Behandlung von Bandscheibenvorfall wird kontrovers diskutiert
Helmut Erb in Fit in 8 Minuten zum Thema Bandscheibenvorfall
vom 9. September 2010, 05:00 Uhr
GNL5356
einer meiner Lieblingsfußballspieler, Arne Friedrich, fällt gerade zwei Monate wegen einer Bandscheibenoperation aus. Die Schulmedizin hält Operiationen in vielen Fällen für das beste Mittel. Ganzheitlich orientierte Ärzte glauben, die klassische Behandlung mit Bewegung, Massage und Krankengymnastik sei langfristig am aussichtsreichsten. Die wissenschaftliche Datenlage gibt ihnen Recht. In Deutschland wird zu schnell und zu häufig operiert. Medizinisch zwingend ist dies nur bei Lähmungserscheinungen, Taubheitsgefühlen und wenn die Blasen- oder Darmfunktion gestört ist. Probleme durch Narbengewebe - auch immer wieder nachwachsendes sind nach Operationen keine Seltenheit.
Bei operativen Eingriffen besteht vor allem die Gefahr, dass es zu weiteren Bandscheibenvorfällen kommt, sofern die klassische Behandlung außer Acht gelassen wird. Jeder Eingriff stört das sensible Gleichgewicht aufs Neue. Langzeitstudien zeigen inzwischen, dass die konservative Therapie der Operation überlegen ist. Diese sorgt vor allem dafür, dass mehr Muskeln aufgebaut werden und eine andere Körperhaltung eingeübt wird. Je mehr Geduld Sie aufbringen, um so mehr arbeitet die Zeit für eine natürliche Heilung. Fast jeder Bandscheibenvorfall - so die aktuellsten Erkenntnisse - löst sich nach einigen Monaten von selbst wieder auf. Enzyme in der Lymphe bauen das drückende Bandscheibengewebe langsam wieder ab. Doch für so eine gemächliche Heilung hat ein Profi-Fußballer natürlich (?) keine Zeit.
Die Behandlung sollte nach meiner Erfahrung idealerweise körperliche und seelische Komponenten berücksichtigen. Nur die Kombination verschiedener Methoden kann wirklich zum Erfolg führen. Das heißt zunächst vor allem zu akzeptieren, dass der Rücken ein persönlicher Schwachpunkt ist, mit dem es zu leben gilt. Dann die Schmerztherapie das Nächstwichtige, damit der Körper nicht zu lange geschont wird. Denn die Wirbelsäule muss in Bewegung bleiben, damit es nicht zu einem gefährlichen Kreislauf kommt, in dem sich aus Angst vor Schmerzen eine Fehlhaltung entwickelt, die alles nur noch schlimmer macht. Das kann allerdings mühsam und langwierig sein. Aber es lohnt sich.
Falls das nichts bringt, erscheint es sinnvoll, da sich an eine Schmerzambulanz zu wenden, wo Sie die nötige Unterstützung zur Schmerzbekämpfung, aber auch vor allem auch wichtige Tipps in Sachen Bewegungstraining erhalten. Denn eine neuerliche Operation würde das Problem sicher nicht lösen.
Machen Sie es besser!
Ihr
Helmut Erb
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Rainer Winkelmann (09.09. 2010 10:08 Uhr):
Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich die obige Betrachtungsweise nicht nachvollziehen. Ich litt seit Anfang der 90-er unter Rückenbeschwerden und das obwohl ich ein Leben lang auf dem Bau, mit ständig wechselnder Tätigkeit betraut war. 1995 verschlimmerten sich die Beschwerden derart, dass mir eine weitere Tätigkeit auf dem Bau untersagt wurde. Grund: Bandscheibenvorfall durch Verschleiss. Eine OP wurde abgelehnt, wegen der von ihnen aufgeführte Risiken. Von da an begann für mich eine Tortur über 10 Jahre: Nervenklinik, Schmerztherapie, Gymnastik, Spritzen etc. Alles wirkte nur kurzzeitig. Es waren 10 Jahre verlorene Lebensqualität. Anfang 2005 wurde es so extrem, dass ich nachts das Bett nur auf allen Vieren zur Toilette verlassen konnte und das nur unter lautem Gestöhne! Beim nächsten Orthopädenbesuch verweigerte ich dann das Spritzen der üblichen Schmerzmittel und konfrontierte den Arzt mit meinen schon länger gehegten Suizid-Gedanken. Nun erst überwies er mich, mit dem Überweisungsvermerk - Patient besteht auf Überweisung - ans hiesige Klinikum. Eine Woche nach der dortigen Ambulanzuntersuchung erfolgte die Untersuchung mit Kontrastmittel und weitere 2 Tage später lag ich unter dem Messer. Eine OP die mein Leben wieder lebenswert gemacht hat! Ich bin seit diesem Tage schmerzfrei! Das widerlegt aus meiner Sicht eindeutig ihre These von alternativen Methoden zur Bandscheibenbehandlung. Es kann einfach nicht sein, dass über Jahre, an einem Menschen herum gedoktert wird, ohne Aussicht auf Erfolg. Allein die Kosten die meine jahrzehntelange Behandlung die Kasse und mich gekostet hat, hätte eine rechtzeitige OP gerechtfertigt, ganz zu Schweigen von den ausgestandenen Qualen. es grüsst sie freundlichst R.W.
Antworten - Kommentar von Apel Günter (09.09. 2010 10:19 Uhr):
Meine Erwartung eine Bewegungstherapie für meine HWS- Bandscheibe zu erhalten sehe ich als nicht erfüllt.
Antworten - Kommentar von Eric Mellner (09.09. 2010 15:18 Uhr):
In Italien wird seit Jahren nicht mehr operiert, man versucht Loesungen mit Massagen von spezialisierten Masseuren. Aber sicher ist interessant dass amerikanische Trainer behaupten dass der Urgrund von Bandscheibenvorfaellen eine fehlende Rueckenmuskulatur sei: Dies sei der Grund weswegen die Wirbelsaeule auf Grund einer ungenuegenden Rueckenmuskulatur nicht gehalten wird, somit absinkt sodass die Scheiben zwischen den Wirbeln herausgequetscht werden. Nach dieser Theorie, die anscheinend durch die Praxis bei vielen Sportlern bewiesen worden waere, ist die Heilung darin dass man seine Rueckenmuskeln staerkt und somit es gar nicht zu Bandscheibenproblemen kommen kann.
Antworten- Antwort von Peter Schneider (02.11. 2010 07:27 Uhr):
Ein starker Rücken kennt keinen Schmerz- und die Erde ist eine Scheibe! Schmerzen am Bewegungsapparat sind oft nicht die Frage von zu schwacher Muskulatur sondern von fehlender Beweglichkeit. Die Konzepte der Muskelkorsettmodells haben eines in den letzten 20 Jahren bewießen, nämlich immer mehr Menschen mit Rückenschmerzen. Es ist endlich an der Zeit in dieser Richtung mal umzudenken.
- Antwort von Peter Schneider (02.11. 2010 07:27 Uhr):