Depressionen verändern das Schmerzempfinden
Dr. Martina Hahn-Hübner in Täglich Gesund zum Thema Depression
vom 16.10.2006 16:00 Uhr
GNL5356
Menschen, die unter Depressionen leiden, haben doppelt bis dreimal so oft Schmerzen, verglichen mit gesunden Menschen. Bisher wurde diese Wahrnehmung gerne darauf geschoben, dass diese Menschen eher "jammern". Das ist aber gar nicht so, wie Wissenschaftler der Uni-Klinik Jena jetzt herausgefunden haben.
Schon vor drei Jahren hatten die Forscher während einer Studie entdeckt, dass rund 60 % aller Menschen, die Depressionen haben, auch über starke Schmerzen an Rücken, Bauch oder Kopf lagen. Das Erstaunliche: Eigentlich ist die Schmerzschwelle bei Depressiven höher als die bei Gesunden.
In einer neuen Studie gingen die Wissenschaftler diesen Erkenntnissen nun nach. Sie stellten fest, dass die Schmerzschwelle nur dann höher ist, wenn es sich um oberflächliche Reize handelt, die zum Beispiel durch Hitze oder Kälte verursacht werden. Dann nehmen depressive Menschen Schmerz tatsächlich erst später wahr.
Anders sieht es aus, wenn es sich um einen tiefen Körperschmerz, also im Rücken, Kopf oder Magen handelt. In der Studie empfanden Menschen mit Depressionen solche Schmerzen, die man durch eine Mangeldurchblutung im Armmuskel simulieren kann, schon nach 30 Sekunden als unangenehm. Gesunde können einen solchen Schmerz fast zweimal so lange aushalten.
Die Forscher begründen das damit, dass es Verknüpfungen im Gehirn zwischen Depressionen und Schmerzempfinden gibt. So verschieben sich sowohl Schmerzwahrnehmung wie auch Schmerzschwelle – und es kommt zu viel früherem Schmerzempfinden.