Chaos ist das halbe Leben
Naturmedizin aktuell
vom 04.07.2007 06:00 Uhr
GNL5356
Ordnung ist das halbe Leben, sagt man. Chaos prägt die andere Hälfte. Doch welche ist die bessere? Haben Sie als Frau auch schon festgestellt, dass Ihre bessere Hälfte ein ganz entspanntes Verhältnis zum Chaos hat? Da kann sich Geschirr bis zur Höhe des Eifelturms stapeln, können die Fenster nicht mehr durchschaubar sein und Wollmäuse ohne Ende durch die Wohnung toben, doch „er“ sitzt glückselig lächelnd vor dem Radio und lauscht der Bundesliga-Übertragung. Mitten in Schmutz und Unordnung sagt er wohlig: „Lass doch Liebling, morgen ist doch auch noch ein Tag!“ Doch morgen ist für ihn frühestens übernächste Woche. Und bis dahin haben Sie schon 7-mal die Wohnung geputzt.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass Männer ein Problem mit ihrer Wahrnehmung haben. Sie sehen schlicht nicht, was im Haushalt zu tun ist. Und wenn sie etwas sehen, dann stört es sie nicht im Mindesten. Wahrscheinlich haben sie bereits in den Windeln begriffen, dass es auch ohne ihr Zutun immer wieder sauber wird. So bleibt Schrubben, Waschen, Bügeln und Wischen an den Frauen kleben wie ein angedetschtes Maoam in Ihrer Manteltasche.
Eine Untersuchung der Universität Graz gewann neue Einblicke in das Putzverhalten von Paaren. Den Wissenschaftlern fiel auf, dass Männer absolut davon überzeugt sind, sich in Sachen Hausarbeit durchaus gleichberechtigt zu verhalten. Bei näherem Besehen entpuppt sich das jedoch allzu oft als reines Wortgeklingel.
Wort und Wirklichkeit? – In Sachen Hausarbeit zwei verschiedene Paar Schuh
Wenn es um die Verteilung ungeliebter Hausarbeiten geht, aktivieren die Männer ihr Unsichtbarkeits-Gen. Sie sind einfach nicht da, wenn die Kuh das Wasser lässt. “Nur 15 % von ihnen unterstützen ihre Partnerin beim Bügeln. Nur 29 % helfen den Frauen, das Bad zu reinigen oder sich um die Wäsche zu kümmern“, so die Erkenntnisse der Grazer Forscher. Anderen Studien zufolge werden 90 % der Hausarbeit nach wie vor von Frauen bewältigt. Voll erwerbstätige Frauen werkeln täglich im Schnitt noch 3 Stunden im Haushalt – so das Statistische Bundesamt.

Nach etwa 12 Ehejahren geht die Bereitschaft des männlichen Geschlechts zur tätigen Mithilfe im Haushalt gegen Null. „Je länger eine Ehe dauert, desto mehr verfestigen sich geschlechtstypische arbeitsteilige Strukturen im Lebensalltag und desto schwieriger wird es, die Männer dazu zu bewegen, sich stärker zu beteiligen“, so das Fazit der Bamberger Familienforscher Florian Schulz und Hans-Peter Blossfeld, die ebenfalls zu diesem Thema eine Studie machten. Diese Entwicklung, so sagen sie, sei durch nichts aufzuhalten. Ausgerechnet bei den Paaren mit höherem Einkommen und Bildungsstand, die am Anfang ihrer Beziehung viel Wert auf Partnerschaftlichkeit legten, befindet sich die Beteiligung des Göttergatten in freiem Fall. Spätestens nach der Geburt des 1. Kindes muss die Frau das Meiste allein schultern – egal ob sie berufstätig ist oder nicht. Das kann on the long run auch das Ende der Ehe bedeuten.
Ehen scheitern vor allem an Kleinigkeiten
Ehen scheitern vor allem an Kleinigkeiten wie achtlos liegen gelassenen Handtüchern auf dem Fußboden des Bades, vermeldete kürzlich auch die Nachrichtenagentur dpa. Jetzt ist es endlich wissenschaftlich erwiesen: Es sind die Kleinigkeiten wie Nasebohren oder das Verstellen der Radiosender im Auto, die Beziehungen und Ehen scheitern lassen. “Schlechte Angewohnheiten, die im Grunde nicht schwer ins Gewicht fallen, scheinen das Gefühlsleben eines Partners in einer Weise zu beeinträchtigen, die an Allergien erinnert“, sagt Michael Cunningham von der Universität Illinois, der Leiter der Studie. Wie bei der allergischen Irritation des Immunsystems fällt die erste negative Reaktion auf die nicht zugeschraubte oder unregelmäßig ausgedrückte Zahnpastatube wohl unmerklich aus, um sich dann bei wiederholtem „Kontakt“ hochzuschaukeln.
Die meist genannten beziehungskillenden Unarten
Zu den meist genannten beziehungskillenden Unarten gehören der Untersuchung zufolge die Verwendung kindischer Kosenamen im Beisein Dritter, zu viel Urlaubsgepäck, zu lange Einkaufstouren, erfundene Anekdoten, mit denen der Partner in der Gesellschaft von Freunden glänzt, Lachen über eigene Witze und kritische Anmerkungen zur Kleidung des Partners. Auch das Liegenlassen von Handtüchern auf dem Badezimmer-Boden, unterlassenes Auswechseln der leeren Toilettenpapierrollen und wenn der Mann beim gemeinsamen Gucken von Horrorfilmen vor Angst schlottert, kann das direkt von den Scheidungsrichter führen.
Sie schmunzeln? Sehen Sie! Dann sind Sie wahrscheinlich eine Frau! Wie oft haben Sie schon leise vor sich hin gemurrt, wenn der Badezimmerspiegel nach dem Rasieren aussieht, wie eine schlecht gemachte Sahnetorte, oder haben sich gewundert, wie ein Mensch so duschen kann, dass es anschließend von der Badezimmerdecke tropft? Erinnern Sie den allgegenwärtig herumliegenden benutzten Zahnstocher, den nicht ausgeputzten Aschenbecher, die Lautstärke des Fernsehgeräts zur Zeit der Sportschau, das herausgepopelte Innere vom Brötchen morgens auf dem Frühstücksteller, das Chaos im Kühlschrank, wenn Sie nach dem Einkaufen nicht selbst einräumen, seine Vorliebe für gelbkarierte Schlipse, gemeinsame Handwerkereien, bei denen Sie die den Part der Firma „Hol mal schnell, ich habe gerade die Hände in den Hosentaschen“ übernehmen und Schrauben und Dübel apportieren wie Nachbars Hündchen die Morgenzeitung, seine viel zu enge Motorradhose, die Sprüche, wenn er „einen zuviel hat“, das dämliche Käppi vom letzten Badeurlaub, sein merkwürdiger Dress-Code, wenn Sie gemeinsam ausgehen undundund.
Umgekehrt ist es ... nicht genauso. Denn Männer scheinen ihren Frauen die störenden Kleinigkeiten eher nachzusehen. Diese gehen ihnen offenbar ebenso 10 Zentimeter an der Wahrnehmung vorbei wie die Wollmäuse auf den hellen Fliesen. Das wiederum kann uns ja eigentlich nur recht sein. Doch ist es das auch? Die meisten Trennungen und Scheidungen gehen heute von den Frauen aus.
Dennoch: Wenn Sie es sachlich betrachten, ist es einigermaßen peinlich, sich und anderen eingestehen zu müssen, eine Beziehung sei gescheitert, weil er jeden Morgen das Waschbecken mit dem Händehandtuch für Gäste saubermacht und dieses dann im Bad schlapp abhängt wie nach einer durchtanzten Nacht? Oder weil er seine Klamotten überall herum liegen lässt, pausenlos durch die Fernseh-Programme zappt, die Zeitung auf der Toilette liest, immer später von der Arbeit nach Hause kommt als angekündigt oder vergisst, unterwegs die Brötchen einzukaufen? Weil er nicht mit saubermacht?
Wie sehen Sie das?
Ihre Sylvia Schneider
P. S.: Dabei macht Hausarbeit sexy. Eine Umfrage ergab, dass Frauen ihren Mann umso attraktiver finden, je mehr er ihnen im Haushalt hilft. Sie haben mehr Lust auf ihn und seine Zärtlichkeiten, wenn er zuvor aus eigenem Antrieb die Ärmel aufkrempelt und zu Schrubber und Putztuch greift. Also: An die Besen, Ihr Männer!