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Akne: Die neue Plage der Frauen

Ärger im Beruf, private Belastungen und Umweltgifte gehen unter die Haut. Immer mehr Frauen leiden unter Akne, obwohl sie längst auf die Wechseljahre zugehen. Wir sagen Ihnen, wie die Krankheit entsteht und was Sie dagegen unternehmen können.

Ausgerechnet in einer Zeit, in der gutes Aussehen immer wichtiger wird, verlagert sich ein Pubertätsleiden bis weit ins Erwachsenenalter hinein: Pickelterror, bis sich die ersten Fältchen um die Augen zeigen. Und leider trifft es wieder einmal vor allem das weibliche Geschlecht: Frauen leiden viermal öfter unter unreiner Haut als Männer. Ganz besonders, wenn sie berufstätig sind und durch die Doppel- oder Dreifachbelastung unter Druck stehen. Sogar Aknepatientinnen über 50 Jahre sind längst keine Seltenheit mehr.

Ursache für die Zunahme der Akne im Erwachsenenalter ist Stress. Er setzt im Körper eine Kaskade jener Hormone frei, die als Feinde des glatten Teints gelten: Adrenalin, Kortison und das männliche Geschlechtshormon Testosteron. Ein Überschuss an Testosteron bringt die weiblichen Zyklushormone aus der Balance, und so treten Hautunreinheiten bei Frauen bevorzugt auch zyklusabhängig auf.

Vor den Wechseljahren kommt es bei den Betroffenen meist in der zweiten Zyklushälfte zu einem Pickelschub. Weitere Stressfaktoren für die Haut sind Umweltgifte, zu viele oder falsche Kosmetika, allen voran zu fette Gesichtscremes und ständig neue Creme-Pröbchen.

Die Pickelplage hat vier Ursachen

1. Erbliche Veranlagung. Je mehr Familienmitglieder mit unreiner Haut zu kämpfen haben, umso größer das Risiko, dass es auch Sie trifft. Größe und Aktivität der Talgdrüsen werden durch unser genetisches Erbe mitbestimmt. 2. Talgüberproduktion. Manche Talgdrüsen reagieren auf die auch im weiblichen Körper vorhandenen männlichen Hormone besonders, indem sie übermäßig viel Talg bilden. 3. Verhornungsstörung.

Bei diesem Phänomen werden zu viele Zellen an die Hautoberfläche geschickt. Schüppchen, die eigentlich mit dem Talg aus den Hautporen abfließen müssten, verstopfen den Ausgang der feinen Drüsen und stauen sich. 4. Bakterienwachstum. Im aufgestauten Talg haben Bakterien ein leichtes Spiel. Es entstehen die typischen Entzündungen.

Eigeninitiative ist bei Akne nicht unbedingt ratsam

Da die geröteten Hautstellen meistens spannen und schmerzen, ist die Selbstbehandlung – sprich das Ausdrücken und „Herumfummeln“ – nahe liegend. Doch das unsachgemäße Manipulieren zerstört die Drüsenwände und sorgt dafür, dass die Bakterien sich im Gewebe ausbreiten. Nach dem Ausheilen bilden sich Krater, Narben und Wülste.

Die Angst vor dieser Berg- und Tallandschaft ist der häufigste Grund, warum Frauen den Weg zum Arzt einschlagen. Und das ist auch gut so, denn man kann die Akne heute wirksam behandeln. Es gibt aber auch eine einfache Faustregel:

Zählen Sie Ihre Pusteln. Ab 20 pro Gesichtshälfte ist eine medizinische Behandlung angeraten. Vor allem: Gehen Sie zum Arzt, bevor sich die ersten Narben einstellen. Die besten Ansprechpartner finden Sie in den dermatologischen Abteilungen von Krankenhäusern und Unikliniken. Dort wird auch mit gut ausgebildeten Kosmetikerinnen zusammengearbeitet, die milde Formen von Akne nach einem vorangegangenen Arztbesuch allein weiterversorgen können.

Wenn Sie keine solche Klinik in der Nähe haben beziehungsweise Ihre Krankenkasse die Kosten nicht übernimmt, sehen Sie sich nach einer spezialisierten Hautarztpraxis in Ihrer Nähe um.

Akne ist stets gut behandelbar

Die gute Nachricht: Heute muss sich niemand mit den Pickeln abfinden. Akne ist zwar nicht heil-, aber in jedem Alter sehr gut behandelbar. Die Behandlung erfordert allerdings sehr viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung. Obwohl mehrere Faktoren zusammenkommen müssen, klingen die Hauterscheinungen meist schon ab, wenn einem der Auslöser konsequent zu Leibe gerückt wird.

Ursachen für Akne bei Frauen

Bei erwachsenen Aknepatientinnen ist das meistens die stressbedingte Überproduktion von Talg. Natürlich wäre es das Beste, den Stress abzubauen. Doch das ist mühsam, langwierig und für die meisten Frauen schlicht unrealistisch.

Eine andere Möglichkeit, die schneller wirken kann, sind Pillen, die verhüten und gleichzeitig die Talgdrüsen gegen den Einfluss der männlichen Hormone schützen. Aber sie gehören nicht zu den Präparaten, die älteren Frauen empfohlen werden und die wegen ihrer Nebenwirkungen ohnehin nur ganz gezielt eingesetzt werden sollten. Regelmäßige Kontrollen durch den Haut- und den Frauenarzt sind ein absolutes Muss.

Ein weiterer Wermutstropfen: Nach dem Absetzen der Pille stellen sich oft auch die Pickel wieder ein.

Es kann aber auch passieren, dass eine Frau nach dem Absetzen einer üblichen Verhütungspille Pickel bekommt. Bei entsprechender Veranlagung löst die Hormonverschiebung dann einen Akneschub aus. Und auch während der Einnahme eines Hormonpräparats – sei es Pille oder Wechseljahrshormon – kann sich eine Akne verschlimmern, weil der Hormonbestandteil Gestagen über eine so genannte androgene Restwirkung verfügt. Es wirkt ähnlich wie die männlichen Geschlechtshormone.

Liegt der Akne hauptsächlich eine Verhornungsstörung zu Grunde, zielt die Therapie auf die verstopften Poren. Hier hat sich seit einigen Jahren eine mehrwöchige Schälkur bewährt: mit einer Salbe aus Vitamin-A-Säure (Tretinoin) oder dem etwas sanfteren Wirkstoff Benzoylperoxid, der das Entstehen der Hornzellen bremst und für Sauerstoff in der Haut sorgt. Beide Kuren müssen vom Arzt verordnet und ständig kontrolliert werden. Die Schälkur kann dann auch von einer Kosmetikerin vorgenommen werden.

Die Standardmedizin bietet verschiedene Möglichkeiten zur Bekämpfung

Vitamin-A-Säure gibt es auch zum Einnehmen. Die Tabletten bremsen zwar gleichzeitig die Verhornungsstörung und die Talgproduktion, sind aber nur in wirklich schweren Fällen angebracht und müssen vom Arzt verschrieben werden. Sie können ein ungeborenes Kind schädigen. Deshalb ist eine zuverlässige Verhütung in der Behandlungszeit oberste Pflicht.

Sind hauptsächlich Bakterien an den Pickeln schuld, kann eine Behandlung mit Antibiotika Wunder wirken. Sie werden oft gemeinsam mit Mitteln gegen die Verhornungsstörung verordnet. Medikamente mit dem Wirkstoff Azelainsäure hemmen sowohl Bakterien als auch Verhornungsstörung, indem sie die kleinen „Deckel“ von Pickeln und Pusteln langfristig auflösen.

Von antibiotischen Cremes halten Akneexperten heute meist nicht mehr viel, weil Haut und Bakterien sich zu rasch daran gewöhnen. Antibiotika müssen in diesen Fällen teils monatelang eingenommen werden und sind generell nicht ohne Nebenwirkungen.

Alternative Medizin kann adjuvant eingesetzt werden

Alternative Mittel helfen selten allein, sie werden meist nur unterstützend eingesetzt. So empfehlen naturmedizinisch orientierte Hautärzte zum Reinigen oder Betupfen der Pickel Stiefmütterchenkraut, Isländisch Moos, Queckenwurzel, Kamillenblüten und Augentrost. Zusätzlich verordnen sie Tee aus Stiefmütterchenkraut, Schachtelhalm, Brennnesselblättern oder Löwenzahnwurzeln.

Weitere empfohlene Anti-Akne-Maßnahmen der Ganzheitsmedizin sind die Darmsanierung (jedoch nicht parallel zur Antibiotikatherapie) sowie mentale Methoden zum Stressabbau wie Atem- und Entspannungsübungen oder Meditation. Diese Methoden können jedoch nur langfristig wirken. Die Hautärztin Dr. Sylvia Perl: „Leider werfen viele Frauen vorschnell die Flinte ins Korn und doktern wieder auf eigene Faust herum.

Aber es ist nun mal so: Um eine aknekranke Haut zu beruhigen, braucht es viel Geduld und eine generell gesunde Lebensführung.“

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