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Haarausfall: Die Natur hilft Ihnen, Ebbe auf dem Schopf zu vermeiden

von Sylvia Schneider, Chefredakteurin von „Gesundheit für Frauen“

Schönes und volles Haar spielt für die meisten Frauen eine große Rolle. Denn es spiegelt Gesundheit und Attraktivität wider. Wenn die Haare ausfallen, ist die Panik groß. Die Kopfhaut von Frauen – zuständig für den Nachwuchs der Haare – reagiert besonders sensibel auf Schwangerschaften, Hormonschwankungen, Diäten, Vitaminmangel und bestimmte Medikamente.

Wenn es das Licht der Welt erblickt, hat das einzelne Haar sein Leben genau genommen schon hinter sich. Es ist – zumindest biologisch gesehen – tote Materie. Etwa zwei Millionen Haare wachsen über den ganzen Körper verteilt. Jedes der Kopfhaare wächst bei einem gesunden Menschen mit einer Geschwindigkeit von rund einem Zentimeter im Monat. Dies ist den haarbildenden Zellen zu verdanken. Sie teilen sich schneller als andere Zellen im Körper, da im Bereich der Haarwurzeln ein außerordentlich angeregter Stoffwechsel herrscht. Das einzelne Haar wächst in bestimmten Schüben. Die Länge der Wachstumszyklen richtet sich danach, wo am Körper das Haar sitzt. Das Kopfhaar wächst im Allgemeinen etwas langsamer als etwa das unter den Achseln, als die Wimpern oder die Augenbrauen. Der Lebenslauf des Haares besteht aus drei unterschiedlichen Phasen:

  1. der Wachstumsphase – sie dauert etwa zwei bis sechs Jahre,
  2. der Übergangsphase – sie braucht etwa zwei Wochen,
  3. der Ruhephase – sie liegt zwischen zwei und vier Monaten.

Je nach Alter des Menschen verändert das Haar seine Verteilung auf dem Körper, die Anzahl und die Färbung. Das liegt unter anderem an der Vererbung, den Sexualhormonen, den allgemeinen Alterserscheinungen und einer ganzen Reihe äußerer Einflüsse. Im fortgeschrittenen Alter wird das Haar nicht mehr so lang und auch nicht mehr so dick wie in jungen Jahren. Nach außen hin wirkt es dann so, als werde das Haar weniger.

Rund zwei Drittel aller Frauen klagen über Haarausfall

Täglich fallen uns 70 bis 100 Haare aus, das ist völlig normal. Im Frühjahr und im Herbst sind es mehr als im Sommer und im Winter. Hält die „Mauser“ jedoch über längere Zeit an und gehen die Haare gar büschelweise aus, dann handelt es sich um echten Haarausfall, medizinisch Alopezie. Wesentlich mehr Frauen, als man denkt, leiden unter Haarausfall. Experten sprechen von 60 Prozent zwischen 35 und 60 Jahren. Meist macht sich das Leiden zunächst vorne am Kopf bemerkbar. Hier können nur Experten helfen. In der überwiegenden Zahl der Fälle liegt eine besondere Empfindlichkeit gegenüber dem männlichen Hormon Testosteron vor, das in geringen Mengen auch in den Adern von Frauen kreist. Das Hormon sammelt sich als Dehydrotestosteron (DHT) in den Haarwurzeln. Ein bestimmtes Enzym verdickt die Bindegewebsfasern in der Kopfhaut. Die Haarwurzel wird so von der Blut- und Nährstoffversorgung abgeschnitten, die Wachstumsphase verkürzt sich, die Wurzel schrumpft – das Haar fällt aus.

Am zweithäufigsten ist der kreisrunde Haarausfall – Alopezia areata

Davon sind mehr Frauen als Männer betroffen. Hier liegt eine Fehlsteuerung des Immunsystems vor, bei der die Haarwurzeln von den körpereigenen Abwehrzellen als Fremdkörper bekämpft werden. Dadurch entstehen kreisrunde kahle Stellen auf dem Kopf. Wenn die Haarwurzeln gesund sind, lässt sich der Haarausfall in der Regel je nach Ursache schulmedizinisch so behandeln:

  • Es können beispielsweise Östrogentinkturen (Ell-Cranell alpha, Pantosin) in die Kopfhaut einmassiert werden. Sie müssen jeden Tag angewendet werden und wirken bei der Hälfte der betroffenen Frauen. Nebenwirkungen können eine Vergrößerung der Brust und eine Verringerung der Libido sein.
  • Der Wirkstoff Minoxidil, der sich bei der Behandlung von Bluthochdruck bewährt hat, beeinflusst die Verhärtung der Bindegewebsfasern in der Kopfhaut. Das Mittel wirkt nicht bei allen Frauen und nur für die Zeit der Anwendung. Es muss zweimal täglich in die Kopfhaut einmassiert werden. Mögliche Nebenwirkungen sind Haarwuchs im Gesicht und Blutdruckabfall.
  • Eine Verhütungspille mit Antiandrogenen (zum Beispiel Diane, Valette, Neo-Eunomin) soll den Einfluss der männlichen Hormone im weiblichen Körper behindern, der eine häufige Ursache für Haarausfall bei Frauen ist. Wie wir von Hormonpräparaten wie der Pille wissen, ist diese Therapie bekanntermaßen nicht frei von Nebenwirkungen und die Wirkung meist auf die Zeit der Behandlung beschränkt.

Wirkungsvolle Hilfen aus der Natur

Wirkungsvoll sind allerdings auch die vielfältigen Heilansätze der Naturmedizin. Sie sollten deshalb einen Hautarzt, der sich damit gut auskennt, oder einen Heilpraktiker aufsuchen. Pflanzenwirkstoffe aus Apotheke und Reformhaus, die Ihnen helfen können:

  • Eine Tinktur aus der Sägezahnpalme bremst das Enzym, das Testosteron zu DHT umwandelt.
  • Shampoo und Haartinktur mit Thymusdrüsenextrakt stärken das Immunsystem über die Kopfhaut und sollen den Haarausfall erfolgreich stoppen. Sie werden zusammen mit B-Vitaminen, Vitamin E und F als Haarkur angeboten.
  • Eine Tinktur aus Mäusedorn stärkt die Haarwurzel und damit das Haarwachstum.
  • Die hormonähnlichen Substanzen der Sojabohne sollen ebenfalls die DHT-Bildung bremsen.

Auch der Extrakt aus der Traubensilberkerze soll nach neuesten Untersuchungen den Haarausfall zum Stillstand bringen. Forscher der Universität Bochum konnten belegen, dass sich die Anzahl der Haare erhöht und die Dicke der Haare zunimmt. Sie schreiben das der östrogenähnlichen Wirkung der Pflanze zu. Die Einnahme von Kieselsäure als Kur hat sich ebenfalls sehr bewährt. Eine ganz wichtige Rolle in der Vorbeugung und Behandlung von Haarausfall spielt eine ausgewogene Ernährung: Sie brauchen vor allem Folsäure, die in grünen Blattsalaten, Weizenkeimen, Rosenkohl und Bierhefe steckt, Zink aus Vollkornprodukten, Fleisch, Eiern, Haferflocken und Käse sowie Biotin aus Hefe, Milch und Hülsenfrüchten. Hirse fördert wegen ihres hohen Gehalts an Kieselsäure die Haargesundheit. Die Frauenärztin und Naturheilkundlerin Dr. Elke Tuschen-Bürger empfiehlt zudem eine Fastenkur oder eine Cholon-Hydrotherapie, um den Körper zu entgiften. Auch eine Ausleitungskur mit homöopathischen Mitteln kann hilfreich sein. Frauen, die unter starkem Stress stehen, der als Ursache in Frage kommt, sollten versuchen, den Druck zu verringern sowie gezielt mit Massagen und Entspannungsübungen zur Ruhe zu kommen.

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