Chronische Schmerzen managen: Therapien für Ihren Körper und Ihren Geist
unseren Experten des Mayo Clinic Gesundheits-Brief in Täglich Gesund zum Thema Chronische Schmerzen
vom 29.03.2005 16:00 Uhr
GNL5356
Chronische Schmerzen – also die Form der Schmerzen, die dauerhaft oder trotz einer Behandlung fortbesteht – verändert Ihre Wahrnehmung der Geschehnisse um Sie herum und in Ihrem Körper. Langfristig können chronische Schmerzen physisch und emotional belastend sein. Zusammen mit Ihrem Arzt oder Schmerztherapeut können Sie guten Erfolg bei der Behandlung der Schmerzen mit Tabletten, Spritzen, physikalischen oder Verhaltenstherapien haben. Nicht selten können auch antidepressive Medikamente gegen chronische Schmerzen helfen – genauso wie krampflösende Mittel.
Ein anderes Werkzeug, um die chronischen Schmerzen in den Griff zu bekommen, ist die kognitive Verhaltenstherapie. Diese Behandlungsform kann Ihnen dabei helfen, Ihre Reaktion auf Schmerzen physisch und emotional zu verändern, damit Sie besser mit der Situation zurecht kommen.
Was die kognitive Verhaltenstherapie leistet
Jeder Mensch macht andere Erfahrungen, wenn er unter chronischen Schmerzen leidet. Es kann ein bestimmter Körperteil betroffen sein wie Lenden, Handgelenk, Hand oder Gesicht. Sie können Kopfschmerzen verspüren. Oder die Schmerzen treten gleichzeitig an vielen Körperstellen auf, wie bei der Fibromyalgie ("Weichteil-Rheumatismus"). Die kognitive Verhaltenstherapie erfordert die Zusammenarbeit zwischen Ihnen und einem Therapeuten, wobei Sie Gedanken oder Verhaltensmuster identifizieren und trainieren, die möglicherweise Ihre chronischen Schmerzen reduzieren können. Diese Therapieform berücksichtigt die Tatsache, dass Ihre Schmerzen real sind, und unterstützt Sie dabei, Ihre Gedanken, Gefühle und Verhaltensmuster zu konzentrieren, wenn Ihnen auf Grund der Schmerzsituation die Kontrolle zu entgleiten droht. Ziel ist die Verbesserung Ihrer Lebensqualität, Ihrer Stimmung und Ihrer Alltagsfunktionen, selbst wenn die Schmerzen nicht vollständig verschwinden.
Körper und Geist beeinflussen sich
Die kognitive Verhaltenstherapie vereinigt zwei Ansätze. Der kognitive Aspekt basiert auf dem Konzept, dass "Sie sind, was Sie denken". Einige der folgenden Methoden können angewendet werden:
- Kognitive Restrukturierung – Das Erkennen ungesunder oder negativer Gedanken ist der erste Schritt, um diese Gedankenmuster zu durchbrechen. Ziel ist die Umformulierung dieser Gedanken und ihre Platzierung in einem mehr positiven und realistischeren Rahmen.
- Desensibilisierung – Man kann lernen, weniger empfindlich auf Schmerzauslöser zu reagieren. Beispielsweise kann man unempfindlicher gegenüber Gerüchen werden, die Kopfschmerzen auslösen.
- Entspannungsübungen – Vorstellungskraft und Atemübungen, die vom Zwerchfell ausgehen, können allmählich zur Entspannung der Muskulatur führen, die sonst die Schmerzen verstärkt.
Da bestimmte Verhaltensmuster die Schmerzempfindung verstärken, widmet sich der Verhaltensaspekt der Therapie den Handlungen, die Sie kontrollieren können. Folgende Aufgaben können auf dem Stundenplan stehen:
- Verbessern Sie Ihre Schlafgewohnheiten – Unangemessenes Schlafverhalten kann die chronischen Schmerzen verschlimmern. Wenn Sie sich an "schlechten" Tagen häufig hinlegen oder ein Nickerchen machen, werden Sie nachts wahrscheinlich wenig schlafen.
- Reduzieren Sie den Umgang mit Ihren Schmerzen – Häufiges Reden über Ihre Schmerzen oder ein nonverbales Aufmerksammachen (z. B. Stöhnen, Handauflegen) kann Ihr Bewusstsein für das Problem verstärken und die Wahrnehmung der Schmerzen verschärfen. Die Reduzierung dieses Verhaltens kann ein Weg zu besserer Gesundheit und weniger Schmerzen bedeuten.
- Organisieren Sie Ihren Tag – Setzen Sie sich ein Tagesziel und planen Sie tägliche Aktivitäten. So lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit auf Bereiche, die Sie kontrollieren können.
- Teilen Sie sich mit – Wenn Sie Hilfe brauchen, weil Sie bestimmte Tätigkeiten auf Grund der Schmerzen nicht ausführen können, bitten Sie andere in Ihrer Umgebung um Hilfe. Warten Sie nicht, bis Andere Ihre Not erraten haben.
- Halten Sie Maß – Der Antrieb, so viel wie möglich in kurzer Zeit zu bewältigen, kann die Erholung von Schmerzen erschweren.
- Stärken Sie Kraft und Ausdauer – Fehlende Bewegung kann chronische Schmerzen verschlimmern. Körperliche Übungen und allmählich verstärkte Aktivität werden Ihren Körper wieder an mehr Bewegung gewöhnen.
Wie Sie Hilfe bekommen
Wenn Sie mit chronischen Schmerzen leben, fragen Sie Ihren Arzt nach Spezialisten, die für die kognitive Verhaltenstherapie ausgewiesen und zertifiziert sind. Eine solche Therapieform wird typischerweise von Psychologen und Psychiatern mit Erfahrung in der psychosomatischen Medizin oder speziell ausgebildeten Trainern angeboten. In Deutschland übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten allerdings nur bei sehr schweren Störungen auf Antrag.
Wann Sie ein Schmerz-Rehabilitationsprogramm erwägen sollten
Schmerz-Rehabilitationsprogramme nutzen einen breiten Ansatz, um chronische Schmerzen in den Griff zu bekommen. Typischerweise verbinden Schmerztherapeuten Änderungen der Lebensweise mit einer physikalischen und Verhaltenstherapie. Die Teilnahme an einem Schmerz-Rehabilitationsprogramm verlangt aktive Teilnahme sowie Ausdauer. Stellen Sie sich deshalb folgende Fragen:
- Ist mein Leben auf den Schmerz ausgerichtet und eher darauf, was ich nicht machen kann, als darauf, was ich trotz der Schmerzen tun kann?
- Wurde mir gesagt, dass es keine weitere Möglichkeit gebe, meine Schmerzen zu lindern, und dass ich lernen müsse, damit zurecht zu kommen?
- Mache ich mir Gedanken wegen der Langzeitfolgen von Schmerzmitteln? Sind meine Ärzte besorgt über die steigenden Schmerzmitteldosierungen?
- Wird das Wohlbefinden meiner Familie durch meine chronischen Schmerzen beeinträchtigt?
- Dauert die Heilung meiner Verletzung oder Krankheit länger als meine Ärzte oder ich erwarten?
Wenn Sie mit Ja auf eine oder mehrere Fragen geantwortet haben, kann ein Schmerz-Rehabilitationsprogramm für Sie geeignet sein.
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