Das sind die 5 verbreitetsten Irrtümer in punkto Rücken
Helmut Erb in Fit in 8 Minuten
vom 13. Oktober 2008, 05:00 Uhr
GNL5356
Liebe Leserin, lieber Leser,
in der vergangenen Woche sprachen wir über Rückenbeschwerden, weil meine Frau darüber klagte. Ich habe Ihnen über das Wochenende die häufigsten falschen Annahmen in Sachen Rücken zusammengestellt:
Es hilft Ihrem Rücken, wenn Sie sich schonen: Stimmt nicht. Schonung und Ruhe sind bei vielen Erkrankungen eine Hilfe, doch bei Rückenleiden sind sie eher kontraproduktiv. Neben falscher Belastung ist nämlich oft auch ein Mangel an richtiger Belastung Schuld am Rückenweh. Ihre Wirbelsäule, insbesondere Ihre Bandscheiben, brauchen Flüssigkeit und Nährstoffe, um richtig funktionieren zu können. Körperliche Aktivität verursacht eine Art Pumpbewegung und hilft den Bandscheiben dabei, sich mit Flüssigkeit vollzusaugen, Rückenfreundliche Bewegung fördert deshalb die Versorgung ihrer Bandscheiben und kräftigt zudem die Muskeln, die Ihre Wirbelsäule stützen.
Verschlissene Wirbel und Bandscheiben sind Schuld an den Rückenschmerzen: Absolut falsch! Beginnende leichte Beschwerden deuten eher auf eine verspannte Muskulatur hin, zu wenig oder falsche Bewegung hin. Wirbel und Bandscheiben sind sehr stabil und beginnen erst in hohem Alter zu verschleißen.
Sitzen ist gut, stehen ist schlecht für den Rücken: Das ist Unsinn! Sie empfinden das Sitzen zwar wahrscheinlich als entlastend und wohltuend gegenüber dem Stehen, doch Ihrem Rücken ist das ziemlich egal. Ihn entspannt beides nicht. Was Sie vielleicht nicht richtig einschätzen: Wenn Sie aufrecht stehen, wirkt ein Druck von etwa 100 Prozent auf Ihre Bandscheiben ein, beim Sitzen steigt er auf 140. Bei einer leicht vorgebeugten Haltung, die viele für besonders bequem halten, steigt er gar auf 200. Zuviel Sitzen kann also auf Dauer genauso viel Schaden anrichten wie ständiges Stehen. Am liebsten ist Ihr Rücken in Bewegung.
Harte Matratzen sind eine Wohltat für den Rücken: Nicht richtig. Zu harte Unterlagen für die Nacht führen zu Hohlstellen im Bereich der Lendenwirbel und zu Verspannungen in der Muskulatur. Rückenweh und Schlafstörungen sind die Folge. Zu weiche Matratzen liebt Ihr Rücken aber auch nicht. Am besten eignen sich mittlere Härtegrade, sie schützen das empfindliche Kreuz und damit vor Verspannungen und Schmerzen.
Körperliche Belastungen sind nichts für Ihren Körper: Doch, in der Regel sehnt er sich sogar danach. Vorausgesetzt, Sie machen es richtig. Wenn Sie Sport treiben, bei dem Sie sich wie bei der Hausarbeit einseitig belasten, schädigen Sie Ihre Wirbelsäule auf Dauer natürlich. Dazu gehören Sportarten wie Golfen, Tennis oder Rudern. Die richtige Bewegung beugt dagegen Beschwerden vor. Suchen Sie sich einen Ausgleich für die Belastungen, die Sie nicht vermeiden können - etwa Schwimmen, Laufen, Walken. Auch Yogaübungen sind prima für einen falsch belasteten Rücken.
Kälte macht den Rücken anfällig für Schmerzen: Das ist nur bedingt richtig. Im Winter leiden zwar wesentlich mehr Menschen unter Rückenschmerzen als im Sommer. Doch das liegt weniger am feucht-kalten Wetter, sondern daran dass Sie öfter das Auto benutzen und sich generell weniger bewegen als in der schönen Jahreszeit. Bewegungsmangel = Rückenweh lautet die Formel.
Machen Sie es besser!
Ihr
Helmut Erb