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Schulteroperationen: Fortschrittliche Techniken machen das Gelenk beweglich

Endlich. Die Temperaturen steigen und Sie genießen es in Ihrem Garten wieder mit anzupacken, zum Beispiel beim Heckenschneiden. Bis vor kurzem hatten Sie noch alle Hoffnung fallen lassen – wegen der chronischen Schulterschmerzen. Aber Dank einer Operation am Schultergelenk hat sich das geändert.

Viele Tausend Menschen in Deutschland suchen jedes Jahr wegen Schulterschmerzen einen Arzt auf. Für viele heißt die Lösung Bewegungstherapie, damit die Schultermuskulatur gestärkt wird. Bei anderen Patienten ist eine Operation erforderlich. In den letzten 10 Jahren wurden die Operationstechniken deutlich weiterentwickelt.

Einige Eingriffe und Verfahren, für die früher große Zugänge bzw. Einschnitte nötig waren, können jetzt über kleine Schnitte durchgeführt werden, was mit weniger Schmerzen und einer schnelleren Heilung verbunden ist.

So funktioniert Ihre Schulter

Das Schultergelenk ist eine komplizierte Struktur. Es ist im Wesentlichen aus einem Kugelgelenk aufgebaut, das den Oberarmknochen (Humerus) mit dem Schulterblatt (Skapula) verbindet. Umgeben ist das Gelenk von der so genannten Rotatorenmanschette, die aus 4 Muskeln und ihren Sehnen besteht.

Diese ist durch einen flüssigkeitsgefüllten Schleimbeutel (Bursa) gegenüber den Knochen gepolstert. Die Schulterkapsel enthält widerstandsfähiges Bindegewebe, welches das Schultergelenk umschließt und zusammen mit dem Schlüsselbein (Klavikula) die Rotatorenmanschette stabilisiert.

Die Schulter hat von allen Gelenken die größte Bewegungsfähigkeit. Diese Flexibilität ist aber auch der Grund für viele Schulterprobleme. Durch Alter, Überbelastung oder sturzbedingte Verletzungen können sich folgende Schäden entwickeln, die mit Schmerzen verbunden sind:

  • Tendinitis – Dazu kommt es, wenn sich die Rotatorenmanschette entzündet oder beschädigt ist. Die Sehnen können zwischen den Schulterknochen eingeklemmt sein – als Folge einer Entzündung oder eines Knochenspornes („Überbein“).
  • Riss der Rotationsmanschette – Überbeanspruchung, Sturz oder Verletzung können den Riss verursachen. Das Risiko für einen solchen Riss nimmt mit dem Alter zu.
  • Arthritis – Gewöhnlich beruht der Abbau des Knorpels im Schultergelenk auf Überbeanspruchung, vorhergehenden Verletzungen, Osteoarthritis oder rheumatoider Arthritis.
  • Instabilität des Gelenkes – Wenn das kugelige Ende des Oberarmknochens aus der kleinen Gelenkpfanne rutscht, spricht man auch von „Auskugeln“ (Luxation). Meist tritt dies nach Schulterverletzungen auf.

Wann ein Arztbesuch ratsam ist

Eine gelegentlich leicht steife Schulter ist noch kein Grund für einen Arztbesuch. Ziehen Sie aber einen Arzt zu Rate, wenn Ihre Schulter schmerzt oder die Steifheit bereits folgende Konsequenzen hat:

  • Einschränkung Ihrer Fähigkeit, Ihren Alltag zu bestreiten oder Freizeitaktivitäten nachzugehen,
  • nächtliches, schmerzbedingtes Erwachen,
  • Dauer länger als eine Woche.

Es gilt die Regel, dass Sie direkt nach einer schweren Schulterverletzung Ihren Arzt aufsuchen sollten, oder wenn Sie Ihren Arm nicht mehr benutzen können. Um die Ursache für Ihre Schulterschmerzen zu finden, wird Ihr Arzt Sie nach Ihrer genauen Krankengeschichte fragen.

Die Untersuchung betrifft im Allgemeinen die Beweglichkeit Ihrer Schulter, die Gelenkstabilität sowie die Stärke und den Herd der Schmerzen. Weitere Bild gebende Verfahren können hinzugezogen werden: Röntgenbild, Computertomografie (CT) oder Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT) Mit der MRT lassen sich die Weichteile der Schulter, wie Sehnen und Bänder, am besten darstellen.

Ein Arthrogramm ist eine weitere Diagnosemöglichkeit. Dazu wird ein Kontrastmittel in Ihre Schulter gespritzt, um anschließend mit Röntgenstrahlen, CT oder MRT ein Bild zu erstellen. Manchmal greifen Ärzte auch auf Ultraschall zurück. Werden eine Rheumatoide Arthritis oder andere entzündliche Gelenkerkrankungen vermutet, können Analysen von Blut und Gelenkflüssigkeit sinnvoll sein.

Diese operativen Verfahren können zum Einsatz kommen

Die Techniken, die für Schulteroperationen zur Verfügung stehen, haben sich auch in den letzten 10 Jahren weiterentwickelt. Obwohl viele Fortschritte die (minimal-invasive) Arthroskopie betreffen, gelten Eingriffe mit großen Operationszugängen immer noch als wichtige Methoden, um bestimmte Schultererkrankungen zu reparieren. Folgende Verfahren können zum Einsatz kommen:

  • Arthroskopische Chirurgie – Diese Form der Operation erlaubt Ihrem Chirurgen über einen kleinen Einschnitt am Schultergelenk zu arbeiten. Das bleistiftdünne Arthroskop ist mit Linsen und Lichtleitern ausgestattet, sodass sich das Gelenk auf einem Bildschirm betrachten lässt. Andere kleine Einschnitte ermöglichen den Zugang für chirurgische Instrumente, mit denen der Schaden am Schultergelenk behoben werden kann. Eine Arthroskopie wird meist ambulant und unter örtlicher Betäubung oder Vollnarkose vorgenommen. Die Arthroskopie eignet sich zum Glätten der Knochenoberfläche und zur Behandlung von Gelenkinstabilität und einigen Rissen der Rotatorenmanschette.
  • Konventionelle Operation (Offene Chirurgie) – Bevor Chirurgen die Arthroskopie entwickelten, wurden alle Schulteroperationen offen vorgenommen. Bei dem klassischen Verfahren ermöglicht eine große Operationsöffnung freie Sicht und Zugang zum Gelenk. Diese Technik wird dann eingesetzt, wenn die Rotatorenmanschette stark eingerissen ist oder das Schultergelenk durch eine Prothese ersetzt werden muss.

Je nach Ausmaß der Gelenkschädigung wird manchmal nur ein Teil des Gelenks (Hemiarthroplastike) oder Kugel mit Gelenkpfanne (Totaler Schulterersatz) ausgetauscht. Die Ersatzteile (Prothesen) bestehen meist aus einer Metalllegierung oder einem Kunststoff.

Die Prothese wird entweder mit einem speziellen Zement im Knochen verankert oder sie fördert die Bildung von neuem Knochengewebe an derselben Stelle. Eine Gelenkersatzoperation wird meist unter Vollnarkose durchgeführt und bedingt einen mehrtägigen Aufenthalt im Krankenhaus.

Die Heilung nach einer Schulteroperation kann lange dauern und hängt von verschiedenen gesundheitlichen Faktoren ab. Manchmal dauert es bis zu 6 Monate, um sich vollständig von einem arthroskopischen Eingriff an der Rotatorenmanschette zu erholen.

Nach einem minimal-invasiven Eingriff zur Knochenglättung kann die Heilung immer noch 2 bis 3 Monate in Anspruch nehmen. Bei einem Gelenkersatz der Schulter muss man mit 3 bis 6 Monaten Abheilungszeit rechnen.

Unabhängig davon, ob Sie einen arthroskopischen Eingriff zur Reparatur eines Rotatorenmanschettenrisses oder eine offene Operation haben vornehmen lassen, benötigen die Sehnen immer dieselbe Zeit zur Abheilung. Trotzdem kann die Heilung bei Arthroskopien auf Grund der kleineren Zugänge bzw. Einschnitte einfacher verlaufen.

Rehabilitation und Bewegungstherapie sind entscheidende Faktoren bei jeder Art von Schulteroperation. Obwohl diese Nachbehandlungsphase langwierig sein kann, profitieren Sie von einer engen Zusammenarbeit mit Ihrem Physiotherapeuten, da dieser für Ihre Schulter ein individuelles Trainingsprogramm zusammenstellt.

Dadurch können Sie Ihre alte Beweglichkeit wiedererlangen. Kräftigende Übungen gehören zum Standardrepertoire des Schultertrainings. Übungen, die die Schultermuskulatur kräftigen, unterstützen die Heilung nach einer Schulteroperation.

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