prozent) scheint eine solche Reiztherapie mehr Erfolg zu bescheren als Frauen (71,4 Prozent). Bei kreisrundem Haarausfall scheint der Zwiebelsaft bei einigen Männern tatsächlich zu wirken, bei einer hormonell bedingten schwindenden Haarpracht gibt es jedoch keine Hoffnung. Da ist auch der Zwiebelsaft machtlos.

Wenn das Haar insgesamt ausdünnt, können viele Ursachen dafür verantwortlich sein – beispielsweise Stress, Mangelerscheinungen durch Fastenkuren oder Fehlernährung, Medikamente, Hormonumstellungen, Infektionen und Schilddrüsenfunktionsstörungen. Bei Frauen ist häufig Eisenmangel die Ursache für Haarausfall. Aufschluss darüber gibt eine Blutanalyse. Wer sich möglichst lange über gesundes und schönes Haar freuen will, sollte in erster Linie die Bildung von Säuren, Giften und Schadstoffen reduzieren und möglichst auf den Genuss von zu viel Fleisch, Süßwaren, Kaffee, Alkohol und Zigaretten verzichten. Denn die Voraussetzungen für gesundes Haar sind neben einer intakten Kopfhaut die richtige Haarpflege sowie eine gesunde Ernährung.

Das bekommen Sie rezeptfrei in der Apotheke:

In der Tinktur Ell-Cranell Alpha ist der Wirkstoff 17 Alpha-Estradiol enthalten. Sie kann von Männern und Frauen bei hormonell bedingtem Haarausfall genutzt werden. Das enthaltene Östrogen verhindert die Umwandlung des Testosterons in seine aktive Form, das Dihydrotesteron. Eine einmalige Anwendung pro Tag reicht aus. In Studien des Herstellers zeigte sich bei rund 80 Prozent der Probanden ein Therapieerfolg. Bei der einen Hälfte wurde das Fortschreiten des Haarausfalls aufgehalten, bei der anderen verdickte sich die Haarstruktur. Der Erfolg war bei weiblichen Patienten nach vier Monaten, bei männlichen nach acht Monaten feststellbar. 100 ml kosten etwa 16,69 Euro. Diese Menge reicht für etwa sechs bis acht Wochen.

Empfehlenswert ist zudem eine mehrwöchige Kur mit Kieselerde (Silicea; Reformhaus, 200 ml ca. 10 €). Mehr zum Thema lesen Sie auch hier:

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