Plastische Chirurgie
In der Mitte ihres Lebens spielt so manche Frau mit dem Gedanken, die Spuren des Älterwerdens chirurgisch beheben zu lassen. Doch sollte sie sich das mehr als dreimal überlegen. Die Kosten sind erheblich, und nach einigen Jahren nimmt die Natur doch wieder ihren Lauf. Zudem birgt jede Operation das Risiko unerwünschter Nebenwirkungen.
Oft fängt es – scheinbar – ganz harmlos an. Bloß ein bißchen die Tränensäcke gestrafft, damit eine Frau nicht mehr bei jedem Blick in den Spiegel mit dem biologischen Alter konfrontiert wird, das ihrem „inneren Alter“ um Jahre vorauszueilen scheint. Aber könnten sich nicht bei dieser Gelegenheit die Oberlider gleich auch in Form bringen lassen und die Kinnlinie, die sich mit fünfzig nicht mehr so straff an den Kiefer schmiegt wie einst im Lebensmai? Und was wäre mit einer Liposuction, einer Fettabsaugung der Oberschenkel?
Angesichts ihres Körpers, der ihr das Ende der Jugend anzeigt, schrumpft das Selbstbewußtsein so mancher Fünfzigerin. Vielleicht sollte ich ja wirklich, überlegt sie. Und damit niemand etwas merkt, tue ich so, als verreise ich ein paar Wochen...
Risiken und Nebenwirkungen
Über etwaige, auch seltene Gefahren von kosmetischen Operationen muß der behandelnde Arzt vorab gründlich aufklären, sonst darf er, rechtlich gesehen, das Skalpell gar nicht erst ansetzen.
Ein gewisses Risiko birgt jede Operation und jede Anästhesie. Ist eine Operation, auch eine kosmetisch korrigierende, medizinisch angezeigt, wird das Risiko des Eingriffs sorgfältig gegen die Schwere des bestehenden Zustandes abgewogen. Mindestens genauso wichtig ist dies natürlich, wenn es darum geht, sich nur um der jugendlichen Erscheinung willen unter das Messer zu begeben. So spult sich vor der verschönerungswilligen Klientin eine beachtliche Liste möglicher Gefahren ab. Sie reicht vom anaphylaktischen Schock bei Allergie gegen das verabreichte Narkotikum über Nervus-facialis-Paralysen (Lähmung der Mimik-Nerven) bei unvorhersehbaren anomalen Faserverläufen, die mögliche Verletzung des Lidhebemuskels und damit die Gefahr, daß das Oberlid gelähmt herabsinkt, oder das Risiko einer Austrocknung der Augenbindehaut, die zur Erblindung führen kann, falls die gestrafften Gewebe keinen Lidschluß mehr erlauben sollten, bis hin zum chronischen Triefauge, falls am Tränensack ein Millimeter zu viel weggeschnitten wurde, von unbotmäßigen Keloiden (Narbenwucherungen) ganz zu schweigen.
Alle diese Komplikationen sind zwar nicht häufig, aber möglich. Selten glaubt eine Frau, daß es gerade sie treffen wird.
Hilfe zur Selbstbehauptung?
Wieder schön sein oder endlich schön werden – welche Frau will das nicht! Vor allem, wenn sie in letzter Zeit immer häufiger erleben mußte, wie ihr Partner jüngere, glatthäutige, schmalhüftige Frauen mit begehrlichem Blick betrachtet und sich nachts von ihr weg auf die andere Seite dreht. Oder wenn der Chef, für den sie so lange tätig war, ihr die hübsche junge Frau zur Seite stellt – „zum Einarbeiten, Frau X, das kann keine wie Sie!“. Das Kompliment schmeckte schal, denn dahinter spürte sie das Gespenst der Kündigung. Und neulich, als sie den schicken Rock aus der Auslage anprobieren wollte, beschied sie die Verkäuferin, der sei aber nur „in jungen Größen“ da... So etwas tut weh – und deprimiert zusätzlich in den Wechseljahren.
Bei uns haben es Frauen schwer, unbehelligt in Würde zu altern, ja auch nur mit völlig natürlichen Lebensspuren unbefangen umzugehen; z. B. mit Brüsten, die der Schwerkraft nachgeben, mit Schwangerschaftsstreifen oder weiblichen Fettpölsterchen an Bauch und Hüften. Jugendlichkeits- und Schlankheitswahn, in sämtlichen Medien ausgebreitet, nagen tagtäglich am weiblichen Selbstwertgefühl. Bei rund achtzig- bis neunzigtausend deutschen Frauen pro Jahr wirkt die unausgesetzte Gehirnwäsche so erfolgreich, daß es sie zum kosmetischen Chirurgen zieht. (Auch bei dreißig- bis vierzigtausend Männern, die mit Tränensäcken und Hängebäuchen um ihre Berufschancen fürchten oder mit Haartransplantationen ihrer Glatze zu begegnen hoffen.)
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