Blutegel sind treue "Ausleiter"
Sylvia Schneider in Naturmedizin aktuell zum Thema Blutegel
vom 11. Mai 2011, 06:00 Uhr
GNL5356
der Blutegel ist ein Verwandter des Regenwurms und seit Jahrhunderten ein „treuer Mitarbeiter" bei ausleitenden Verfahren. Insgesamt kommen nach Schätzungen von Experten zur Zeit jährlich bereits 400.000 Blutegel zum Einsatz. Das Tier beißt in einer Art sanfter Mini-Aderlass mit seinen drei Kiefern gleichzeitig ins menschliche Fleisch und bringt mit seinem Speichel heilende Wirkstoffe in den Körper. Blutegel werden unter anderem heute bei Gürtelrose, Tinnitus, Migräne, Arthrosen, nach Transplantationen oder bei Bandscheibenvorfällen eingesetzt. Der „egelige" Arzneicocktail enthält unter anderem den blutgerinnungshemmenden Stoff Hirudin. Diese hält die Bissstelle offen und das Blut fließfähig. Dann fließen antibiotisch wirksame, antientzündliche und histaminähnliche Stoffe ins Blut, die die Heilung anstoßen. Der Blutentzug beruhigt darüber hinaus, wirkt entstauend, entzündungshemmend und krampflösend.
Der Therapeut fängt vorsichtig mit ein bis zwei Egeln an. Meist werden maximal vier Blutegel gleichzeitig auf die Haut gesetzt. Um ihren Appetit anzuregen, wird vorher die Haut etwas angeritzt. Dann sucht sich das Tierchen schnell seine Nahrungsquelle und verleibt sich etwa 20 Milliliter Blut ein. Damit kommt es dann ein bis zwei Jahre aus, bis es wieder Nachschub braucht. Der Biss ist fast schmerzlos. Nur ein kleiner Juckreiz macht sich manchmal bemerkbar. Ist der Egel satt, fällt er von selbst ab. Die Bissstelle blutet noch bis zu 24 Stunden weiter nach, was erwünscht ist. Die Erfolge stellen sich erstaunlich rasch ein, so die Experten.
Die Blutegeltherapie kann nur auf ärztliche oder heilpraktische Anweisung hin erfolgen, denn sie darf nicht bei allen Erkrankungen eingesetzt werden. Nicht ratsam ist die Therapie etwa bei Krankheiten, die mit einer gestörten Blutgerinnung oder einer höheren Blutungsneigung einhergehen. Auch bei arterieller Verschlusskrankheit wie dem Raucherbein sollte darauf verzichtet werden. Gelegentlich kommt es nach der Therapie zu sehr langen Nachblutungen. Hin und wieder entwickeln sich Narben, allergische Reaktionen oder - extrem selten - Eiterungen.
Bleiben Sie natürlich gesund!
Ihre Sylvia Schneider