MenüMenü

Anhaltender Juckreiz: Wenn Sie sich unentwegt kratzen müssen

Es scheint so einfach zu sein: Wenn es juckt, kratzen Sie sich. Doch ein Juckreiz kann Hunderte verschiedener Ursachen haben, und: Wie wir den Juckreiz wahrnehmen, ist sehr komplex und noch nicht vollständig untersucht. Trotz der Komplexität gibt es wirksame Behandlungen für die meisten Formen schweren oder chronischen Juckreizes – ein Problem, das quälend und ärgerlich sein kann, möglicherweise zu Schlaflosigkeit, Angstzuständen, Depression und einem Verlust an Lebensqualität führt.

Was sich hinter dem Jucken verbergen kann

Seit langem ist bekannt, dass Juckreiz durch eine Reihe von Faktoren ausgelöst werden kann, darunter:

  • Hautkrankheiten – Einige Störungen wie Schuppenflechte (Psoriasis), Entzündungen der Haut (Dermatitis) oder Nesselsucht (Urticaria), können eine sichtbare Hautreizung hervorrufen. Andere Probleme wie Hauttrockenheit zeigen häufig keine sichtbare Reizung, obwohl man bei genauer Betrachtung eine Schuppenbildung sehen kann. Hauttrockenheit kommt häufig bei älteren Menschen und während der Wintermonate vor.
  • Innere Krankheiten – Dazu gehören Lebererkrankungen, Nierenversagen, Eisenmangelanämie, Schilddrüsenprobleme und Krebsformen wie Leukämie und Lymphome.
  • Infektionskrankheiten – Krätzmilben und Läuse können für Juckreiz verantwortlich sein, der sehr stark ist.
  • Irritationen und allergische Reaktionen – Wenn Stoffe wie Wolle mit der Haut in Kontakt kommen, kann die Haut gereizt werden. Auch Substanzen in Kosmetika können allergische Hautreaktionen hervorrufen.
  • Wirkstoffe – Allergien gegen Lebensmittel oder zahlreiche medizinische Wirkstoffe, einschließlich Antibiotika, Antipilzmittel oder Schmerzmedikamente, können Juckreiz verursachen.

Das hilft Ihnen bei Juckreiz

Da die verschiedenen Juckreizformen unterschiedliche Behandlungen erfordern, steht eine exakte Diagnose der Ursache am Anfang. Sobald diese identifiziert ist, können folgende Therapien in Betracht gezogen werden:

  • Medikamente – Dazu gehören orale Antihistaminika gegen Allergien und Kortisoncremes gegen Juckreiz durch Hautentzündungen.
  • Feuchte Anwendungen – Das bedeutet, dass die betroffene Stelle erst mit dem Medikament eingecremt und dann mit einem feuchten Baumwollverband bedeckt wird, der zuvor in Wasser oder einer anderen Lösung eingelegt war. Die Feuchtigkeit in den Umschlägen hilft der Haut, die Wirkstoffe in der Creme aufzunehmen. Die feuchten Anwendungen können im Krankenhaus oder zuhause eingesetzt werden.
  • Behandlung der zu Grunde liegenden Krankheit – Wenn eine innere Erkrankung als Ursache ausgemacht ist, – ob Niereninsuffizienz, Eisenmangel, Schilddrüsenprobleme oder eine von zahlreichen anderen Störungen – , lässt die Behandlung dieser Krankheit auch den Juckreiz verschwinden. Jedoch können zusätzlich andere Methoden zur Linderung des Juckreizes notwendig sein.
  • Phototherapie – Dieses Verfahren muss in einer Arztpraxis oder einem Behandlungszentrum durchgeführt werden, und verwendet ultraviolettes Licht zur Bestrahlung der betroffenen Hautpartien. Insgesamt werden 3 bis 5 Sitzungen pro Woche über einige Wochen oder Monate empfohlen, bis der Juckreiz unter Kontrolle ist.

Obwohl viele Formen des Juckreizes gut auf eine Behandlung ansprechen, kommt es nicht immer sofort zur Linderung. Es gibt jedoch eine Reihe von Cremes und Ölen, die speziell für die Linderung des Juckens entwickelt wurden. Dazu gehört die kurzzeitige Anwendung von topischen Betäubungsmitteln wie Lidocain oder Benzocain, sowie Öle und Lotionen mit Menthol, Kampher oder Calamin. Capsaicin, ein öliges Extrakt aus Chilischoten, kann ein wirksames Gegenmittel sein. Da es manchmal stechende und brennende Empfindungen auslöst, kann Ihr Arzt empfehlen, dass Sie zuerst ein topisches Betäubungsmittel auftragen. Beachten Sie, dass der Juckreiz mit Hilfe dieser Produkte zwar vielleicht sofort verschwindet, aber die zu Grunde liegende Erkrankung damit noch nicht geheilt ist. Für eine langfristig erfolgreiche Behandlung des Juckens muss aber unbedingt die Ursache gefunden und therapiert werden.

Neue Mittel für Härtefälle

Für hartnäckige Fälle gibt es mittlerweile neue Strategien, darunter:

  • Naltrexon (Nemexin) – Dieser Opiatrezeptorblocker kann besonders wirksam sein, wenn der Juckreiz in Verbindung mit verstopften Gallengängen der Leber auftritt.
  • Mirtazapin (Remergil u. a.) – Dieses Antidepressivum kann bei vielen Ursachen des Juckreizes wirksam sein. Das Medikament kann Schläfrigkeit hervorrufen und sollte deshalb nur vor dem Zubettgehen eingenommen werden.
  • Thalidomid – Obwohl eine strenge Überwachung der Einnahme geboten ist, da dieser Wirkstoff gefährliche Nebenwirkungen aufweisen kann (z. B. Geburtsfehler), kann die Substanz manchmal Juckreiz beenden, der durch Hautentzündungen wie Ekzeme, Psoriasis und Prurigo Nodularis hervorgerufen wurde. Thalidomid ist in Deutschland nicht zugelassen.
  • Serotoninrezeptorblocker – Der Wirkstoff Ondansetron (Zofran u. a.) kann besonders gut gegen Juckreiz wirken, wenn dieser im Zusammenhang mit Schmerzmitteln auftritt.

Längeres Jucken und Kratzen kann den Juckreiz auf Dauer verstärken, sodass möglicherweise ein Lichen simplex chronicus entsteht. Das ist ein Zustand, bei dem die Haut dick und ledrig wird, was die Behandlung häufig erschwert. Indem Sie frühzeitig medizinische Hilfe für Ihr schweres oder dauerhaftes Jucken suchen, können Sie vermeiden, dass Behandlungsprobleme auftreten und sich ernstere Krankheiten daraus entwickeln.

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten