Biosiegel: Welchen Lebensmittel-Anbietern Sie vertrauen können
Dr. Ulrich Fricke in Täglich Gesund zum Thema Bioprodukte
vom 22. März 2010, 16:00 Uhr
GNL5356
Welche Kriterien muss ein Lebensmittel eigentlich erfüllen, damit es das begehrte Prädikat „Bio" verdient? Die Europäische Union schreibt vor, dass diese Produkte u. a. gentechnisch nicht verändert sein dürfen. Außerdem sind bei der Herstellung Pestizide (Schädlingsbekämpfungsmittel) oder Kunstdünger verboten.
Für Biofleisch gilt: Die Tiere sind nicht mit Antibiotika und Wachstumshormonen behandelt worden, wie es bei Massentierhaltung üblich ist. Weite Wege zum Schlachthof werden vermieden, um ihnen den quälenden Transport zu ersparen. Generell enthalten Biofertiglebensmittel deutlich weniger Zusatzstoffe (erkennbar an der Liste mit „E-Nummern") als konventionelle Nahrungsmittel.
Diese Gesundheitsrisiken vermeiden Sie durch Biolebensmittel:
- Pestizide können Krebs erregen und das Hormonsystem schädigen.
- Antibiotika in der Tiermast erzeugen Antibiotikaresistenzen.
- Zusatzstoffe können Allergien auslösen und bremsen das Immunsystem.
- Gentechnisch veränderte Lebensmittel bergen ein Allergierisiko.
- Wachstumshormone im Fleisch stehen in Verdacht, Leukämie und Diabetes zu begünstigen.
- Nitrat-Dünger kann das Krebsrisiko erhöhen.
- Durch künstliche Düngung, schnelle Wuchszeiten, ungünstige Erntezeitpunkte sowie lange Transportwege und Lagerung gehen viele Vitalstoffe verloren.
Die Einhaltung der Bioregeln überwachen Anbauverbände, denen sich die Biobauern angeschlossen haben, beispielsweise Demeter, Bioland, Biokreis, Naturland oder Ökosiegel. Diese haben die EU-Mindestanforderungen an Bio-Lebensmittel für ihre eigenen Produkte teilweise verschärft. Vorsicht: Mittlerweile nutzen viele Anwender die Bezeichnung „Bio"! Tatsächlich aus biologischer Landwirtschaft sind aber nur solche, die ein offizielles Siegel tragen.
Biolebensmittel enthalten mehr Vitamine und Mineralien
Dass Sie mit Bioprodukten Ihrer Gesundheit nur Gutes tun, konnten bereits zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen. So wertete im Jahr 2005 die britische Soil Association (Biobauern-Vereinigung Großbritanniens) in Bristol 41 Studien zu Biolebensmitteln aus. Das Ergebnis: Insgesamt liefert Ihnen Gemüse, das ausschließlich mit Kompost oder Stallmist gedüngt wurde, durchschnittlich 28 % mehr Vitamin C als solches aus konventionellem Anbau. ähnlich gut schnitten die Biolebensmittel beim Mineralstoffgehalt ab.
Ein zehnjähriger Anbauversuch der Universität von Kalifornien in Davis/ USA aus dem Jahr 2007 hat außerdem gezeigt, dass Bio-Tomaten gegenüber herkömmlichen Tomaten einen bis zu 97 % höheren Gehalt an Flavonoiden aufweisen. Diese sekundären Pflanzenstoffe fangen zellschädigende freie Radikale in Ihrem Körper ab (Antioxidantien) und senken so Ihr Risiko für Krebs, Gefäßerkrankungen und Entzündungen.
Ein weiterer Vorteil von Bio-Obst und -Gemüse für Ihre Gesundheit: Sie müssen es nicht schälen, da es nicht mit Schädlingsbekämpfungsmitteln behandelt wurde. Und das ist wichtig, weil gerade in der Schale oft die meisten Vitalstoffe stecken: So enthält etwa eine Apfelschale 100-mal mehr Flavonoide als die restliche Frucht. Und die Schale von Tomaten und Paprika ist 50- bis 60-mal reicher an sekundären Pflanzenstoffen als das Fruchtfleisch.
„Glückliche" Schweine und Rinder geben besseres Fleisch
Biolebensmittel sind also deutlich reicher an gesundheitsfördernden Substanzen. Umgekehrt enthalten sie auch weniger Schadstoffe. Wie die britische Untersuchung ebenfalls zeigte, weisen Bio-Orangen bis zu 30 % weniger Nitratrückstände auf. Die zum Düngen eingesetzten Nitrate können im Darm zu Nitrit umgebaut werden, was wiederum krebserregend wirkt. Ein Kopfsalat aus ökologischem Anbau hat beispielsweise nur einen Nitrat-Gehalt von 710 mg/kg im Gegensatz zum konventionellen Anbau mit 1.170 mg/kg oder gar zum Treibhaus-Salat mit 3.200 mg/kg. Als Erwachsener sollten Sie übrigens nicht mehr als etwa 220 mg Nitrat pro Tag zu sich nehmen.
Auch mit Biofleisch holen Sie sich ein „Stück Gesundheit" auf den Tisch: Von den meisten Ökoverbänden werden Grünfutter und regelmäßige Weidegänge für die Tiere vorgeschrieben. Und das hat messbar positive Folgen: Das Fleisch dieser Tiere enthält z. B. doppelt so viel entzündungshemmende und gesundheitlich sehr wertvolle Omega-3-Fettsäuren wie Fleisch von Tieren, die nur im Stall stehen und Kraftfutter erhalten. Das hat eine Untersuchung des Forschungsinstituts für die Biologie landwirtschaftlicher Nutztiere in Dummerstorf bei Rostock im Jahr 2007 ergeben.
Nicht jedes Bioprodukt ist wirklich umweltverträglich produziert
Auch Supermärkte und Discounter sind mittlerweile auf den „Biozug" aufgesprungen. Das ist gut so, denn das macht viele Bioprodukte selbst für kleinere Geldbeutel erschwinglich. Allerdings werden solche Massenprodukte nicht immer auch naturverträglich hergestellt. Umweltschädlich sind u. a. die weiten Transportwege: Ein „Bioapfel" aus Chile hat eine reise um den halben Erdball hinter sich, aber um die alten heimischen Obstbäume auf der Wiese neben dem Supermarkt kümmert sich niemand mehr. Ist das wirklich „Bio"?
Biolebensmittel sollten möglichst regional vermarktet werden, wie es alle Bioverbände fordern. Und dazu können auch Sie beitragen, indem Sie Bioprodukte direkt bei Öko-Betrieben, Hofläden oder auf Wochenmärkten in Ihrer Nähe kaufen. Hier zahlen Sie auch meist weniger als im Bioladen - ein nicht ganz unerhebliches Argument. Denn aufgrund der arbeitsintensiveren Herstellung sind Bioprodukte durchschnittlich 17 % teurer als konventionelle Lebensmittel.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Heinz Vieser (22.03. 2010 16:35 Uhr):
Der Beitrag ist sehr gut: Allerdings ist der Hinweis auf den Wochenmarkt etwas irreführend, denn dort wird einiges vom Großmarkt angeboten, auf dem sich auch die normalen Nicht-Bio-Geschäfte mit Waren eindecken.
Antworten - Kommentar von Anton Mttenhuber (22.03. 2010 20:52 Uhr):
vielen Dank für die sehr nützlichen Informationen über Bio. Wie fast immer hätte es der Verbrauchen durch seine Kaufentscheidung in der Hand, ob Äpfel aus Chile, Kiwi aus Neuseeland usw. eingeführt werden. Anmerken möchte ich dazu den zu beobachtenden Unsinn, ganzjährig alle Obst- und Gemüse-sorten anzubieten. Warum müssen z.B. im Winter Erdbeeren, Tomaten usw. gekauft werden! Abgesehen, dass diese nicht schmecken und die Herstellung und der oft weite Transport die Umwelt stark belasten, nimmt man den Menschen jegliche Vorfreude auf die saisonbedingt erzeugte Ware. Freundliche Grüße Anton Mittenhuber
Antworten - Kommentar von Fischer (22.03. 2010 21:39 Uhr):
Dieser Artikel war für mich sehr informativ. Es wäre schön gewesen. wenn Sie sowohl die verschiedenen richtigen Biosiegel bildlich mit dargestellt hätten als auch die falschen!
Antworten- Antwort von Waltraud Linder (17.07. 2011 14:39 Uhr):
Eine bildliche Darstellung aller Biosigel mit dem Hinweis richtig oder falsch,hätte ich mir auch gewünscht
- Antwort von Waltraud Linder (17.07. 2011 14:39 Uhr):
- Kommentar von Waltraud Linder (06.08. 2011 13:10 Uhr):
Über Biofleisch wäre noch zu sagen,je größer die Nachfrage,um so eher besteht die Gefahr das es wieder in Massenaufzucht endet,Deshalb plediere ich für überschaubare Haltung der Tiere im Freien und natürlich kein zusätzliches Kraftfutter was evtl.noch das Wachstum der Tiere beschleunigt. Noch einen ganz persönlichen Rat:nach Möglichkeit bitte fleischlos leben.Es dient der Gesundheit und kommt der Umwelt zu Gute!
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