Berufsausstieg: Warum Ihr Risiko für tödliche Krankheiten ansteigt
Dr. Ulrich Fricke in Täglich Gesund
vom 14. September 2011, 16:00 Uhr
GNL5356
Endlich Schluss mit der Plackerei, und das „wahre" Leben kann beginnen - so freuen sich die einen auf das Ende ihres Berufslebens. Andere befürchten eher, in das berühmte „tiefe Loch" zu fallen- mit dem Gefühl, überflüssig zu sein. Falls Sie zur letzteren Kategorie zählen, sollten Sie in der Zeit des Ausstiegs aus Ihrem Berufsleben ganz besonders auf Ihre Gesundheit achten. Denn viele Untersuchungen in den letzten Jahren zeigen: Wenn der Wechsel mit negativen Emotionen verbunden ist, kommt es häufig zu gesundheitlichen Problemen.
Diese Krankheiten können durch den Berufsausstieg begünstigt werden:
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Bluthochdruck, Herzinfarkt)
- Kopf- und Rückenschmerzen
- Krebs
- Typ-2-Diabetes
- Arthrose
- Infekte
- Magengeschwüre, Reizdarmbeschwerden
- Depressionen
Mit der neuen Situation klar zu kommen, wird für viele Berufsaussteiger schnell zur Belastung: Sie stehen unter Dauerstress, der dann körperliche Leiden nach sich zieht, z. B. einen erhöhten Blutdruck, Muskelverspannungen oder Magen-Darm-Probleme. Hinzu kommt, dass Sie sich nun eventuell weniger bewegen - was sich negativ auf Ihr Herz-Kreislauf-System auswirkt.
Vielleicht haben Sie auch schon daran gedacht, den Übergang in den Ruhestand fließend zu gestalten und zunächst in Teilzeit weiterzuarbeiten.
Studie belegt: Mit Altersteilzeit bleiben Sie länger gesund
Aus gesundheitlichen Gründen kann Teilzeitarbeit durchaus sinnvoll sein. Das ergab eine Studie der Universität von Maryland in College Park bei Washington/USA aus dem Jahr 2009. Die Wissenschaftler befragten seit 1992 eine Gruppe von 12.189 Amerikanern, damals zwischen 51 und 61 Jahre alt, regelmäßig nach ihren Lebensumständen.
Das Resultat: Senioren, die nicht sofort von einem Vollzeitjob in Rente gingen, sondern mindestens zwei Jahre lang weiter in Teilzeit arbeiteten, hatten gegenüber Vollzeitrentnern ein um 22 % niedrigeres Risiko, an einer der großen Volksleiden zu erkranken (u. a. Bluthochdruck, Diabetes, Krebs, Herzkrankheiten, Arthrose, Depressionen).
Allerdings: Die gesundheitlichen Vorteile ergaben sich nur für Personen, die Teilzeit in ihrem ursprünglichen Beruf beschäftigt waren. Die Forscher führten das auf den Stress zurück, den eine Arbeitsumstellung mit sich bringt.
Nachwuchsmangel ist Ihre Chance für einen aktiven Ruhestand
Wenn möglich, lassen Sie also nicht von heute auf morgen den Hammer fallen. Eventuell können Sie in Ihren letzten aktiven Berufsjahren in Teilzeit Nachwuchs mit ausbilden und so Ihren Erfahrungsschatz weitergeben. Viele Firmen sind sich der Vorteile dieses Modells mittlerweile bewusst, denn es gibt heute eher zu wenig qualifizierte Nachwuchskräfte.
Wie die Teilzeitbeschäftigung im Vorruhestand genau gestaltet wird, müssen Sie mit Ihrem Arbeitgeber abstimmen. Beratung bietet Ihnen zudem die örtliche Arbeitsagentur. So kann es sein, dass Sie mit 60 Jahren damit beginnen und bis zu Ihrem 65. Lebensjahr nur jeden zweiten Tag oder halbtags arbeiten.
Prüfen Sie, ob sich dieser gleitende Ausstieg auch für Sie anbietet. Gesundheitlich werden Sie davon auf jeden Fall profitieren.