Brustkrebs: Achselausräumung viel zu häufig
Sylvia Schneider in Naturmedizin aktuell zum Thema Brustkrebs
vom 8. November 2011, 06:00 Uhr
GNL5356
Offenbar kann man vielen Brustkrebspatientinnen mehr Lebensqualität schenken, indem man ihnen die Ausräumung der Lymphknoten in den Achselhöhlen erspart. Das gilt sogar, wenn ein oder zwei Lymphknoten befallen sind. Es sei nachgewiesen, dass Frauen mit frühem Mammakarzinom und brusterhaltender Operation dadurch keine Nachteile entstehen, erklärte Prof. Bernd Gerber vom Rostocker Universitätsklinikum am Klinikum Südstadt in einem Gespräch mit dem Ärztefachblatt „Medical Tribune".
Nach einer Brustkrebsoperation mit Entfernung der Lymphknoten kommt es meist zu einem Ödem. Dabei schwillt der Arm an, in dessen Achsel Lymphknoten entfernt wurden. Das kann in geringem Ausmaß der Fall sein, so dass sich die betroffene Frau es kaum merkt, es kann jedoch auch Ausmaße von Krankheitswert annehmen. Das Lymphödem kann sich rasch nach der Operation entwickeln, kann schnell wieder verschwinden. Es tritt jedoch auch manchmal Jahre später auf oder bleibt über lange Zeit ein „treuer" Begleiter. Aufgrund der schonenderen Operationsmethoden tritt das Lymphödem heute seltener auf als früher, wo es fast jede betroffene Frau traf.
Rein medizinisch gesehen ist das Lymphödem ein Abflussproblem. Die amerikanische Brustkrebsspezialistin Dr. Susan Love erklärt dies so: " Normalerweise fließt Lymphflüssigkeit durch die Lymphgefäße, passiert die Lymphknoten und wird in Herznähe dem Blut wieder hinzugefügt. Lymphknoten wirken wie ein Sieb, sie entfernen Fremdmaterial und Bakterien. Wenn eine Operationswunde vernarbt, werden diese Abflusswege unter Umständen blockiert, und es kommt zu Stauungen."