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COPD: Chronisch obstruktive Lungenerkrankung

Rund 10 Prozent der Deutschen leiden an einer chronischen Lungenerkrankung, bei der die Atemwege dauerhaft verengt sind. Diese auch kurz COPD (Chronic Obstractive Pulmonary Disease) genannte Erkrankung ist in den europäischen Ländern bereits die dritthäufigste Todesursache.

Älterer Herr raucht© mr nico - Fotolia

COPD als Volkskrankheit

Unter COPD versteht man die chronisch obstruktive Lungenerkrankung. Sie entsteht zu 90 Prozent durch das Rauchen und macht sich durch Symptome bemerkbar, die allgemein dem Raucherhusten zugeschrieben werden: Husten, zäher Auswurf und Atemnot. Die letztere tritt zunächst nur auf, wenn Sie sich belasten, später aber auch in Ruhezeiten. Hier kommt dann ein Engegefühl im Brustraum hinzu. Ausgelöst wird dies durch einen Luftstau in der Lunge, der wiederum eine Folge chronischer Bronchienverengung durch langanhaltende Schadstoffbelastung ist.

Nach Angaben der European Lung Foundation hat die COPD weltweit den Status einer Volkskrankheit erreicht. Rund 15 Prozent der über 40-Jährigen sind davon betroffen, bei den 70-Jährigen sind es bereits 30 Prozent. In Deutschland rangiert COPD bei älteren Menschen unter den Haupttodesursachen. Dennoch sterben die meisten Patienten, die nur leicht bis mittelschwer an COPD erkrankt sind, nicht mehr an dieser Lungenerkrankung, wenn sie das Rauchen aufgeben.

Deutlich erhöhtes Risiko für Inkontinenz

COPD bringt nicht nur Atemnot, chronischen Husten und starken Auswurf mit sich. Vielmehr macht sie den Betroffenen auch auf eine andere Art das Leben schwer: Sie erhöht das Risiko für Belastungsinkontinenzdeutlich. Das haben Wissenschaftler der Zürcher Hochschule jetzt herausgefunden. Die Forscher hatten die Daten von über 440 Patienten, die unter COPD litten, mit denen von gesunden Menschen verglichen und festgestellt, dass 59 Prozent der erkrankten Menschen zudem unter Belastungsinkontinenz leiden, deutlich mehr also als nicht an COPD-erkrankte Menschen.

Der Grund dafür: Durch das Husten erhöht sich der Druck, der im Bauchraum entsteht. Kommt dann eine schwache Beckenbodenmuskulatur hinzu, kann der Urin nicht mehr gehalten werden. Obwohl diese Art der Inkontinenz sehr gut behandelt werden kann, gehen 77 Prozent der Betroffenen nicht zum Arzt. Die Forscher sehen es daher als überaus wichtig an, COPD-Patienten nicht nur über ihre Krankheit selbst, sondern auch über Inkontinenz und deren Behandlungsmöglichkeiten aufzuklären.

Entstehung der Lungenerkrankung

In den meisten Fällen tritt COPD durch eine Kombination dieser beiden Funktionsstörungen auf:

  • Chronische Bronchitis: ­ Hierbei handelt es sich um eine chronische Entzündung der Bronchien, die mit einer Schwellung der Schleimhäute einher geht. Bei dieser Erkrankung kommt es zu dauerhaftem Husten mit ständiger Schleimbildung.
  • Lungenemphysem: ­ Hierbei handelt es sich um eine Entzündung, die durch eine Schädigung der kleinen, elastischen Luftbläschen (Alveolen) am Ende der Bronchien hervorgerufen wird. Kurzatmigkeit bei körperlicher Anstrengung ist das erste Symptom eines Lungenemphysems.

Probleme entwickeln sich schleichend

Diese Probleme entwickeln sich schleichend im Verlauf der Jahre. Im Anfangsstadium kommt es nur zu geringen Krankheitssymptomen. Wenn Sie Raucher sind, kann eine Messung des Atemvolumens namens Spirographie und eine Röntgenaufnahme des Brustraumes Aufschluss darüber geben, ob Sie an COPD zu erkranken drohen oder nicht.

Die Untersuchungen können ein Ergebnis liefern noch bevor erste Symptome von COPD auftreten. Jedenfalls sollten ein chronischer Husten oder andere Atemveränderungen nicht allzu leicht als ,,Raucherhusten“ oder mangelnde körperliche Fitness abgetan werden. Es könnten erste Anzeichen für COPD sein.

Immer auch den Eisenspiegel überprüfen lassen!

Forscher haben nun herausgefunden, dass mit der COPD noch ein weiteres Problem verbunden ist. Viele Raucher, die an dieser Erkrankung leiden, weisen außerdem auch einen gravierenden Eisenmangel auf. Der Nachteil: Dieser Mangel kann die Beschwerden der Krankheit deutlich verschlimmern.Die englischen Wissenschaftler, die diese Entdeckung machten, begründen dies damit, dass Menschen mit einem Eisenmangel grundsätzlich zu wenig Sauerstoff im Blut aufweisen. Dadurch sind sie körperlich weniger belastbar. Die COPD verringert die Belastbarkeit, was dazu führt, dass im Grunde kaum noch „etwas geht“. Wenn Sie unter COPD leiden, sollten Sie daher immer auch Ihren Eisenspiegel untersuchen lassen und je nach Ergebnis die Eisenvorräte Ihres Körpers wieder auffüllen.

So retten Sie Ihre Lunge

Wenn Sie noch einen weiteren Grund suchen, sich das Rauchen abzugewöhnen, so ist es diese Diagnose. Leider ist COPD nicht zu heilen. Es gibt aber Möglichkeiten, die Symptome zu lindern und dadurch den Umgang mit der Krankheit zu vereinfachen. Dazu gehören zum Beispiel Mittel, welche die Bronchien erweitern. Diese Erweiterung hält für 24 Stunden an und das Engegefühl verschwindet dadurch. Es ist am besten, so früh wie möglich mit der Therapie anzufangen, da sie Krankheit dann noch nicht so weit fortgeschritten ist und Sie Ihre körperliche Belastbarkeit so weit wie möglich erhalten.

Es ist nachgewiesen, dass eine nicht bereits im ersten Stadium behandelte COPD das Leben um etwa acht Jahre verkürzt. Handeln Sie daher bei den ersten Anzeichen. Der erste Schritt ist dabei immer der totale Rauchverzicht, eine Reduktion des Zigarettenkonsums reicht nicht. Schon etwa vier Wochen nach der letzten Zigarette werden Sie keine Hustenanfälle und keinen Auswurf mehr haben. Ihr Arzt wird Ihnen je nach dem Stadium Ihrer Erkrankung Basismedikamente und zusätzlich Medikamente für den akuten Fall von Atemnot verschreiben. Wichtig ist, dass durch die Behandlung die Exazerbationen (Übergang in ein entzündliches Stadium) vermieden werden. Bei schwereren Formen von COPD können Medikamente und Therapien eingesetzt werden, die Ihnen das Atmen erleichtern und somit Ihre Lebensqualität steigern. Nach elf Jahren senkt das Aufgeben des Rauchens das Risiko, an schwerer COPD zu erkranken, deutlich von 18 auf 3 Prozent.

Maßnahmen bei leichter bis mittelschwerer COPD

  • Vermeiden Sie Atemwegsinfektionen: ­ Zur Vorbeugung sollten Sie sich einer Pneumokokken-Impfung sowie der jährlichen Grippe-Impfung unterziehen. Auch grundlegende Gesundheitsvorkehrungen wie häufiges Händewaschen sind hilfreich.
  • Tägliches körperliches Training: ­ Hierdurch wird die Funktionsfähigkeit Ihrer Muskeln und Ihres Kreislaufsystems erhöht.
  • Verwendung von schnell wirksamen Bronchodilatatoren: ­ Die Bronchialmuskeln entspannen sich und sind weniger krampfanfällig. So wird das Abhusten gefördert und das Atmen erleichtert.
  • Meiden Sie Reizstoffe: ­ Sie sollten nicht nur aufhören zu rauchen, sondern auch Stoffe meiden, die Ihre Lunge reizen. Dazu gehören zum Beispiel das Passivrauchen, Luftverschmutzung, Holzrauch aus offenen Feuerstellen sowie starke Gerüche oder Staub.
  • Eine ausgewogene Ernährung: ­ Halten Sie Ihr Wohlfühlgewicht. Sind Sie zu dünn, werden Sie anfälliger für Krankheiten; haben Sie Übergewicht, begünstigt das Kurzatmigkeit

Behandlungsmöglichkeiten bei mittelschwerer bis schwerer COPD

  • Lang wirksame Bronchodilatatoren: ­ Hierzu gehören Beta-Agonisten Salmeterol (Serevent®) und Formoterol (Foradil®). Diese Medikamente können die Lebenserwartung erhöhen und die Lungenfunktion sowie die Lebensqualität verbessern. Somit wird das Risiko von lebensbedrohlichen Infektionen (Krankheitsschübe) und Krankenhausaufenthalten reduziert. Eine weitere Art von Bronchodilatatoren sind die lang wirksamen Antimuskarinika, wie Tiotropium (Spiriva®). Dieses Medikament zeigt ähnliche Wirkung, wurde jedoch noch nicht dahingehend geprüft, ob es die Lebenserwartung verlängert. Kürzlich kamen Bedenken bezüglich Schlaganfallrisiken auf, die durch die Einnahme von Tiotropium ausgelöst werden könnten.
  • Corticosteroide: ­ Bei schwerer und unkontrollierbarer COPD ist die Verwendung eines Corticosteroid-Inhalators empfehlenswert.
  • Zusätzliche Sauerstoffzufuhr: ­ Wenn Sie Ihrem Blut mit dem normalen Atemvorgang nicht genügend Sauerstoff zuführen können, so benötigen Sie eventuell ein Gerät, das die Sauerstoffzufuhr Ihrer Lunge unterstützt. Da diese Maßnahmen alle sehr schwierig in der Durchführung sind, profitieren Patienten oft von einem umfassenden Lungenrehabilitationsprogramm. Im Falle eines schweren fortgeschrittenen Lungenemphysems sollten Sie auch eine Operation in Betracht ziehen. Dabei wird angegriffenes Lungengewebe entfernt, damit das gesunde Gewebe effizienter arbeiten kann.

Kortison bei COPD: Vorsicht vor Lungenentzündung!

Die chronisch obstruktive Lungenekrankung wird in der Regel mit der Inhalation von Kortison behandelt. Dieser Stoff soll die Entzündungsprozesse im Körper reduzieren und so verhindern, dass die Krankheit allzu schnell weiter fortschreitet. Allerdings hat die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) nun bestätigt, dass diese Therapie ein großes Risiko hat: Sie macht deutlich anfälliger für Lungenentzündungen. Das ist das Ergebnis unterschiedlicher Studien, welche die EMA ausgewertet und verglichen hat. Demzufolge erkranken Patienten, die unter COPD leiden, deutlich häufiger an einer Lungenentzündung, wenn sie mit Kortison zum Einnehmen behandelt werden. Die Studien zeigen aber auch: Trotz dieses erhöhten Risikos überwiegt der Nutzen der Kortison-Behandlung. Daher soll sie, so die EMA, bei Patienten mit stark eingeschränkter Lungenfunktion weiterhin angewandt werden. Allerdings in Kombination mit anderen Medikamenten und erst dann, wenn die Erkrankung schon weiter fortgeschritten ist.

Aber warum erhöht die Kortison-Therapie das Risiko für Lungenentzündungen? Das Medikament imitiert das körpereigene Hormon Cortisol. Genau wie dieses bremst es die Entzündungsprozesse in der Lunge. Gleichzeitig werden aber auch Immunzellen gehemmt, die nun nicht mehr gegen eindringende Erreger aktiv werden können. Und aus diesem Grund kommt es zur erhöhten Anfälligkeit für die Lungenentzündungen. Sprechen Sie als COPD-Patient, der mit Kortison behandelt wird, mit Ihrem Arzt, ob eine Impfung gegen Pneumokokken Sinn macht. Diese können eine Lungenentzündung auslösen. Zudem sollten Sie sofort zum Arzt, wenn die typischen Beschwerden der Lungenentzündung bei Ihnen auftreten: Fieber, Atemnot und Husten. Leider lassen diese sich schnell mit den Symptomen der COPD verwechseln, daher müssen Sie besonders wachsam sein und rasch handeln, wenn diese verstärkt auftreten.

Hilfe aus der Natur

Die meisten Patienten kommen dabei gut mit den Methoden der Naturheilkunde zurecht. Ätherische Öle wirken aufgrund ihrer Inhaltsstoffe (z. B. Pinen, Cineol, Myrtol) schleimlösend, antibakteriell und bronchialerweiternd. Die besten ätherischen Öle für Ihre Bronchien sind:

  • Eukalyptusöl (z. B. in Exeu®)
  • Myrtenöl (z. B. in Gelomyrtol® forte)
  • Fichtennadelöl (z. B. in Soledum®, Aspecton©)

Eine wissenschaftliche Studie mit 242 COPD-Patienten mit Stadium 1 und 2 zeigte, dass Cineol die Beschwerden der Patienten deutlich lindern konnte. In der Gruppe, die sechs Monate lang täglich 200 mg Cineol erhalten hatte, lag die Exazerbationsrate bei 29 Prozent gegenüber 46 Prozent in der Placebo-Gruppe.

Naturheilkunde© goldbany - Fotolia

Regenerieren Sie Ihre Lunge mit Schüßler-Salzen

Zur Pflege der Bronchialschleimhaut und zur Verhinderung von aufflackernden Entzündungen bewährten sich die nach dem Deutschen Arzt Wilhelm Schüßler (1821 bis 1898) benannten Mineralsalze. Stellen Sie sich dazu aus den folgenden Salzen mit einem halben Liter stillem Wasser einen Mineraldrink her. Sie benötigen die folgenden Schüßler-Salze:

  • Nr. 4 Kalium chloratum D6 zur Regeneration der Bronchialschleimhaut
  • Nr. 7 Magnesium phosphoricum D6 zur Entspannung der Bronchialmuskulatur und für ein leichteres Abhusten
  • Nr. 10 Natrium chloratum D6 für die Regulierung des Flüssigkeitshaushalts
  • Nr. 14 Kalium bromatum D6 gegen den ständigen Reizhusten

Lösen Sie von jedem dieser Salze jeweils drei Tabletten in einer Flasche Wasser auf und trinken Sie alles über den Tag verteilt in kleinen Schlucken aus. Schütteln Sie die Flasche jedes Mal bevor Sie trinken.

Die positiven Auswirkungen von Bewegung

Sport und Bewegung wird in den Leitlinien der Deutschen Atemwegsliga als einer der wichtigsten Bestandteile der Therapie bei COPD angegeben. Die positiven Effekte auf die Atemnot seien durch mehrere kontrollierte Studien belegt, gibt der gemeinnützige Verein an. Um Ihre Atemnot zu reduzieren, sollten Sie zweimal wöchentlich Lungensport treiben. In einer Lungensportgruppe (Adressen über Ihre Krankenkasse) trainieren Sie unter fachkundiger Anleitung Ausdauersportarten wie Nordic Walking, Radfahren und Schwimmen und erlernen dabei unterstützende Entspannungs- und Atemtechniken.

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