Plastische Chirurgie: Warum legen sich so viele unters Messer?
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Das eigentliche Bedürfnis, das hinter allen kosmetischen Eingriffen am gesunden, medizinisch nicht operations-bedürftigen Körper steht, wird durch keine Operation befriedigt: das Bedürfnis nämlich, als Frau in jedem Alter genau so anerkannt und geliebt zu werden, wie sie eben ist und aussieht.
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Hat sie einmal angefangen, sich operativ verjüngen bzw. verschönern zu lassen, bleibt immer noch etwas „nachzubessern“, eine innere Leere zu füllen, die nur durch fraglose (Selbst-)Liebe gefüllt werden könnte.
Ganz besonders für Frauen, die sich einem Partner und dessen Schönheitsidealen zuliebe unters Chirurgenmesser begeben haben, gibt es oft ein böses Erwachen, wenn der Mann sie trotzdem verläßt, sich trotzdem einer Jüngeren, Schöneren zuwendet – oder einfach: einer anderen Frau, die ihm nicht ständig durch die Zahl gemeinsam verbrachter Jahre sein eigenes Alter vor Augen führt. „Fünf Brustoperationen habe ich hinter mir, weil es bei der ersten Komplikationen gab“, sagte eine Fünfundvierzigjährige unlängst in einer Fernsehsendung. „Mein Mann, für den ich das alles tat, hat sich schließlich doch von mir scheiden lassen, weil er meine operativ verunstalteten Brüste genauso scheußlich fand wie ehemals meinen Hängebusen.“
Diese Frau hatte Glück im Unglück: Sie fand (wieder) zu sich selbst – und dann auch einen neuen Partner, der sie „als ganze Frau mag, nicht nur als Trägerin von Brüsten“.
Was oft dahintersteckt
Das eigene Selbstbewußtsein zu heben, für andere attraktiv(er) zu sein: Nicht immer ist der tiefere Grund, der Frauen (und Männer) zu chirurgischen Veränderungen ihres eigenen Körpers treibt, so vergleichsweise einfach aufzuspüren. Manchmal ist er tief in der familiären Geschichte verborgen, ja den Betroffenen selbst nur in Augenblicken ungewöhnlicher Offenheit zugänglich.
„Ich habe meine Nase immer gehaßt; sie gleicht so sehr der meines Vaters,“ platzte eine Dreißigjährige vor der TV-Talkshow über kosmetische Operationen im Schminkraum des Senders unvermittelt heraus. Welche Gefühle brachte sie also ihrem Vater entgegen? „Und warum haben Sie Ihre Nase operieren lassen?“ fragte sie der Moderator später vor laufender Kamera. Sie sah einen Moment lang zu Boden und antwortete dann trotzig: „Ich habe es ganz allein für mein Aussehen getan.“ Dafür, eine sehr private Wahrheit vor einem Millionenpublikum zu verschweigen, gibt es gute Gründe. Möglicherweise half es dieser jungen Frau tatsächlich ein wenig, nicht mehr täglich im Spiegelbild an das Vater-Trauma erinnert zu werden, das sie offenbar mit sich herumtrug. Aber ob es durch die kosmetische Korrektur (allein) weniger schmerzlich oder gar überwunden wurde, ist sicher zu bezweifeln.