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DMP: Von diesem Krankenkassen-Programm können Sie nur profitieren

Wörtlich übersetzt heißt der englische Begriff „Disease Management“ Krankheits-Management – kurz DMP. Bei den meisten chronischen Erkrankungen muss die notwendige Behandlung in der Regel von mehreren Spezialisten gemeinsam oder gleichzeitig durchgeführt werden. Nur wenn sich diese kontinuierlich miteinander abstimmen, kann die Therapie wirklich greifen. Das ist aber leider höchst selten der Fall. Hier wollen die Krankenkassen mit Rat und Tat zur Seite springen. Sie planen und organisieren die Behandlung der Kranken, damit diese sich rasch besser fühlen. Es wird entschieden, wann und wie oft die Erkrankten zu welchem Therapeuten gehen sollten? Worum geht es bei den einzelnen Terminen und was soll da kontrolliert werden? Ärzte, Therapeuten, Krankenhäuser und Reha-Einrichtungen sollen ihre Arbeiten im Sinne des einzelnen Patienten besser koordinieren.

Ziel des Disease Management Programms ist es konkret, Ihnen den Umgang mit der Erkrankung im Alltag zu erleichtern und Ihre Lebensqualität zu bessern. Doppeluntersuchungen und Medikationen, Komplikationen und Folgeerkrankungen sollen vermieden oder verzögert, akute Schübe verhindert oder zumindest gemildert werden. Verschiedene Studien zeigen schon jetzt, dass Sie bereits nach kurzer Zeit der koordinierten Behandlung profitieren. Das Kölner Psychonomics-Institut befragte Patienten, die seit mindestens sechs Monaten am DMP-Diabetes-Programm teilgenommen hatten. Sie fühlten sich insgesamt erleichtert und entlastet. Ihre Blutzucker- und Blutdruckwerte verbesserten sich deutlich gegenüber denen der Kontrollgruppe, die an keinem DMP teilnahm. Die Programm-Teilnehmer mussten zum Beispiel seltener wegen diabetischer Folgeschäden im Krankhaus behandelt werden. Als wesentlicher Vorteil gilt zudem, dass Sie aktiv in jeden Behandlungsschritt mit einbezogen werden.

Ihr behandelnder Arzt ist für alle anderen Therapeuten der Lotse

Eine wichtige Rolle spielt dabei Ihr behandelnder Haus- oder Facharzt. Sprechen Sie ihn darauf an, ob er mit Ihnen an einem DMP teilnehmen kann. Dann füllen Sie gemeinsam einen Antrag für die Krankenkasse aus. Danach legen Sie beide fest, welche Ziele Sie im Rahmen des Programms erreichen wollen (zum Beispiel Lungenvolumen steigern, Blutdruckwerte senken). Der Arzt übernimmt die Funktion des Lotsen. Er managt und koordiniert künftig alle Untersuchungs- und Behandlungsschritte. Er selbst muss sich an die engmaschigen Regeln der Qualitätsrichtlinien des DMP-Programms halten. Manche Ärzte murren darüber, weil diese für den Lotsenarzt mit großem Aufwand verbunden sind. Allerdings bekommen sie auch eine entsprechende Vergütung dafür. 

Die Teilnahme an den Programmen ist für Sie freiwillig und kostenlos. Jede Krankenkasse nennt ihr Programm anders, obwohl alle identisch sind. Deshalb sollten Sie sich als Erstes bei Ihrer Krankenkasse erkundigen, wenn Sie an einem Disease Management teilnehmen wollen. Sie können auch an mehreren Programmen teilnehmen. Manche Krankenkassen bieten ihren Versicherten sogar noch Vergünstigungen – wie den Wegfall der Praxisgebühr –  an, wenn sie sich an dem Programm beteiligen. Wer sich jedoch nicht an die Vorgaben des Lotsenarztes hält, verliert die Vergünstigungen, Ansprüche aus dem Leistungskatalog bestehen weiterhin

Diese Vorzüge sprechen für das Disease-Management-Programm

  • Sie benötigen nur einen Arzt als Ansprechpartner für alle Fragen rund um Ihre Erkrankung.
  • Ihre Krankenkasse versorgt Sie mit weiteren Informationen und Tipps. Das gesamte Informationsmaterial ist für Sie kostenlos.
  • Alle Behandlungen und Medikamente, die Ihnen im Rahmen des DMP verordnet werden, basieren auf seriösen Studienergebnissen.
  • Sie werden überlegter und intensiver betreut und haben deshalb bessere Chancen, sich schneller besser zu fühlen. DMP-Teilnehmer müssen nachweislich seltener ins Krankenhaus. AOK und Barmer haben die Erfahrung gemacht, dass die Lebenserwartung bei DMP-Teilnehmern steigt.
  • Ärzte, die am DMP teilnehmen sind auf neuesten medizinischen Stand, denn sie müssen regelmäßig an Fortbildungen teilnehmen.
  • Sie bekommen für die Teilnahmen an einem solchen Programm unter Umständen Vergünstigungen von Ihrer Krankenkasse wie zum Beispiel den Wegfall der Praxisgebühr.
  • Sie sparen an Medikamenten: Bei Ihnen beträgt die maximale Zuzahlungspflicht nur 1 Prozent Ihres Jahreseinkommens im Gegensatz zu den sonst üblichen 2 Prozent.
  • Durch das DMP spart Ihre Krankenkasse dennoch Geld, wenn Sie nicht mehr doppelt und dreifach und von unkoordiniert arbeitenden Therapeuten behandelt werden.
  • Sie werden regelmäßig alle drei Monate untersucht.
  • Sie werden von Ihrer Krankenkasse rechtzeitig an Ihre Termine erinnert.
  • Sie können in Schulungen lernen, was Sie selbst besser machen und wie Sie sich das Leben erleichtern können.
  • Sie können ohne Nachteile jederzeit aus dem Programm aussteigen. Sie verlieren dadurch jedoch Ihre Vorteile und Vergünstigungen.
  • Sie können sich jederzeit für einen anderen Arzt entscheiden, der ebenfalls berechtigt ist, an einem DMP teilzunehmen.

Aber: Die Krankenkasse kann Ihre Teilnahme ebenfalls kündigen, zum Beispiel wenn Sie Ihre Termine und Kontrollen verschlampen oder Ihre Werte darauf hinweisen, dass Sie wieder gesund sind. Dann werden Sie wieder zu einem normalen Mitglied Ihrer Kasse.

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Über den Autor Sylvia Schneider

Expertin im Bereich Ernährungs- und Kommunikationswissenschaft Sie begann ihre journalistische Karriere nach den Studienabschlüssen mit einem Volontariat bei der dpa […]


Alte Kommentare
  • Peter van Loon schrieb am 05.03.2012, 11:35 Uhr

    Hallo Wie komme ich zu dieser Information und deren Anwendungen (DMP) Ich leide seit 6 Jahren an chronischer Sinusitis und Bronchitis und bin diesen Arztmarathon leid. Eine ZUsammenführung der Kompetenzen ist sehr sinnvoll. MfG P v Loon

  • Schäfer Herbert schrieb am 08.04.2012, 13:39 Uhr

    Ich nehme seit ca. einem Jahr am DMP - Programm teil. Erst bei einer Diabetologin und jetzt beim Hausarzt. Zur Diabetologin mußte ich immer erst zum Festland fahren ( wohne auf einer Insel ). Aber nur, um etwas Blut abnehmen zu lassen, dann konnte ich wieder gehen. Hier auf der Insel macht mein Hausarzt auch nichts anderes, außer den Hbac1 - Wert zu messen. Auf die Fragen meinerseits, was alles zum DMP - Programm gehört, gibt es nur ausweichende oder gar keine Antwort. Daher jetzt meine Frage an Sie / Euch: Was schließt das DMP - Programm außer den HBAC1 - Wert alles in.