Der Marsch durch die Natur bringt Ihre Nerven zum Jubeln
Helmut Erb in Fit in 8 Minuten
vom 28. April 2008, 05:00 Uhr
GNL5356
Im Trend liegen neuerdings eher individuelle Routen und Rundwanderwege, bei denen nicht die gleiche Strecke zum Ausgangspunkt zurückgeht. Out ist Wandern in großen Gruppen, auch Kulturwandern und Sportwandern sind nicht mehr angesagt. Als ideale Wandergebiete gelten die deutschen Mittelgebirge. Lust und Genuss stehen im Vordergrund, so der Natur-Soziologe Dr. Rainer Brämer, der jedes Jahr etwa 5.000 Wanderer zu ihren Vorlieben und Abneigungen befragt. Zum Wandern gehört nach seiner Erfahrung auch die Einkehr in einem „Beisel". Hier wird die kleine Hütte mit einer familiären Atmosphäre am meisten geschätzt. Wandern ist eine Langzeitbelastung, deshalb darf auch ruhig zünftig gevespert werden. Das nehmen auch wir sehr ernst ...
Doch Wandern ist mehr als das. Es ist mehr als jede andere Bewegungsart auch Balsam für die Seele. Wer dem Alltagsstress entfliehen und Abstand finden möchte, ist beim Wandern genau richtig aufgehoben. Denn hier stehen Sie nicht auf einem Präsentierteller wie bei Kursen im müffelnden Fitnessstudio. Sie müssen nicht in der Zeit von XY eine bestimmte Leistung an den Tag legen, um als „Bringer" zu gelten. Auch brauchen Sie nicht das trendigste Outfit, um sich nicht als Dorftrampel unter lauter Größe-36-Elfen oder 47er Oberarmen zu fühlen. Was beim Wandern zählt, ist vor allem Ihr eigenes Tempo. Sind Sie gut drauf, können Sie kräftig und schnell ausschreiten. Ist Ihnen eher besinnlich zumute oder kommen Sie zu rasch aus der Puste, halten Sie einfach öfter mal an und schauen der Natur zu, genießen auf Inseln der Ruhe einfach die Stille. Kein PC-Surren, kein Fax-Piepen, kein Fernseh-Gezappe, kein permantes Gebrabbel, keine wummernden Bässe aus Autos und - das Handy aus, nur für den Notfall in der Tasche.
Die Einsamkeit, die in der Stille wohnt, verliert bald ihre Bedrohlichkeit und wird zur Quelle für neue Lebensenergie. Verlorenes Gleichgewicht stellt sich wieder ein, Sie sind innerlich aufgeräumter und gelassener. „Nach einigen Kilometern in der Stille beginnen die Nerven zu jubeln", findet meine Frau. Unser Körper hilft sich dabei selbst mit Glücks- und Kreativitätshormonen auf die Sprünge.