Biokosmetik: Nicht alles, was "Bio" heißt, ist auch "Bio"
Sylvia Schneider in Täglich Gesund zum Thema Kosmetik
vom 22. Juni 2011, 16:00 Uhr
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Der Zusatz „Bio" beflügelt heute den Verkauf von Schönheits- und Pflegemitteln. Allein im vergangenen Jahr wurde ein Zuwachs von etwa 13 Prozent bei Artikeln aus dem Bereich Naturkosmetik verzeichnet. Das nahm die Verbraucherzentrale Hamburg zum Anlass, 20 Naturkosmetikprodukte unter die Lupe zu nehmen und zu schauen, was sich denn so alles hinter dem werbewirksamen Gütesiegel „Biokosmetik" verbirgt.
Bei einigen der geprüften Produkte handelte es sich keineswegs um Naturkosmetik. Bei anderen wurden irgendwelche pflanzlichen Inhaltsstoffe ausgelobt, einfach um auf den „grünen Zug mit aufzuspringen". Bei den kritisierten Produkten handelt es sich nicht nur um solche traditioneller Hersteller wie Unilever oder Schwarzkopf & Henkel, sondern auch um Firmen wie Biomaris, Yves Rocher, Biotherm und The Body Shop.
Einer der Gründe: Anders als bei Bio-Lebensmitteln konnte sich die EU bislang auf kein einheitliches Gütesiegel und somit auf keine einheitlichen Qualitätsrichtlinien einigen. Jedes Unternehmen, das nur einige Blütenblätter oder einige Tropfen ätherisches Öl in ihre Cremetöpfe rührt und in den üblichen Chemikalien versenkt, kann seine Produkte bislang noch mit den Prädikaten „Bio" oder „Natur", „natürlich" oder „organic" bewerben.
Aus weit über 500 Chemikalien werden die herkömmlichen Kosmetika zusammengemischt. Dazu gehören unter anderem Konservierungsstoffe, Duft- und Farbstoffe sowie künstliche Fette oder Öle.
Woran erkennen Sie echte Biokosmetik?
Der Bundesverband Deutscher Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzungsmittel und Körperpflegemittel (BDIH) hat bereits vor zehn Jahren für Biokosmeik-Produkte einen Kriterienkatalog aufgestellt.
Inzwischen denkt man darüber nach, ob es sinnvoll ist, auch Kosmetika nach dem Prinzip der Ampel auszuzeichnen:
- Rot stünde dann für Kosmetika ohne natürliche Inhaltsstoffe in Tube oder Tiegel.
- Gelb hieße „naturnahe" Kosmetik.
- Grün wäre die Farbe für echte Biokosmetik.
Die von der Verbraucherzentrale Hamburg untersuchten Produkte fänden sich fast alle im gelben Bereich wieder.
Doch auch bei den „grünen" Bereichen gibt es große Unterschiede: Kosmetika aus dem Reformhaus sind beispielsweise nicht so konsequent grün wie Produkte aus dem Bioladen. Sämtliche tierischen Zutaten sind hier allerdings grundsätzlich tabu. Das wird in den BDIH-Richtlinien nicht so streng gehandhabt.
Naturkosmetik-Pioniere wie Dr. Hauschka, Weleda oder Lavera verwenden für ihre Produkte überwiegend natürliche und hochwertige Rohstoffe. Diese stammen zum Teil aus eigenem Anbau und unterliegen den strengen Demeter-Richtlinien. Solche Produkte haben verständlicherweise ihren Preis. Bereits etwa 10 Prozent des Umsatzes jedoch werden mit billigeren Naturkosmetika von Aldi oder Rossmann erzielt.