Beinwell lindert Zerrungen und Verstauchungen
Sylvia Schneider in Naturmedizin aktuell
vom 06.02.2008 06:00 Uhr
GNL5356
Die Staude ist – das sieht man ihr schon an - verwandt mit dem Borretsch. Wegen ihrer schwarzen Wurzel wird sie mancherorts auch Schwarzwurz genannt. Weitere Volksnamen sind Eselohrwurzel, Hasenlaub, Honigblum, Kuchenkraut, Speckwurz, Wottel und Zottel. Beinwell finden Sie vor allem an Waldrainen, Bachufern und auf feuchten Wiesen.
Die Blüten brechen im Mai bis Juli auf. Sie wachsen in dichten Doppelwickeln und sehen aus wie nickende Trauben. Ihre Farbpalette reicht von Purpur über Violett, Rosa und Gelb bis hin zu reinem Weiß. Die Blätter sind ähnlich haarig wie beim Borretsch.
Arzneilich verwendet werden hauptsächlich die getrockneten Wurzeln, gelegentlich aber auch die Blätter. Die Wurzeln sammelt man im Frühjahr und im Herbst. Im Frühjahr enthalten sie größere Mengen des Heilstoffs Allantoin. Die Wurzeln werden gewaschen, klein geschnitten und getrocknet. Die Blätter können Sie frisch oder getrocknet verwenden.
Die Droge ist ein altes Volksheilmittel für die äußerliche Anwendung und wird vor allem bei schlecht heilenden Wunden und Knochenbrüchen empfohlen. Bereits Paracelsus und Hildegard von Bingen schworen auf die Kräfte des Beinwells bei den genannten Problemen. Erstaunliche Heilerfolge bestätigt auch der berühmte Kräuter-Apotheker Mannfried Pahlow – insbesondere bei hartnäckigen chronischen Eiterungen, bei offenen Beinen und Zellgewebsentzündungen.
Die wundheilende Eigenschaft von Beinwell beruht vor allem auf seinem Anteil an Allantoin
Dieser Inhaltsstoff soll die Eiteransammlungen verflüssigen, die Zellteilung anregen und die Heilung sowohl innerlich als auch äußerlich vorantreiben. Keine andere Pflanze enthält soviel Allantoin wie diese Heilpflanze.
Beinwell entfaltet seine Heilwirkungen bei Aphten im Mund, bei Darmentzündungen und bei allen stumpfen, oberflächlichen offenen Verletzungen. Bei tiefen Verletzungen ist allerdings Vorsicht geboten, weil sich Gewebe über der Wunde bilden kann, ohne dass diese ausgeheilt ist. Auch bei Knochenbrüchen, Knochenhauterkrankungen, Zerrungen, Prellungen, Sehnenscheidenentzündungen und Blutergüssen soll die Wurzel hilfreich sein. Bei Konzentrations- und Gedächtnisschwäche hilft es dem Gehirn wieder auf die Beine.
Doch gibt es bei all der erstaunlichen Heilwirkung auch einen Wermutstropfen: Auf die innerliche Anwendung der Beinwellwurzel müssen Sie verzichten, denn die Pyrrolizidinalkaloide sind dafür zu giftig. Auch von der Anwendung bei offenen Wunden wird heute abgeraten. Generell sollte Beinwell nicht während einer Schwangerschaft angewendet werden.