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Cellulite: So gewinnen Sie allen Unkenrufen zum Trotz den Kampf gegen Dellen und Wellen

von Sylvia Schneider

Straff ohne Stress – das versprechen Ihnen immer mal wieder die meisten Frauenzeitschriften, die Entwickler neuer Anti-Cellulite-Methoden sowie die Hersteller umsatzträchtiger Produkte gegen die „Beulenpest“ an Bauch, Beinen und Po. Wir alle wissen, dass es keine Wundermittel gegen Cellulite gibt. Dennoch erreichen mich immer wieder Hilferufe von Leserinnen: „Was kann ich denn noch tun? Ich möchte mich wirklich nicht damit abfinden!“ Hier meine Antworten auf Ihre wichtigsten Fragen.

Wie entsteht Cellulite? Hinter der Cellulite verbirgt sich keine Krankheit, sondern vergrößerte Fettzellen, die sich durch die Bindehaut abzeichnen. Ober- und Lederhaut sind bei Frauen dünner, das Bindegewebe flexibler, die Fettschicht und auch die einzelnen Fettzellen sind dicker als bei Männern. Die feinen Gewebestränge aus Kollagen und Elastin verlaufen nahezu parallel, sie sind deshalb elastisch, so dass sich die dazwischen liegenden Fettzellen ungehindert ausdehnen können. Die aufgeblähten Zellen behindern die Durchblutung und den Lymphfluss. Die Kollagenfasern, die die Haut straff halten, verhärten. Sie bilden ein Netz, aus dem die Fettzellen an manchen Stellen hervortreten. Hormonschwankungen, Übergewicht, fettreiche Ernährung und Bewegungsmangel begünstigen dies. Was Ihnen lästig erscheint, ist von der Natur jedoch klug angelegt: Dieses weibliche Fettgewebe sichert die stillen Reserven für Schwangerschaft und Stillzeit.

Wieso haben Männer keine Cellulite? Bei Männern verlaufen die Kollagenfasern netzartig. Sie machen deren Gewebe reißfest und bieten der Cellulite damit keine Angriffsfläche.

Welcher Werbung für Anti-Cellulite-Mittel kann man überhaupt trauen? Keiner. Bleiben Sie skeptisch. Kein Mittel hält, was die Werbung verspricht. Selbst nach wochenlanger Behandlung bleibt die Cellulite sehr wahrscheinlich Ihre treue Begleiterin. Mit der Cellulite und dem Wunsch von Frauen, sie loszuwerden, wird ein großer Reibach gemacht. Denn eines ist allen Anti-Cellulite-Mitteln gemeinsam: Sie sind teuer. Auf einen wirkungsvollen Angriff auf die Fettzellen und ein stärker werdendes Bindegewebe warten Sie jedoch vergebens.

Diese Methoden sind derzeitig im Angebot und wirken nicht:

  • Wellbox. Mit einem Vakuummassagegerät und verschiedenen Aufsätzen soll die cellulitegeplagte Haut dreimal pro Woche behandelt werden. Durch das Rollen und Kneten sollen Lymphkreislauf, Durchblutung und Fettstoffwechsel stimuliert werden. Kollagen- und Elastinbildung werden angeheizt, verspricht der Hersteller.
  • Vaculifter. Das Massagegerät arbeitet mit einer Unterdruckmassage, die das Bindegewebe stimulieren und die Durchblutung verbessern soll. Das ähnelt einer Lymphdrainage, die jedoch wesentlich wirkungsvoller ist.
  • Photodynamische Therapie. Ein lichtempfindlicher Wirkstoff wird in das Unterhautfettgewebe gespritzt und mit Laser aktiviert. Dieser Vorgang, der aus der Hautkrebsbehandlung stammt, soll die Fettzellen zerstören. Das Verfahren ist bei Cellulite nicht erprobt und gilt als höchst riskant.
  • Saugpumpe. Das Gerät arbeitet mit zwei Rollen – die erste hebt die Haut an, die zweite massiert sie. Dadurch sollen überschüssiges Wasser und Fett aus den Fettzellen transportiert und das Bindegewebe gestärkt werden.
  • Body-Wraps. Mit straffen Bandagen, die das Bindegewebe zusammenschnüren, soll der Cellulite der Garaus gemacht werden. Wirkstoffe wie Heilerde, Vulkanschlamm, Meereskonzentrate, Algen und ähnliche Substanzen sollen „Schlackenstoffe“ aus dem Gewebe schleusen.
  • Hypoxi-Training. Der Trainer besteht aus einer Unterduckkammer mit integriertem Trimmrad. Ihr Unterkörper steckt in einer Art luftdichter Manschette. Eine Art Bordcomputer gibt eine Art Intervalltraining für das Radeln vor. Der wechselnde Druck ist als Sog zu spüren.
  • Fettweg-Spritze. Dahinter verbirgt sich eine Injektion mit so genannten Phospholipiden, die auch zur Senkung des Cholesterinspiegels eingesetzt werden. Sie soll die Fettzellen zum Verschwinden bringen.
  • Anti-Cellulite-Pillen. Im Internet werden diverse dubiose Präparate gehandelt, die mit Kräutern, Aminosäuren und Antioxidanzien die Cellulite wegbringen wollen.
  • Anti-Cellulite-Strumpfhose. Eine Strumpfhose mit dem „Anti-Cellulite-Wirkstoff Koffein“ will den Wirkstoff beim Gehen zu den Fettzellen hinmassieren, damit er dort eine fettlösende Wirkung entfalten kann.

Was ist von Cremes & Co. Zu halten, mit denen Cellulite wegmassiert werden soll? Es gibt kaum eine Kosmetikfirma, die keine Anti-Cellulite-Wunderwaffe in ihrem Programm anpreist. Die Cellulite besiegen können aber auch sie nicht. Mit einer Creme oder einem Gel kommen Sie den Fettzellen nicht bei. Einen positiven Effekt von Cremes, Gels und Seren gibt es jedoch: Wenn diese Pflegeprodukte konsequent einmassiert werden, wirkt die Haut sichtbar gepflegter und besser durchblutet. Doch das erreichen auch billigere Mittel wie normale Bodylotions, Wechselduschen oder der gute alte Massagehandschuh (mit kreisenden Bewegungen immer zum Herzen hin bürsten). Auch „straffende“ Körperlotionen halten nicht, was sie versprechen. Dennoch sind Bürsten, Zupfen und Massieren immer noch besser, als gar nichts zu tun.

Weitere Fragen und Antworten rund um das Thema Cellulite lesen Sie in der nächsten Woche.

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