Depression nach einem Herzinfarkt: Nicht ungewöhnlich, aber behandelba
unseren Experten des Mayo Clinic Gesundheits-Brief in Täglich Gesund zum Thema Depression
vom 30. März 2009, 16:00 Uhr
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Seit Ihrem Herzinfarkt sind schon einige Wochen vergangen. Doch anstatt erleichtert zu sein, dass Sie noch am Leben sind, fühlen Sie sich traurig und niedergeschlagen. Sie haben weder Lust noch Energie, um den Beschäftigungen nachzugehen, an denen Sie sonst immer Spaß hatten. Ist das einfach nur eine normale Reaktion auf Ihren Herzinfarkt oder liegt etwas vor, über das Sie mit Ihrem Arzt sprechen sollten?
Wenden Sie sich an Ihren Arzt. Vielleicht handelt es sich in Ihrem Fall um eine Depression. Viele Menschen erleben nach einem Herzinfarkt Gefühle wie Angst, Wut, Schuld oder Symptome einer Depression. Aus noch unbekannten Gründen sind 15% bis 20% aller Herzinfarkt-Patienten von einer schweren Depression betroffen - und etwa die Hälfte der Patienten durchlebt das zum ersten Mal. Glücklicherweise ist Depression eine behandelbare Krankheit - häufig mit gutem Ergebnis. Das ist wichtig, da eine Depression nicht nur Ihre Gefühlslage und Ihre Lebensqualität beeinträchtigt, sondern auch das Risiko für einen weiteren Herzinfarkt deutlich erhöht. Sie kann außerdem Ihre Fähigkeit beeinträchtigen, aktiv an einem Rehabilitationsprogramm für das Herz teilzunehmen und davon zu profitieren.
Depression ist eine Krankheit
Eine Depression ist eine Gehirnerkrankung, die auf ein Ungleichgewicht der chemischen Botenstoffe im Gehirn (Neurotransmitter) zurückgeführt wird. Das Ungleichgewicht kann durch eine Kombination von genetischen Faktoren und Umwelteinflüssen wie Stress und Krankheit hervorgerufen werden. Die häufigste Form der Depression wird als schwere depressive Episode („major depression") bezeichnet. Kennzeichen sind Stimmungsänderungen, die länger als 2 Wochen anhalten und mindestens 1 bis 2 der folgenden Symptome umfassen:
- überwältigende Gefühle der Traurigkeit,
- kein Interesse oder Vergnügen an Aktivitäten, die Ihnen normalerweise Spaß machen.
Menschen mit einer schweren Depression erleben eine Reihe von Symptomen. Dazu gehören zum Beispiel:
- Gewichtsverlust oder -zunahme,
- Schlafprobleme, besonders sehr frühes Aufwachen oder übermäßig langes Schlafen,
- Erschöpfung oder Kraftlosigkeit,
- Gefühle von Schuld, Wert-, Hilf-, oder Hoffnungslosigkeit,
- Gestörtes Denken und Konzentrationsschwäche,
- Verlust von sexueller Lust,
- Gedanken, dass das Leben nicht lebenswert sei.
Der Verlauf einer schweren Depression nach einem Herzinfarkt kann sehr unterschiedlich sein. Die Gehirnkrankheit kann wenige Tage nach dem Vorfall auftreten. Es kann Sie aber auch erst Wochen oder Monate später treffen, nachdem Sie das Krankenhaus verlassen haben. Die Depression kann nur leicht sein und kurze Zeit dauern oder - ohne Behandlung - schwer sein und lange anhalten.
Finden Sie zu sich selbst zurück
Der erste Schritt in Richtung Genesung ist ein Gespräch mit Ihrem Arzt. Sprechen Sie darüber, wie Sie sich fühlen, was Ihnen durch den Kopf geht. Das kann schwierig sein. Denn Depressionen gelten immer noch für viele Menschen als Makel. Menschen, die diese Krankheit nicht verstehen, betrachten sie als Charakterschwäche oder Stimmungstief, aus dem der Betroffene sich selber befreien können sollte. Schließlich sagen sich auch viele Betroffene selbst: „Ich habe gerade einen Herzinfarkt hinter mir - natürlich fühle ich mich da nicht sehr gut." Nur weil Sie mit Ihrem Arzt über Ihr Stimmungstief sprechen, muss bei Ihnen nicht sofort eine schwere Depression diagnostiziert werden. Wenn Sie wenige und milde depressive Symptome haben, können diese nach einigen Wochen wieder verschwinden. Das Gespräch mit Ihrem Arzt kann bei diesem Prozess helfen. Es kann ein guter Weg sein, Ihre Probleme anzusprechen.
Auch Ihr Arzt erhält dadurch die Chance, verschiedene Behandlungsstrategien mit Ihnen zu besprechen: die aktive Teilnahme an einem Herzinfarkt-Rehabilitationsprogramm, Gruppenunterstützung, Umgang mit Stress und Wut sowie Anpassungen an eine gesündere Lebensführung. Neben der Bedeutung für das Rehabilitationsprogramm können die körperlichen Übungen auch leichte bis mittlere Depressionen reduzieren.
Wenn eine Depression festgestellt wird, sprechen die meisten Menschen positiv auf folgende Therapien an:
- Psychotherapie und Verhaltenstraining - Eine der verbreiteten Formen der Psychotherapie nennt sich kognitive Verhaltenstherapie. Diese identifiziert und ändert Gedanken und Verhaltensweisen, die zu Ihrer Depression beitragen können. Die Therapiesitzungen dauern jeweils Stunde, sind einmal pro Woche angesetzt und belaufen sich in der Regel über 16 Wochen.
- Antidepressiva - Bei Depressionen nach einem Herzinfarkt gelten häufig Antidepressiva aus der Gruppe der Selektiven-Serotonin-Wiederaufnahme- Inhibitoren (SSRI) als Mittel der Wahl.
Psychotherapie oder Antidepressiva können allein schon die gewünschte Wirkung erzielen. Trotzdem lassen sich meist die besten Ergebnisse mit einer Kombination beider Methoden erreichen. Egal, für welche Behandlungsform Sie sich entscheiden: Sie brauchen Geduld. Meist dauert es einen Monat oder länger, bevor Sie sich wieder besser fühlen.