Depressionen: Wie hoch ist die Suizid-Gefahr?
Sylvia Schneider in Naturmedizin aktuell zum Thema Depression
vom 17. November 2009, 06:00 Uhr
GNL5356
der Tod von Robert Enke hat viele Menschen bestürzt. Und er hat mit einem Schlag das Thema Depressionen in die Öffentlichkeit gebracht. Vielen ist - hoffentlich - klar geworden: Depressionen sind häufig eine sehr schwere Erkrankung, an der die Betroffenen sterben können. Durch Selbstmord. Zehn Prozent der Menschen, die an Depressionen leiden, bringen sich irgendwann um. Das große „Warum", lässt sich nicht einfach klären. Die Lebensumstände sind selten ursächlich. In der akuten Phase der Erkrankung kann man einen Suizid nicht immer verhindern. Das schrieb heute der bekannte Psychiater Manfred Lütz, Chefarzt eines Fachkrankenhauses für Psychotherapie und Neurologie in Köln, in unserer Tageszeitung „Die Welt". Es handele sich dabei nicht um eine schuldhafte Erkrankung, sondern um eine Stoffwechselstörung im Gehirn, die mit Stoffwechselprodukten in Medikamentenform gut behandelbar und in vielen Fällen heilbar sei. Doch manchmal führen Depressive ein Doppelleben, und niemand ahnt etwas von ihren Qualen. So können viele Depressive nicht richtig behandelt werden. Depressionen werden deshalb in ihrer Schwere von der Umwelt0 meist unterschätzt.
Depressionen nehmen in erschreckendem Ausmaß zu. Meine persönlichen Erfahrungen bestätigen dies. Mir fallen spontan mindestens fünf oder sechs Frauen und zwei bis drei Männer aus meinem Kollegen- und Bekanntenkreis ein, die sich in letzter Zeit zu einer schweren Depression bekennen mussten. Es sind dies alles Menschen um die 50, die mir als besonders „tough" aufgefallen sind, die ich immer dafür bewundert habe, was sie alles schultern: Beruf, Karriere, Kindererziehung, Haushalt, Hinwendung an einen kranken Mann oder eine kranke Frau, Kompensation von Arbeitslosigkeit, Pflege von Eltern oder Schwiegereltern. Hinzu kommen die vielfältigen Anforderungen unserer modernen Welt. Irgendwann - so scheint es - ist dann der Punkt erreicht, an dem es nicht mehr weitergeht und die Seele Hilfe braucht.
Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehören Depressionen längst zu den großen Volkskrankheiten. In Deutschland leiden derzeit fünf Prozent der Bevölkerung akut an einer Depression, das sind vier Millionen Menschen, die meisten von ihnen sind Frauen. Weitere rund 12 Millionen erkranken im Laufe ihres Lebens an der früher als Schwermut bezeichneten Krankheit. Warum diese seelische Erkrankung in diesem Ausmaß zunimmt, weiß keiner.
Machen Sie den Test: Wie gefährdet sind Sie, an Depressionen zu erkranken? Den Test finden sie in meinem nächsten Beitrag.
Mich interessieren Ihre persönlichen Erfahrungen, bitte schreiben Sie mir.
Bleiben Sie natürlich gesund!
Sylvia Schneider
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