Chiropraktik: Hände weg von der Halswirbelsäule
Helmut Erb in Fit in 8 Minuten zum Thema Sportmedizin
vom 11. März 2010, 05:00 Uhr
GNL5223
Was von der Chiropraktik zu halten ist, wollte Leserin Ursula von mir wissen. Denn sie hat Probleme mit der Halswirbelsäule. Ich kenne die Chiropraktik nicht aus eigener Anschauung. Meine Frau hat mir aber schon einige Male erbost erzählt, dass Orthopäden ihr ungefragt und ohne Vorankündigung die Halswirbelsäule „eingerenkt" hätten. Sie hatte diese wegen heftiger Gelenkschmerzen aufgesucht, die sich später als akute bakterielle Entzündung entpuppten.
Generell gilt die Chirotherapie als ungefährlich, sofern sie fachgerecht ausgeführt wird. Leichte Nebenwirkungen können muskelkaterähnliche Schmerzen im Schulter- und Nackenbereich sowie ein leichter Schwindel sein. Problematisch bis lebensgefährlich kann es jedoch bei Manipulationen an der Halswirbelsäule werden. Das bestätigen unter anderem Befunde der Berliner Charité. Der Grund: Direkt neben der Halswirbelsäule verläuft die so genannte Vertebralarterie, die das Gehirn mit Blut versorgt. Bei einer zu starken Kopfdrehung kann diese verletzt werden. Das geschieht eher, wenn die Ader bereits vorgeschädigt ist. Dann reißt die Gefäßwand ein. Es besteht die Gefahr, dass ein Blutgerinnsel entsteht und zu wandern beginnt. Die Folgen können bis hin zu Lähmungen und Schlaganfällen gehen. Das Risiko steigt natürlich, je dilettantischer der Therapeut arbeitet.
Eine kanadische Studie kam vor einiger Zeit zu erschreckenden Ergebnissen: Für fast 40 Prozent aller von der Kanadischen Schlaganfallgesellschaft untersuchten Schlaganfälle von unter 45-Jährigen, die ihre Ursache in Schäden der Halsarterie hatten, seien Chiropraktiker verantwortlich. Daraufhin wurde ein Verbot von chiropraktischen Eingriffen an der Halswirbelsäule gefordert. Der Arzt muss Sie über die Gefahr dieser sehr seltenen, dafür aber umso folgenschwereren Schädigung der Halsschlagader aufklären. Bei Beschwerden der Halswirbelsäule sollte vor Beginn der Behandlung unbedingt eine Röntgenaufnahme vorliegen. Es muss ausgeschlossen sein, dass an die Arterie bereits vorgeschädigt ist, etwa durch eine Arteriosklerose. Immer mehr Fachärzte sind zu der Ansicht gelangt, dass das Risiko eines solchen Zupackens nicht durch einen entsprechenden Nutzen gerechtfertigt wird. Sie raten dringend vom Einrenken an der Halswirbelsäule ab.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Martina Witzel (11.03. 2010 12:04 Uhr):
zur Abrundung der Thematik wäre vielleicht der Hinweis auf die ganzheitliche Behandlung durch Osteopathen sinnvoll - denn für sie gehört die HWS in der Behandlung eher zu den einfachen Fällen, hingegen ist die Behandlung der LWS dort das schwierigere Fachgebiet.
Antworten - Kommentar von Bernd Zielinski (11.03. 2010 14:48 Uhr):
Sehr geehrte Damen und Herren; nach dem lesen dieses Beitrages frage ich mich, worauf läuft ihre Feststellung der Vorsicht hinaus? Verwechseln sie hier nicht Äpfel mit Birnen? Auf der einen Seite sprechen Sie von Chirotherapeuten und auf der anderen Seite von Chiropraktiker. Das sind zwei verschiedene Berufsausführungen. Der Chirotherapeut ist für Blokaden, volksmundlich Knocheneinrenker, zuständig und der Chiropraktiker ist für die sanfte Behandlung sprich Nervenbahnendiagnostik verantwortlich. Die Orthopäden schauen sich auf der Grundlage von Röntgenaufnahmen an ob irgendwelche Brüche etc. vorhanden sind. Sehen sie keine 0bjektivität und es sind trotzdem Schmerzen/Symptome vorhanden wird man fast schief angeschaut. Meist mit dem Gedanken man sollte doch mal eine psychosomatische Beratung in Anspruch nehmen. Um hier eine bessere Vorstellung von der Chiropraktik zu bekommen möchte ich folgende Literatur empfehlen: Chiropraktik, Mit den Händen getan oder man informiert sich mal unter folgender Internetseite www.chiropraktik-bund.de. Leider muß man die Kosten der Behandlung selber tragen. Mir persönlich hat kein Orthopäde einschl. Kur helfen können. Erst mein Chiropraktiker, nicht Chirotherapeut, konnte nach eingehender Anamnese unter Hinzuziehung von Röntgenaufnahmen sagen wo mein Problem an der Halswirbelsäule nach einem Unfall liegt. Persönlich mußte ich leidvoll erfahren, daß es in Deutschland keine Patienten gibt sondern nur Kostenträger. Ich würde mich über weitere Kommentare zu diesem o.g. Beitrag freuen. Mit freundlichen Grüßen Bernd Zielinski
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