Darauf müssen Sie bei der Alternativmedizin achten
Dr. Regina Kalkert in Täglich Gesund
vom 7. Juli 2010, 16:00 Uhr
GNL5356
Alternative Heilmethoden werden in Deutschland immer beliebter. Heutzutage greifen knapp 60 % der Deutschen auf unkonventionelle Behandlungsverfahren und Produkte zurück. Entsprechend hoch sind auch die Umsätze, die die Anbieter dieser Methoden machen. Rund 9 Mrd. Euro geben die Deutschen pro Jahr für nichtschulmedizinische Behandlungen aus. Da solche Therapien in der staatlichen Gesundheitsversorgung bisher aber nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben und nur selten von einer gesetzlichen Krankenversicherung erstattet werden, müssen die Patienten mehr als die Hälfte der Kosten aus eigener Tasche bezahlen.
Inzwischen bieten rund 40.000 Ärzte in Deutschland entsprechende Therapien an. Beliebt sind Alternativverfahren vor allem bei Rücken- oder Kopfschmerzen, Erkältungen, Magen-Darm-Beschwerden, Allergien, Schlafstörungen, Herzkreislaufbeschwerden oder rheumatischen Erkrankungen. Genauso breit gefächert und unterschiedlich wie die Erkrankungen, bei denen Alternativmedizin eingesetzt wird, sind auch die einzelnen Verfahren. Die bekanntesten alternativen Behandlungsmethoden sind in Europa die Homöopathie und die Akupunktur.
Achtung: Bei bestimmten Beschwerden, z. B. bei der Kniegelenksarthrose, wird die Akupunkturkosten von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet.
Eine Systematik bei den Alternativmethoden gibt es bisher nicht
Im allgemeinen Sprachgebrauch werden zahlreiche Begriffe für alternative Diagnose- und Therapieformen verwendet, die außerhalb der wissenschaftlichen Medizin angesiedelt sind:
- alternative Heilmethoden
- Paramedizin
- Ganzheitsmedizin
- Naturheilverfahren
- sanfte Medizin
- Quacksalberei
- traditionelle Medizin
Sie werden gewiss noch weitere Bezeichnungen kennen oder in der Werbung der Boulevardblätter finden. Die Begriffe sind keinesfalls deckungsgleich. Sie entstammen ganz unterschiedlichen Verwendungszusammenhängen. Einige dieser genannten Begriffe sind inzwischen sogar durchaus als Bestandteil der Schulmedizin zu bewerten (z. B. die klassischen Naturheilverfahren). International hat sich inzwischen der Begriff Komplementärmedizin oder Alternativmedizin als Sammelbezeichnung für diese ganz unterschiedlichen Behandlungsmethoden und diagnostischen Konzepte etabliert.
Wer bietet Alternativmedizin an?
Solche Methoden können von Ärzten mit einer entsprechenden Ausbildung angeboten werden. Auch Physiotherapeuten, die früheren Krankengymnasten, erbringen in großem Umfang Leistungen im Bereich der Naturheilverfahren. Das geschieht nach Verordnung durch einen Arzt. Angehörige anderer Heilberufe, wie etwa die Heilpraktiker, sind Anbieter alternativer Therapieformen, zum Beispiel der Akupunktur, der Homöopathie, der Neuraltherapie oder der Ozon- bzw. Sauerstoffbehandlung. Oft sind es aber auch medizinische Laien, die Ihnen ihre alternativen Dienste anbieten und nebenwirkungsfreie Erfolge versprechen.
Worauf müssen Sie achten, wenn Sie Angebote der Alternativmedizin nutzen wollen?
Bei der großen Vielzahl der angebotenen Möglichkeiten ist es für einen medizinischen Laien schwierig zu entscheiden, welche Methode in der persönlichen Situation sinnvoll ist. Deshalb sollten Sie folgende Hinweise beherzigen:
- Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Ihr Vorhaben. Erklären Sie ihm, warum Sie zum Beispiel eine unkonventionelle Behandlungsmethode versuchen wollen. Fragen Sie ihn um Rat und um seine ehrliche Einschätzung. Wenn Ihr Arzt Ihr Vorhaben sofort als „unsinnigen Hokuspokus" abtut, sollten Sie sich eine zweite Meinung einholen. Häufig werden Sie dann auf einen verständnisvollen Berater treffen, denn auch die Ärzte in Deutschland haben gelernt umzudenken.
- Prüfen Sie Wechsel- und Nebenwirkungen. Fragen Sie Ihren Arzt, ob sich zum Beispiel ein pflanzliches Mittel, das Ihnen in Ihrer individuellen gesundheitlichen Lage sinnvoll erscheint, mit Ihrer schulmedizinischen Dauermedikation verträgt. Denn selbstverständlich können diese alternativen Mittel - genauso wie sie Wirkungen im Körper zeigen - auch Nebenwirkungen haben.
- Alternativmedizin ist Komplementärmedizin. Das bedeutet für Sie, dass Sie diese Behandlungsmethoden als Ergänzung zur Schulmedizin nutzen können und sollen. Schulmedizinische Diagnose und Therapie sind bei allen akuten Erkrankungen sinnvoll und sollten hier auch vorgezogen werden. Bei chronischen Krankheiten sowie zur Begleitung und Unterstützung von schulmedizinischen Behandlungen können Sie aber oft von der Anwendung alternativer Medizin profitieren.
- Achten Sie auf Qualität. Alternativmedizin wird von Ärzten, Heilpraktikern und Physiotherapeuten angeboten. Diese Berufsgruppen sind entsprechend ausgebildet, müssen sich regelmäßig fortbilden und unterliegen Qualitätsprüfungen. Sie sollten sich einen Anbieter aussuchen, der solch ein Profil erfüllt. Lassen Sie die Hände weg von selbst ernannten Heilern und Wunderdoktoren.
- Seien Sie bei diesen Angeboten vorsichtig, wenn die alternative Methode als frei von Neben- und Wechselwirkungen beschrieben wird, ein sofortiger und hundertprozentiger Erfolg garantiert wird, die Möglichkeit der Übernahme der Kosten durch Ihre gesetzliche Kasse durch den Anbieter erst gar nicht diskutiert wird, und auch kein Antrag auf Prüfung eingereicht wird. Misstrauisch sollten Sie auch werden, wenn Vorkasse verlangt wird und der gleichzeitige Einsatz einer schulmedizinischen Methode strikt abgelehnt wird.
Fazit: Alternativmedizin kann eine sehr sinnvolle Ergänzung zur Schulmedizin sein. Nutzen Sie deshalb diese Chance und verbinden Sie beide Ansätze zu Ihrem persönlichen Wohl.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Andreas P (07.07. 2010 20:34 Uhr):
Hallo ! So gut die Beiträge auch sind und waren muss ich doch eine kleine Kritik an dem Artikel: Darauf müssen sie bei der Altrnativmedizin achten, anbringen. Warum wird erwähnt, dass man zuerst mit seine Arzt über Alternative Methoden sprechen sollte. Ich bin selbst betroffener was dieses Betrifft. Kein Arzt würde gegen sein Geschäft arbeiten. Die meisten Ärzte sind nicht genügend bzw. gar nicht ausgebildet in alternativen Heilmethoden und leben dieses auch überhaupt nicht. Speziell Ärzte unter 45 Jahren haben keine Erfahrungen. Dieses ist ein ganz eigener Berufszweig. Viele Therapeuten die Heilmethoden anbieten leben den Beruf und erlernen dieses erst in älteren Jahren. wobei man halt dann schon schauen muss dass man zum richigen kommt. Als würde ich sagen dass man nicht einen pharmazeutiger Fragen solle wenn mann Bioprodukte kaufen will, sondern einen Ernährungsberater. FAZIT: Ärzte sind nicht kompetent in Fragen der alternativen Heilmethoden. Nette Grüße Andreas P.
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